Wuppertal: Große Wiedereröffnung der Beatbox

Wuppertal : Große Wiedereröffnung der Beatbox

Jahrelang wurde nach einer neuen Location gesucht. Heute Abend macht der beliebte Club an alter Stelle wieder auf.

Ohne Zweifel ist die Wesendonkstraße ein magischer Ort: Sie ist nicht nur benannt nach der in Elberfeld geborenen Schriftstellerin Mathilde Wesendonk (1828-1902), der Frau des Kaufmanns Otto Wesendonk, die in der Schweiz den Komponisten Richard Wagner traf, mit dem sie eine leidenschaftliche Affäre hatte. Seine "Wesendonklieder" machten die Lyrikerin unsterblich. Knapp 130 Jahre später, im April 1988, eröffnete in der Wesendonkstraße die Beatbox — ein beliebter Club, der auch weit über die Grenzen Wuppertals bekannt werden sollte.

Fragt man die Mitte Dreißig und um die Vierzigjährigen, so erinnern die sich mit strahlenden Augen an die erfolgreichen Jahre des Szeneclubs. Traten dort doch viele, damals noch völlig unbekannte Künstler wie die "Propellerheads", "Utah Saints", "Jamiroquai" oder die "Phoneheads" auf, bevor sie einem internationalen Publikum bekannt wurden.

Die Beatbox mausert sich rasch zu einem echten Aktivposten der Clubszene. Schnell sprach sich herum, dass die brandaktuelle Musik internationaler Clubs hier zuallererst auf die Plattenteller kam.

"Sogar asiatische Besucher machten bei ihren Urlauben in Deutschland extra bei uns Halt und stellten sich draußen vorm Club in die Schlange, um noch reinzukommen", erinnert sich Sayit Bayzit. Der 42-Jährige war früher selbst begeisterter Beatbox-Besucher. Heute macht er als DJ "Stussy" unter dem Namen "headsConnected" eigene Partyprojekte im Tal. So legte er im vergangenen Jahr beim Openair-Festival "My Secret Anna-Wald" auf dem Ölberg auf.

Bis 1996 zog die Beatbox ihre Gäste auch aus dem weiten Umland an. Doch dann war Schluss. Auch wenn immer wieder Diskotheken in den Räumen aufmachten, die Lücke, welche die Schließung der Beatbox für ihre Fans hinterließ, konnte nicht wieder gefüllt werden.

Seit Jahren hat Bayzit mit seinen Mitstreitern nach einer neuen Location gesucht. Zwar gab es an anderen Orten vereinzelte Beatbox-Revival-Parties, in denen man die charakteristische elektronische Mischung mit Jazz, Funk und Soul-Elementen wieder aufleben ließ. Doch die feste "musikalische Instanz", die fehlte.

Aber nun ist es soweit: Die Beatbox macht wieder auf. Mit im Team ist der alte Beatbox-Mitbegründer Markus Kammann, der mit Lars Caspari für das "Booking" zuständig ist. Sayit Bayzit hat die Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Und Jens Nowatzki kümmert sich um die Gastronomie. Als hauseigene DJs werden Kammann (alias "Data Punk"), Bayzit ("Stussy") und Caspari ("Doc Jester") auch selbst regelmäßig auflegen.

Donnerstags wird bereits ab 22 Uhr der alte Beatbox-Style gepflegt. Freitags gibt es ab 23 Uhr ein "groovy, funky & housy orientiertes" internationales Booking. Dies wird um eine monatliche Beatbox-Classix Nacht erweitert, in der auch die DJs von damals auflegen. Und samstags wechseln sich internationale "Bookings" mit aktuellen Nachwuchs-DJs ab.

Vielleicht liegt es ja auch am geschichtsträchtigen Namen der Wesendonkstraße, dass es die Crew wieder an den Ort des Ursprungs zurückzog — ein idealer Platz, um wieder an die goldenen Zeiten der neunziger Jahre anzuknüpfen und nicht nur Wuppertals Clubszene mit lautstarken Beats gehörig aufzumischen.

(RP)
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