Wuppertal: Eine Oper voller Intensität und Stärke

Wuppertal: Eine Oper voller Intensität und Stärke

"Aschemond oder The Fairy Queen" wurde bei der Premiere erstklassig in Szene gesetzt.

Die Oper "Aschemond oder The Fairy Queen" von Helmut Oehring hat immense Anforderungen: Zwei Dirigenten und zwei Orchester, Instrumentalsolisten, elektronische Zuspiele und eine komplexe Verstärkung aller Instrumente, aller Sänger und eines Chores. Dieses komplexe Werk ohne Handlung hatte jetzt in einer überarbeiteten Fassung im Wuppertaler Opernhaus seine Teiluraufführung. Das Libretto von Stefanie Wörtmann besteht aus Textcollagen von William Shakespeare, Heinrich Heine, Adalbert Stifter und Oehring selbst ohne direkte Handlung.

Regisseure stehen also vor einer riesigen Herausforderung, diese literarische Montage in Szene zu setzen. In Wuppertal entscheidet sich Immo Karaman für eine Bahnhofswartehalle (Aida Guardia), die im Schlussteil zu einem nach allen Seiten offenen schwarzen Raum mutiert. Menschen in ockerbrauner Kleidung (Fabian Posca) kommen und gehen. Ein Psychotrip nach dem anderen geschieht dort vom Prolog über die drei Jahreszeiten Sommer, Herbst und Winter bis zum Epilog. Surreal erscheinen die Geister der Nacht, Feen greifen ein. Unerbittlich dreht sich die Bahnhofsuhr, die Zeit rinnt schnell dahin. Permanent wird die Sonnenfinsternis als Metapher auf die Deckung von Mann und Frau vor Augen geführt, die nichts Gutes verheißt. Es geschehen Verquickungen von rätselhaften, realen, grotesken Momenten.

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Diese diffuse Materie wird stimmlich und darstellerisch erstklassig in Szene gesetzt. Sicher singen die sieben Gesangssolisten ebenso die über 300 Jahren alten Weisen aus Henry Purcells Semi-Oper "The Fairy-Queen" wie die anspruchsvollen Tonfolgen Oehrings. An spielerischer Intensität und packender gesanglicher Ausdrucksstärke steht ihnen der Chor und Extrachor der Wuppertaler Bühnen (Einstudierung: Markus Baisch) in nichts nach. Hinzu kommt Gebärden-Solistin Kassandra Wedel, die für weitere spannende Gestaltungsschichten sorgt.

Jonathan Stockhammer sorgt erstklassig dafür, dass sich die nicht minder vielschichtige Musik von der Bühne, aus dem Orchestergraben und aus den Lautsprechern ausgewogen im Auditorium verteilt. Und die Musiker des geteilten Sinfonieorchesters Wuppertal mit Michael Cook als Verantwortlichem für die Barockmusik sowie die beiden Instrumentalsolisten spielen mit festem Zugriff. Trotz fehlenden konkreten Inhalts gibt es einen roten Faden. Nur besteht er aus reiner Emotion, voll an Melancholie, Perspektivlosigkeit und Depression. Das Premierenpublikum zeigt sich aufgeschlossen und zollt der avantgardistischen Oper allen Beteiligten langanhaltenden Beifall.

(RP)
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