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Wuppertal: Bau-Boom: Handwerker fehlen

Wuppertal : Bau-Boom: Handwerker fehlen

Baubetriebe sind ausgelastet wie lange nicht mehr. Das merkt auch die Stadt, die unter anderem beim Radhaus und neuen Busbahnhof ausgebremst wurde. Die Stadt verbaut in diesem Jahr fast 100 Millionen Euro.

Handwerker sind momentan absolute Mangelware. Das bekommen private Investoren, aber auch die Stadt zu spüren. Vor ein paar Monaten scheiterte die Ausschreibung für das neue Radhaus am Döppersberg, weil sich kein einziger Bewerber meldete. "Das haben wir noch nie gehabt", sagt Uwe Flunkert, Betriebsleiter beim Gebäudemanagement der Stadt. In einer zweiten Runde gab es dann ein Angebot - preislich dreimal so hoch wie erwartet. "Jetzt sind wir in der dritten Runde und nur noch beim doppelten Preis", sagt Flunkert. Er hofft, dass es nach den Ferien vielleicht wieder bauwillige Firmen gibt.

Der Fall Radhaus sei extrem, aber er verdeutliche einen Trend: Es gibt - besonders in Wuppertal - einen echten Bau-Boom, den die ausführenden Firmen langsam nur noch schwer abarbeiten können. Wo es früher zehn Bewerber gab, gebe es jetzt noch drei. Flunkert sagt: "Ich mache mir schon ein wenig Sorgen um die Aufträge fürs nächste Jahr." Bürgermeister Andreas Mucke erinnert sich, dass auch die Ausschreibung zu den Arbeiten an den Dächern des neuen Busbahnhofs nicht im ersten Ausschreibungsanlauf erfolgreich war. Der Nebeneffekt der enormen Auslastung auf dem Bausektor: "Die Preise liegen über dem Mond", sagt Mucke.

Der Druck kommt von zwei Seiten. Einerseits baut Wuppertal derzeit unheimlich viel. "Wir geben in diesem Jahr fast 100 Millionen Euro für Baumaßnahmen aus und im kommenden Jahr wird das nicht viel anders sein", sagt Gebäudemanager Uwe Flunkert.

Das normale Pensum lag zuletzt eigentlich bei 55 Millionen Euro im Jahr, aber die vielen Förderprogramme wie etwa "Gute Schule 2020" oder "Soziale Stadt" bieten den Kommunen jetzt einmalige Gelegenheiten, Finanzmittel von Land und Bund abzugreifen. Oft hat Oberbürgermeister Mucke betont: "Wir lassen keinen Cent Fördergeld liegen." Zusätzlich sorgen die Niedrigzinsen bei privaten wie öffentlichen Bauherren für Investitionslaune. Auf der anderen Seite reichen immer häufiger im Handwerk die Kapazitäten nicht mehr. Kreishandwerksmeister Arndt Krüger betont, dass jetzt die ersten Anzeichen des Fachkräftemangels deutlich werden. Schließlich könnten viele Betriebe nicht mehr Aufträge annehmen, weil sie die Personalkapazitäten nicht haben. Das Ergebnis sind lange Vorlaufzeiten.

"Die Kunden denken schon, wir wollen sie veräppeln", sagt Krüger, der in seinem Glas- und Fensterbau-Betrieb Vorlaufzeiten von bis zu drei Monaten hat. "Und bei den Zulieferern sieht es auch nicht anders aus", sagt Krüger. Dass selbst Bauzäune Mangelware geworden sind, musste Baudezernent Frank Meyer feststellen: "Da sind wir nach dem Starkregen kaum noch drangekommen."

Aus Sicht des Handwerks hat die Situation zwei Seiten. Krüger betont: "Schön an dieser Auslastung ist die Planungssicherheit." Allerdings steige der Druck im Alltag. Man müsse achtgeben, die Kunden jetzt nicht zu verärgern.

Uwe Flunkert vom Gebäudemanagement hat nun immer mehr mit offenbar überlasteten Handwerksbetrieben zu tun. Er sagt: "Einige muss man jetzt wirklich erinnern, dass sie langsam einmal eine Rechnung schicken müssen."

Der Wuppertaler Bauunternehmer Burkhard Orf hofft, dass die Verknappung im Handwerk auch eine Chance sein kann und befürwortet den Anstieg der Preise. "Wir müssen auch bessere Gehälter zahlen, um unsere Mitarbeiter halten zu können", sagt der Chef von zehn Angestellten. ",Geiz ist geil' muss endlich raus aus den Köpfen." Das Handwerk müsse endlich wieder die Anerkennung erhalten, die es verdient hat.

(RP)