Zoo Wuppertal: Der Zoodirektor verabschiedet sich

Zoo Wuppertal: Der Zoodirektor verabschiedet sich

Nach fast 25 Jahren ist Ulrich Schürer in den Ruhestand gegangen. Der Wuppertal Zoo trägt seine Handschrift.

Im Herzen eines Zoodirektors haben viele Tiere Platz. Die Elefanten aber sind für Ulrich Schürer ganz besonders. Und so ist es kein Wunder, dass er seinen Abschied vom Zoo am Freitag, einen Tag nach seinem 65. Geburtstag, mit vielen Weggefährten und Mitarbeitern im Elefantenhaus feiert.

Schürer hat die Elefantenanlage 1995 gebaut. Ein Ruf an den renommierten Zoo nach Frankfurt, der in dieser Zeit kam, ließ er unerhört - Wuppertal war spannender für den gebürtigen Schwaben. Damals war es neu, dass Elefanten auch im Haus eine Freilauffläche haben und dass ein Bulle einen großen eigenen Bereich hat. Bei den Bewohnern hatte sich Schürer für afrikanische Elefanten entschieden, auch wenn diese schwieriger in der Haltung seien. "Für mich ist ein Elefant mit großen Stoßzähnen attraktiver."

Heute gehört das Elefantenhaus zu den Attraktionen des Wuppertaler Zoos - ebenso wie Tigertal und Löwenhege, die Pinguin-Anlage, das Okapigelände oder die Außengehege für die Menschenaffen. Diese und andere Gehege sind in den fast 25 Jahren, in denen Schürer Zoodirektor war, entstanden. Der Zoo trägt seine Handschrift. "Er hat sich zu einem modernen, zeitgemäßen Zoo entwickelt, auch wenn wir nicht so viel wie andere investieren konnten", sagt Schürer.

Ein Tierpflegepraktikum hatte ihn 1966 erstmals nach Wuppertal geführt. Nach Studium und Doktorarbeit, für die er Kängurus in Australien studierte, kehrte er 1973 nach Wuppertal zurück. Und blieb. 1988 übernahm er die Leitung des Zoos. Schürer wohnte sogar auf dem Zoogelände - erst in diesem Jahr sind seine Frau Martina, die Leiterin der Zooschule, und er ausgezogen. Schürers Ruhestand-Zuhause steht in Solingen-Gräfrath.

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Dass der Zoo bei den Besuchern nach wie vor beliebt ist, macht Schürer im Rückblick auf fast 40 Jahre in Wuppertal besonders zufrieden. "Der Zoo wird für die Menschen gemacht", sagt Schürer. "Es ist unsere Aufgabe, ihnen die Tiere nahezubringen, damit sie lernen, dass das erhaltenswerte, interessante Geschöpfe sind." Und während die Besucher natürlich aufsehenerregende Tiere wie das Eisbärmädchen Anori, die Tigerbabys oder die kleinen Elefanten brauchen, freut sich der Zoodirektor auch über weniger spektakuläre Geburten oder Zuchterfolge.

Rund 5000 Tiere hat der Wuppertaler Zoo. Schürer kannte sie fast alle. Dass er zu einigen wenigen eine besondere Beziehung aufbauen konnte, wie zu der Bongo-Antilope, die schon auf seine Streicheleinheiten wartete, gehörte zu den Sternstunden seines Berufs. Die Schattenseite: missglückte Geburten, ein plötzlicher Tod, der Abschied von Tieren, die man lange kannte. "Das kann man nicht so einfach abschütteln", erzählt er.

Ulrich Schürer hat langsam Abschied genommen von seinem Zoo, war in den vergangenen Monaten nur noch tageweise dort. Und hat bei seinen Rundgängen doch immer noch Neues entdeckt. "Im Zoo ist kein Tag wie der andere. Man entdeckt etwas, was man in 39 Jahren nicht gesehen habe." So habe er vor einiger Zeit erstmals wahrgenommen, wie sich die Kehle der Kronenkraniche bewegt, wenn sie rufen.

Längst nicht alle Pläne, die Schürer für den Zoo hatte, konnte er umsetzen. Seinem Nachfolger hinterlässt er Ideen für ein Kleinkatzenhaus und eine Voliere für die Schuhschnäbel. Auch die 1988 gebaute Eisbärenanlage wäre für eine Erweiterung reif. Der Nachfolger steht noch nicht fest. Die Stelle wird ausgeschrieben. Bis sie besetzt ist, leitet Tierarzt Arne Lawrenz den Zoo.

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