Wuppertal: Der Ritterschlag für Joachim Dorfmüller

Wuppertal: Der Ritterschlag für Joachim Dorfmüller

Der norwegische König Harald V. ernennt den Organisten und Musikwissenschaftler zum Ritter

"Ach, das hat sich im Laufe der Jahre so ergeben", sagt Joachim Dorfmüller. Eine hübsche Untertreibung, schließlich hat ihn der norwegische König Harald V. zum Ritter 1\. Klasse des Königlich Norwegischen Verdienstordens ernannt. Heute überreicht ihm der norwegische Botschafter den Orden bei einem Festakt in Wuppertal. Das sei die königliche Anerkennung für Dorfmüllers unermüdliche Arbeit für die Verbreitung norwegischer Musik, insbesondere Klavier- und Orgelmusik, in Deutschland und Europa, heißt es in der Mitteilung der Botschaft.

Seit den 1960er Jahren hält der Wuppertaler eine enge Verbindung zu Norwegen. "Ich war zig-mal da, mindestens einmal im Jahr". Angefangen habe das 1963/64 mit dem norwegischen Opernsänger Helge Birkeland. Der brauchte innerhalb einer Viertelstunde einen Pianisten, Dorfmüller, damals schon Organist in der Lutherkirche in Heckinghausen, sprang ein - "ein halbes Jahr später waren wir in Norwegen zusammen auf Tournee". Das Interesse an dem Land und seiner Musik hat ihn nie mehr verlassen. Für seine Doktorarbeit 1969 betrieb er "Studien zur norwegischen Klaviermusik in der ersten Hälfte des 20\. Jahrhunderts". Von 1985 an fuhr er mindestens einmal im Jahr auf einem Kreuzfahrtschiff die norwegische Küste entlang: "Ich war als klassischer Pianist engagiert. Wenn der Unterhaltunskollege ausfiel, habe ich auch mal einen Boogie gespielt."

Auch andere Urlaube, Tourneen und Vorträge führen ihn bis heute regelmäßig in den hohen Norden. Selbst die drei Kinder haben skandinavische Vornamen: Ann-Christin, Birte und Helge - beim Festakt sind alle dabei.

Besonders intensiv hat sich der Musikwissenschaftler mit dem norwegischen Komponisten Edvard Grieg beschäftigt, bis heute ist er Präsident der Deutschen Grieg-Gesellschaft in Münster.

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An der dortigen Hochschule ist er zwar seit 2004 emeritiert, hält aber weiterhin eine Vorlesung in der Woche und betreut Doktoranden.

Wer ihn für die Ritterehre vorgeschlagen hat, weiß Dorfmüller nicht. "Ich weiß nur, dass der Vorschlag von norwegischer Seite kam, und anschließend bei Kollegen fünf Gutachten über mich eingefordert wurden." Dies ist nicht Dorfmüllers erster Orden. 2004 erhielt er die Verdienstmedaille des Bundesverdienstkreuzes, vor sechs Jahren den Orden des dänisch-norwegischen Königs Christian IV (1577-1648). "Bei meinem Konzert 2011 in Kristiansand ging vor der Zugabe plötzlich die Tür auf. Herein trat ein Herr in hohen Stiefeln, mit Schärpe und Zepter. Ich musste niederknien und bekam den Ritterschlag", erzählt er. "Der Botschafter wird sich am Freitag sicher nicht verkleiden." Eine gewisse Kleiderordnung gibt es aber schon. "Ich habe mich gerade in der Botschaft erkundigt", sagt der neue Ritter.

So lässig die Norweger in ihrer Freizeit seien, so sehr achteten sie bei offiziellen Anlässen auf die Form: "Ein schwarzer Anzug muss sein. Aber ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal eine Krawatte getragen habe."

Auch inhaltlich ist Joachim Dorfmüller gut vorbereitet: Einen Teil seiner Dankesrede wird er auf Norwegisch halten.

(RP)
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