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Wuppertal: "Ich spiele eigentlich nur"

Wuppertal : "Ich spiele eigentlich nur"

David J. Becher ist seit 15 Jahren Mitglied des Vollplaybacktheaters, das mit "Die drei ???" zum Jubiläum wieder auf Deutschlandtournee geht. Daneben produziert und moderiert er seine eigene Talkshow als "Der liebe J.".

Das Vollplaybacktheater (VPT) gastiert in ganz Deutschland — und ist eine Erfindung aus Wuppertal. David J. Becher gehört von Anfang an, seit 1997, zum Ensemble der kultigen Truppe, die es sich zur Aufgabe macht, Abenteuer von "Die drei ???" auf die Bühne zu bringen, dabei aber die original Tonspur der Kassetten zu nutzen, mit denen viele der Zuschauer aufgewachsen sind. Im September startet der siebenköpfige Trupp seine Jubiläumstournee zum 15-jährigen Bestehen in Wuppertal.

Das Ensemble. Foto: VPT

Hörspiele auf der Bühne

"Für viele gehören ,Die drei ???' zu den Kindheitserinnerungen", erklärt sich David J. Becher den Erfolg des VPT. Mittlerweile hat das Ensemble auch schon andere Hörspiele auf die Bühne gebracht, etwa eine eigene Version, in der sich John Sinclair und Hanni und Nanni vermischen. Spaß an der Sache gehört für alle dazu. "Ich spiele eigentlich nur", sagt der 35-jährige Becher. Er sei in das VPT so hineingerutscht, weil er nach dem Abi nicht so recht wusste, was kommen soll. Mittlerweile verdient er sein Geld mit dem VPT und kann sich wiederum andere Herzensprojekte gönnen, die (noch) kein Geld abwerfen.

Wie etwa seine Talkshow "Das dem der liebe J. sein Wuppertal". Seit 2010 hat er schon neun Shows im Kulturverein Hebebühne, einer ehemaligen Autowerkstatt, produziert und für das Internet aufgezeichnet. Der Titel der Show macht deutlich: Becher liebt sperrige Titel und die Wuppertaler Mundart, die man bei ihm immer etwas heraushört. In seiner Show begrüßt er Talkgäste (im Mai war das Martina Steimer vom Forum Maximum) und Musiker (zuletzt Anna Luca). Dazwischen gibt es komische Einspielfilme mit Sketchen und schrägen Reportagen, etwa von Gerlinde Buschermöhle (Becher selbst als Oma verkleidet), die sich beim diesjährigen Schülerrock-Festival umgesehen hat. In der Kulisse der ehemaligen Werkstatt finden gerade mal 40 Zuschauer Platz, im Internet sehen die Show bis zu 200 Leute täglich.

"Kunst kommt von Müssen", ist Becher überzeugt. "Das sind alles Sachen, die rausmüssen", sagt er über seine Auftritte und Ideen. Erste Bühnenerfahrung sammelte er am Opernhaus, als er als 15-Jähriger Oliver Twist spielen durfte. Der Autodidakt trat anschließend beim Kinder- und Jugendtheater auf, wo er Supa-Knut kennenlernte, der letztlich die Idee zum Vollplaybacktheater hatte und ihn fragte, ob er mitmachen wolle. Aus geplanten vier Vorstellungen wurden 15 Jahre und eine wahre Erfolgsstory. Dass sich so etwas in Wuppertal entwickelt, findet David J. Becher typisch. Denn diese "dreckige, sperrige, anstrengende Stadt" biete einen optimalen Nährboden für eine kreative Kunstszene. "Hier gibt es viele Bekloppte, die an etwas herumbasteln. Alle sind hier bestens vernetzt, fast schon etwas inzestuös", sagt er überspitzt.

Über Maik Ohloff kam er zum "Sommerloch", bei dem er 2011 Jahr das Absurdistal-Festival mit acht Acts veranstaltete. Er habe einen Schrank voller Ideen in seinem Kopf — "mir wird in den nächsten 20 Jahren sicher nicht langweilig".

(RP)