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Wuppertal: Bergische Studenten planen muslimischen Friedhof

Wuppertal : Bergische Studenten planen muslimischen Friedhof

Die angehenden Architekten beteiligen Anwohner an dem einmaligen Projekt. 2018 soll es die erste Bestattung geben.

Die Geburt wird nicht ganz leicht, aber sie wird gelingen. Das zumindest ist der Eindruck, den jetzt die erste Anwohneranhörung für den Bau des muslimischen Friedhofes an der Krummacher Straße in Varresbeck machte. Er entsteht auf einer Fläche von zwei Hektar. Der zweite Vorsitzende des muslimischen Friedhofsvereines, Mohamed Abodahab, rechnet anfangs mit 100 Bestattungen pro Jahr. "Die Zahl wird aber steigen", sagte er.

Doch so einfach, wie es klingt, wird die Umsetzung des Planes womöglich nicht werden. Dabei ist das Projekt weltweit ohnegleichen. Ein evangelischer, ein jüdischer und ein muslimischer Friedhof in unmittelbarer Nachbarschaft - das gibt es an keinem anderen Ort auf der Erde. Aber ein Friedhof ist nicht einfach errichtet. Das lernten auch die Architekturstudenten der Bergischen Uni, die das Grabfeld mit ihrem Professor Klaus Overmeyer planen. Denn die Toten haben lebendige Nachbarn. Und für einige von jenen ändert sich die Aussicht. Statt eines wild bewachsenen Hanges erstrecken sich in Zukunft Reihen von Gräbern vor ihren Terrassen. Darüber muss geredet werden. Und darüber wurde geredet. Die Frage, wie Sichten sinnvoll verbaut und gleichzeitig Schattenwurf vermieden wird, dürfte den Studierenden des fünften Semesters noch Kopfzerbrechen bereiten.

Gleichwohl ist mit ihrer Arbeit nicht das Wohl und Wehe des Projektes verbunden. Der Friedhof sei genehmigt, sagte eine Vertreterin der Stadt. Er werde nach geltenden rechtlichen Vorgaben errichtet. Auf dem Weg dorthin wollen Studenten und Trägerverein die Bürgerinformation noch intensivieren. In der kommenden Woche soll bei verschiedenen Ortsterminen geklärt werden, wie die Quadratur des Kreises gelingen kann. Manche Anwohner fühlen sich beim Gedanken an einen Friedhof in direkter Nachbarschaft nicht sonderlich wohl. Eine junge Mutter will vermeiden, ihre kleinen Kinder schon jetzt mit dem Thema Tod konfrontieren zu müssen. Widerstand gegen das Projekt gab es an dem Abend aber nicht, nur den Wunsch, das Miteinander von Anwohnern und muslimischer Bestattungskultur so einvernehmlich wie möglich zu gestalten.

Bisher werden Wuppertaler islamischen Glaubens auf dem kommunalen Gräberfeld in Ronsdorf bestattet. Dort ist in absehbarer Zeit keine Belegung mehr möglich. Der entstehende muslimische Friedhof habe mit "gesellschaftlichen Veränderungen und der Lebenswirklichkeit von der Wiege bis zur Bahre zu tun", sagte Sozialdezernent Stefan Kühn. Träger des Projektes ist der "Verein muslimische Friedhöfe in Wuppertal". Er hat der evangelischen Kirche die Fläche mit Hilfe der hiesigen Moscheevereine für 200 000 Euro abgekauft. Wie hoch die Investition sein wird, weiß Vorsitzender Mustafa Temizer, noch nicht. Derzeit leben in Wuppertal etwa 30 000 Moslems. Pro Jahr sterben 300 von ihnen.

(RP)