Wuppertal: 20 Jahre Wupper Theater

Wuppertal: 20 Jahre Wupper Theater

Freie Theater haben es nicht leicht und müssen immer um ihre Unterstützung kämpfen. Umso erstaunlicher, wenn es eine Truppe geschafft hat, 20 Jahre zu überleben. Am Freitag feiert das deutsch-türkische Wupper Theater Jubiläum.

Etwa zehn Theaterprofis, Schauspieler, Regisseure und Bühnenbildner, hatten 1990 die Idee, ein interkulturelles, zweisprachiges Theater zu gründen. Die erste Produktion "Der Wolf, die Lämmer und die Geißlein" war ein interaktives Kinderstück, das auf dem bekannten Märchen basiert, das es auch in der Türkei gibt. Die Geißen sprachen deutsch, die Lämmer türkisch und der Wolf beides. "Das Stück haben wir aus eigener Kraft entwickelt. So konnten die Zuschauer uns und unsere Intention von Theater kennenlernen", sagt Barbara Krott. Die Bühnen- und Kostümbildnerin, die früher an den Wuppertaler Bühnen gearbeitet hat, gehört mit zu den Gründungsmitgliedern des Wupper Theaters und kümmert sich von Anfang an um die Konzeption sowie um die Finanzen. Seit 2010 wird sie dabei von Schauspielerin Lilay Huser ("Alemanya") unterstützt, die ebenfalls 1991 die Truppe mitgründete. Regisseur Meray Ülgen sowie Schauspieler Vedat Erincin waren ebenfalls von Anfang an dabei.

Gastspiele in ganz Deutschland

Seit 20 Jahren bringt das Wupper Theater jedes Jahr ein bis zwei Kinderstücke und ein Erwachsenenstück heraus. Für das Jugendprojekt "Unheimlich" erhielt es 2003 den Goldenen Stern der EU. Bei ihren Abenden bewegen sich die Theatermacher an der Schnittstelle von Vorderer Orient und Mitteleuropa. Der Palästinenserkonflikt wurde ebenso thematisiert wie bosnische Geschichte. Stücke von Hanif Kureishi und Friedrich Ani standen genauso auf dem Spielplan wie eine Dramatisierung des Romans "Türkischrot" der Wuppertaler Autorin Christiane Gibiec, das in eine dreiteilige "Bergische Reise" integriert wurde.

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Von Anfang an standen Gastspiele in ganz Deutschland auf dem Programm. "Der Wolf, die Lämmer und die Geißlein" ist mehr als acht Jahre quer durch die Republik gespielt worden. Das Erfolgsrezept laut Krott: "Etwas Spannendes zeigen und gleichzeitig dem Zuschauer auf Augenhöhe begegnen."

Ein weiteres wichtiges Standbein des Wupper Theaters sind die Workshops. In 55 Schulen in ganz NRW haben Lilay Huser und Barbara Krott mit Jugendlichen gearbeitet. Das Wichtige sei der Arbeitsprozess, beschreibt Kulturdezernent Matthias Nocke die Arbeit des Wupper Theaters im Grußwort der Jubiläumsschrift: "Ein Arbeitsprozess, in dem Menschen mit unterschiedlichsten ethnischen und religiösen Hintergründen zusammenkommen, einander kennenlernen und füreinander mehr Verständnis entwickeln." So trage das Theater "zum friedlichen Miteinander unterschiedlicher Nationen in unserer Stadt erfolgreich bei".

Trotz schwieriger Finanzlage wollen die Beteiligten weitermachen. Krott: "Man darf den Mut nicht verlieren und die Fantasie nicht einschränken lassen." Für 2012 steht ein Austauschprojekt mit Südostanatolien an, zu dem auch ein Film gedreht wird. Außerdem sollen die beiden Kabarettprogramme der "Trockenblumen", die Lilay Huser und Marcia Golgowsky gemeinsam gestalten, zu einem neuen zusammengefasst werden.

(RP)
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