Amokalarm in Wuppertal Verletzte Schüler außer Lebensgefahr

Wuppertal · An einem Wuppertaler Gymnasium hat ein 17-Jähriger mehrere Mitschüler mit Messern attackiert und schwer verletzt. Am Freitag bleibt die Schule zwar geöffnet, für die unmittelbar betroffenen Schüler fällt der Unterricht jedoch aus. Was genau geplant ist.

Mehrere Schüler bei Angriff an Wuppertaler Schule verletzt
38 Bilder

Mehrere Schüler bei Angriff an Wuppertaler Schule verletzt

38 Bilder
Foto: dpa/-

Nach dem Messerangriff auf mehrere Schüler an einem Wuppertaler Gymnasium laufen die Ermittlungen zu den Hintergründen des Gewaltverbrechens weiter. Die verletzten Schüler sind inzwischen alle außer Lebensgefahr. Das hat ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag auf Anfrage mitgeteilt. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 17-Jährigen, der selbst noch Schüler ist. Zu den möglichen Motiven des Verdächtigen hat sich die Staatsanwaltschaft Wuppertal bislang nicht geäußert. Nach Angaben eines Polizeisprechers gehen die Ermittler von einer Amoktat aus. Bei einer Pressekonferenz am Freitag wollen sie sich zum Stand der Ermittlungen äußern.

Das Gymnasium hatte am Donnerstagvormittag Amokalarm ausgelöst, nachdem der 17-Jährige mit mehreren Waffen auf Mitschüler eingestochen haben soll. Beim Eintreffen der ersten Polizeikräfte wurde er festgenommen. Der Jugendliche wies – mutmaßlich selbst zugefügte – Stichverletzungen auf. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Verletzungen als lebensgefährlich.

Die Polizei gab die Zahl der verletzten Opfer am Donnerstag zunächst mit vier an, hinzu kommt der mutmaßliche Angreifer selbst. Er und zwei Schüler mussten auf der Intensivstation behandelt werden.

Hilfsangebote für die Schüler nach Attacke

Am Freitag soll das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium im Stadtteil Elberfeld nach Angaben der Bezirksregierung zwar geöffnet sein, für die unmittelbar betroffenen Schülerinnen und Schüler werde es aber keinen Unterricht geben. Insgesamt 30 Psychologen sollen in die Schule kommen, um die Geschehnisse mit den Schülern aufzuarbeiten.

Zu dem Angriff war es inmitten des laufenden Schulbetriebs gekommen. Schüler berichteten, wie sie per Durchsage aufgefordert wurden, sich in ihren Klassenräumen einzuschließen. Die Polizei durchsuchte das Gebäude und sperrte es weiträumig ab. Rund zwei Stunden nach dem Beginn des Einsatzes teilte die Polizei mit, dass die Schülerinnen und Schüler in Sicherheit seien.

Das sagt ein Psychotherapeut zu der Attacke

Die Amoktat an einem Wuppertaler Gymnasium ist aus Sicht des Kölner Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten Christian Lüdke ein Beispiel für zunehmende Gewaltdelikte unter gleichaltrigen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Zwar zeigten die polizeilichen Kriminalstatistiken keinen drastischen Anstieg bei der Gesamtzahl solcher Fälle, allerdings nehme die Brutalität und der Einsatz von Messern und anderen Waffen zu, sagte Lüdke am Freitag im „Morgenecho“ von WDR 5.

Häufig gebe es schon sehr früh Indizien in der Familie, wenn ein Kind abdrifte. „Zunächst, dass Kinder entweder sehr ruhig sind, verstummen, wenig soziale Kontakte haben oder relativ früh schon sehr aggressiv sind, teilweise dann Gewalt verherrlichen“, beschrieb der Trauma-Therapeut Verhaltensauffälligkeiten. Leider werde darauf häufig nicht reagiert.

Tatsächlich sei schon das Elternhaus ein großer Risikofaktor bei der Entwicklung gewalttätiger Kinder, erklärte Lüdke, der auch als psychologischer Ausbilder von Spezialeinheiten der nordrhein-westfälischen Polizei gearbeitet hat. „Häufig haben solche Jugendliche Eltern, die selbst Gewalt tolerieren oder selber sehr aggressiv sind.“

In diesen Familien gebe es oft keine starke emotionale Bindung, so dass die Kinder häufig kein Mitgefühl für Andere entwickeln könnten. „Von daher verfallen sie dann in eine Art gefühlsmäßige Vollnarkose“, sagte der Experte. „Sie fühlen sich ohnmächtig und durch die Gewaltausübung verwandeln sie das Gefühl von Ohnmacht in ein kurzzeitiges Erleben von Allmacht. Im schlimmsten Fall nach dem Motto: Ich bin Herr über Leben und Tod.“

(kag/dpa)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort