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Wuppertal: Harmonie auf Truppenübungsplatz

Wuppertal : Harmonie auf Truppenübungsplatz

Das ehemalige Bundeswehrgelände ist ein beliebter Treffpunkt. Viele verschiedene Gruppen nutzen die Wege und die Wiesen. Es kam in der Vergangenheit aber immer wieder zu Konflikten. Doch das Zusammenleben soll nun rücksichtsvoller werden.

Die Herbstsonne lockt viele Spaziergänger auf die Südhöhen: Der Scharpenacken ist ein begehrter Treffpunkt — nicht nur bei Spaziergängern, auch bei Hundebesitzern und Modellfliegern ist die Anlage sehr beliebt. Auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände ist eigentlich genug Platz für alle. Trotzdem gab es immer wieder Streit, da die Schutzzonen nicht von allen eingehalten wurden.

Scharpenacken ist kein städtisches Gelände, der frühere Truppenübungsplatz gehört seit 2007 dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB). Für Besucher ist geöffnet, nur die eingezäunten Wiesen, die als Ausgleichsfläche anlässlich des Baus der JVA Ronsdorf angelegt wurden, dürfen nicht betreten werden. Wer diese Schutzzonen verletzt, muss mit einer Ordnungswidrigkeit sowie einer Strafe von 150 bis 200 Euro rechnen.

Zehn freiwillige Regeln

Doch es kam immer wieder zu Konflikten. Vor etwa einem Jahr drohte der Besitzer, der BLB, sogar mit der Schließung des Geländes für die Öffentlichkeit. Doch mit einem Runden Tisch auf Initiative des Vereins "Hundefreunde Scharpenacken" wurde der Dialog mit allen Beteiligten wieder aufgenommen. "Die Situation hat sich seitdem deutlich gebessert", sagt Christa Bohl vom BLB. Jetzt verpflichten sich die Hundebesitzer freiwillig, eingezäunte Wiesen nicht zu betreten oder die Hauptwege mit den Hunden zu verlassen, wenn dort viele Spaziergänger unterwegs sind.

Mit "zehn Geboten" appellieren die Hundebesitzer für gegenseitige Rücksicht und Verständnis. "Diese freiwilligen Regeln sind wirksamer als ein Verbot oder eine Leinenpflicht", findet Martina Eckermann, Sprecherin der Stadt Wuppertal, die selbst gern auf Scharpenacken spazieren geht. Die "Gebote" sind keine Behördenparagraphen, sondern alltagsnah formuliert. So soll die "Rudelbildung" — auch im wörtlichen Sinne — auf dem Hauptweg vermieden werden, indem Hunde mit ihren Besitzern von den Wegen auf die offenen Wiesen ausweichen. Umgekehrt plädieren die Hundehalte dafür, dass Fußgänger nicht "in starrer Zweier- oder Dreierfront" auf den Wegen flanieren, sondern — dem zwei- bis vierbeinigen Gegenverkehr zuliebe — auch mal hintereinander gehen.

Sämtliche motorisierten Geräte sind auf Scharpenacken auch in Zukunft verboten. Die Mitglieder des Modellflieger-Vereins "FMC Lichtenplatz" gehen zwar ungern dort weg, wo sie über Jahre toleriert wurden, haben aber Verständnis für die Situation. Gut wäre ein geeignetes Gelände in der Nähe, da viele Modellflieger in der Umgebung wohnen, meint der erste Vorsitzende Sven Anacker. Die Stadt will für diese Gruppe "unbedingt einen geeigneten Platz finden", betont Eckermann und fügt hinzu: "Mit dem Verein haben wir keine Probleme, was die Schutzzonen betrifft, Schwierigkeiten bereiten eher die nicht-organisierten, die sogenannten Wildflieger." In der Szene kursierte nämlich das Gerücht, es sei früher erlaubt gewesen, Modellflugzeuge auf Scharpenacken steigen zu lassen. Das war aber nie so.

Zurzeit wird also noch nach einem Alternativgelände gesucht. Im Gespräch war unter sieben weiteren eine Grünfläche an der Linde. "Aber das schied gleich aus wegen der Hochspannungsleitungen. Es war zu wenig Platz für uns", so Anacker. Die Suche ist nicht einfach, schließlich muss das künftige Gelände vielen Regularien standhalten: das Gebiet darf selbstverständlich nicht unter Naturschutz nicht stehen, aber auch das Landschaftsschutzrecht hat seine Vorgaben. So muss genügend Abstand zu Häusern und Wäldern gegeben sein. "Wir brauchen insgesamt eine Fläche von 30 mal 50 Quadratmetern. Allein die Startbahn umfasst 20 mal 50 Quadratmeter", erklärt Modellflieger Anacker. Der Vorsitzende ist aber optimistisch: Die Eigentümerin eines privaten Geländes am Wevelspütt will den Modellfliegern helfen und ihnen die Wiesen verpachten. In Kürze wird die Stadt den Antrag prüfen. Vielleicht können die Vereinsflieger im Alter von acht bis 78 Jahren schon bald umziehen und ihre Flieger dort steigen lassen — ganz legal und ungestört.

(RP)