Wülfrath: Zeitzeugin berichtet von DDR-Gefängnis

Wülfrath : Zeitzeugin berichtet von DDR-Gefängnis

Wenn man Regina Labahn erzählen hört von ihrer Zeit in Hoheneck, von den unvorstellbaren Grausamkeiten dort, der Kälte, dem Grauen, dann bleibt nur eins: totale Fassungslosigkeit. Rund 25 interessierte Bürger sind in die Medienwelt gekommen, um mehr über die jüngste politische Zeitgeschichte zu erfahren, um sich noch mehr ein Bild machen zu können von dem, was damals in der DDR tatsächlich hinter all den hohen Mauern passiert ist. Als politisch Gefangene wurde Regina Labahn inhaftiert, weil sie sich geweigert hatte, einen DDR Staatsbürgerausweis anzunehmen. Diesen "Staatsverrat" zahlte sie mit 18 Monaten Gefängnis, sie wurde eingesperrt, um eigentlich frei zu sein.

"Wir politisch Inhaftierten wurden voneinander isoliert. Ich wurde in eine Zelle mit 35 Mörderinnen gesperrt, mit Frauen, die nichts mehr zu verlieren hatten und auch keinen Hehl daraus machten, mir dies zu zeigen", schildert die Zeitzeugin. "Ich hatte Glück und habe einer der Frauen die offenen Beine täglich versorgt, so dass ich dadurch vor Angriffen geschützt war." Schwarzweiß-Bilder zeigt sie herum, von der kleinen Zelle mit den vielen dreistöckigen Betten, von der dreckigen Nasszelle, den bröckelnden Wänden, den verkalkten Wasserhähnen, den alten Toiletten mit Urinsteinablagerungen. Ein Bild zeigt eine Arrestzelle, ein anderes eine Dunkelkammer. Plakativ und anschaulich berichtet Regina Labahn von ihrer stundenlangen täglichen Arbeit ("Strumpfhosen für den Westen produzieren"), von den Mahlzeiten ("es gab fast immer nur verschimmeltes Schwarzbrot"), von der menschlichen, aber auch wetterbedingten Kälte ("Eisblumen wuchsen an den Wänden") oder wie sie kontinuierlich vom Personal schikaniert wurde. "Wir mussten eine Treppe hochgehen, hintereinander, durften uns nicht festhalten. Da wurde uns dann schon mal ein Gummiknüppel zwischen die Beine gehauen, damit wir stolpern." Die Zuhörer schauen bedrückt zu Boden, ihre Gesichter zeigen Fassungslosigkeit. Ja, von Hoheneck hatte man schon gehört, aber die Schilderungen übertreffen jegliche grausame Vorstellung.

"Mir stockt wirklich der Atem, wenn ich das hier höre", beschreibt es eine Frau im Publikum, andere nicken. "Gab es jemals eine Entschädigung?" Regina Labahn schüttelt den Kopf. Heute ist Regina Labahn Vereinsvorstand des Frauenkreises ehemaliger Hoheneckerinnen, organisiert einmal jährlich eine Fahrt nach Stollberg. Ihre Hoffnung, politisch nicht in Vergessenheit zu geraten, sinkt immer mehr. "Die Bundesstiftung Aufarbeitung unterstützt unsere Fahrten nur mit kleinsten finanziellen Mitteln."

(dani)