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Wuppertal: Bergische Orte, die man kennen sollte

Wuppertal : Bergische Orte, die man kennen sollte

"111 Orte im Bergischen Land, die man gesehen haben muss" nennt sich ein neues Buch, das gerade im Emons Verlag erschienen ist. Doch was kennzeichnet einen Ort, den man gesehen haben muss? Sicher das Besondere, das Einzigartige, das Prägende einer Stadt. Dabei sollte man natürlich die Highlights benennen, aber auch einige Überraschungen parat haben, so dass sich weder die Kenner noch die Gäste des Bergischen Landes langweilen. Beides gelingt den Autoren des neuen Buchs.

Ralf Koss und Stefanie Kuhne stellen bekannte Orte vor, aber auch eher unbekannte, versteckte Kleinode, die entdeckt werden wollen. Dazu gibt es Geschichten und Anekdötchen rund um den jeweiligen Ort plus praktische Informationen über Anreise und Öffnungszeiten.

Das Briller Viertel gehört zu den größten zusammenhängenden Villenvierteln in Europa. Regelmäßig werden Führungen angeboten. Foto: emons verlag

Für Wuppertal verzeichnet das Buch 15 Orte, "die man gesehen haben muss". Sie stellen bekannte Attraktionen vor wie das Arboretum Burgholz oder den Skulpturenpark Waldfrieden, beides Touristenhighlights mit Strahlkraft weit über Wuppertal hinaus. Einige Denkmäler finden in dem Buch Beachtung. So das "Meinwärts"-Denkmal Else Lasker-Schülers in der Elberfelder Fußgängerzone und das Engels-Denkmal von Alfred Hrdlicka von 1981, das bei seiner Entstehung höchst umstritten war. Es stellt kein Porträt des in Wuppertal geborenen Kommunisten dar, sondern eher eine Würdigung seines politischen Denkens. Demnächst wird es wohl ein neues Engels-Denkmal geben, diesmal tatsächlich als Porträt gestaltet. Bisher hat noch niemand daran Anstoß genommen — zumal es von den Chinesen, die zu Hunderten jedes Jahr nach Wuppertal pilgern, bezahlt wird.

Ein eher unbekanntes Denkmal steht an einer ungewöhnlichen Stelle: der Autobahnraststätte Ehrenberg auf der A1. Es ist laut der Autoren eines der wichtigsten Spätwerke von Peter Brüning. Die zwei bemalten Eisenringe auf hohen Stelen stellen "aufgerollte Verkehrsbahnen dar und symbolisieren damit deren Unendlichkeit".

Die unterschiedlichen Religionen in Wuppertal finden ihren Ausdruck in verschiedenen Gotteshäusern: etwa die Bergische Synagoge, die gerade ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert hat, und die Merkez-Mosche an der Gathe. Zunächst entstand in den 80er Jahren lediglich ein muslimischer Gebetsraum in einer Baulücke, an den nach und nach angebaut wurde. Die Gemeinde hat sich also zunehmend integriert und ist sesshaft geworden 1999 folgte das Minarett, das die Moschee unverkennbar macht. Es darf allerdings nicht von einem Muezzin genutzt werden, was die Bauordnung festgeschrieben hat. "Darin drücken sich die Sorgen aus, die den Prozess der Integration von Muslimen in die deutsche Gesellschaft begleiten", schreiben die Autoren.

Wuppertal ist eine Stadt der Treppen — kein Wunder bei den vielen Bergen. Eine besondere der insgesamt 470 öffentlichen Treppen haben sich Koss und Kuhne herausgepickt: die Holsteiner Treppe in Elberfeld, auch wenn das Tippen-Tappen-Tönchen sicher den schöneren, lautmalerischen Namen besitzt. Die Holsteiner Treppe führt den Engelnberg hinauf und gehört zum Kunstprojekt "7 Treppen", das 2006 dank Sponsoren dafür sorgen wollte, Wuppertals Treppen begehbar zu halten. Künstler Horst Gläsker schuf eine Installation auf und mit der Treppe, eine Art Lebensweg mit Botschaften wie "Tanzen" oder "Schmachten" auf den unterschiedlich farbigen Stufen.

Eine europäische Besonderheit stellt das Briller Viertel dar, mit 250 unter Denkmalschutz stehenden Häusern auf 1,2 Quadratkilometer eines der größten Villenviertel. Die Wuppertaler Fabrikanten bauten sich hier auf dem Hügel, nahe des grünen Nützenbergs, ihre Prachthäuser. Ebenfalls von vergangenen Zeiten kündet der Sambawagen, ein Schienenbus, der bis Ende der 80er Jahre auf der gleichnamigen Trasse verkehrte. Heute hat er seinen finalen Parkplatz auf dem Gelände der Firma Knipex in Cronenberg gefunden. Wer alte Straßenbahnen im Einsatz erleben will, kann in der Kohlfuhrt das Bergische Straßenbahnmuseum besuchen, wo im Sommer jedes Wochenende die alten Wagen zurück auf die Schienen dürfen.

(RP)