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Wülfrather Retter ermuntern Bürger zu Erster Hilfe

Herzdruckmassage trainieren : Retter ermuntern Bürger zu Erster Hilfe

Was tun, wenn in der Fußgängerzone plötzlich jemand umkippt und reglos liegen bleibt? Bei der Woche der Wiederbelebung gab es Nachhilfe auf dem Marktplatz.

Da die meisten Menschen in Deutschland ihren Erste-Hilfe-Kursus nur für den Führerschein absolvieren und dann jahrzehntelang nicht mehr auffrischen, wissen viele nicht, wie sie in einer solchen Notsituation handeln sollen. Eine einfache Regel hilft hier: Prüfen, Rufen, Drücken.

Marc Friedrich, Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Wülfrath, erklärt sie genauer: „Zuerst prüfen, ob die Person noch atmet, ob das Herz noch schlägt, danach den Rettungsdienst rufen und dann drücken, bis der Notarzt kommt.“ Damit ist die Herzdruckmassage gemeint. Die Möglichkeit, mit einer solchen Situation konfrontiert zu werden, ist nicht so klein. Allein in Deutschland erleiden pro Jahr über 60.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Nachweislich ist die Chance, das zu überleben, doppelt so hoch, wenn Ersthelfer innerhalb von spätestens fünf Minuten die Herzdruckmassage anwenden.

Aber der Rettungsdienst kann fast nie innerhalb von fünf Minuten nach dem Herzstillstand beim Patienten sein. „Nach vier Minuten beginnt das Gehirn, Schaden zu nehmen“, weiß Marc Friedrich. Und mit jeder Minute, die verstreicht, ohne dass der Patient versorgt wird, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent. „Viele haben Angst, etwas falsch zu machen“, erklärt Friedrich. Deshalb tun sie lieber nichts. Vielleicht sterben deshalb noch rund 50.000 Menschen in Deutschland an einem Herz-Kreislauf-Stillstand.

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Um die Ängste zu nehmen und über das richtige Handeln aufzuklären, nutzten das DRK, die Feuerwehr und die DLRG in Wülfrath die „Woche der Wiederbelebung“ für eine Informationsaktion auf dem Sparkassenvorplatz. Mit dabei hatten sie einen hochmodernen Rettungswagen, aber auch Übungspuppen, an denen Passanten die Herzdruckmassage ausprobieren konnten. Auch über die Notfalldosen wurde an diesem Samstagvormittag informiert.

Diese kleinen grünen Plastikdosen sind eine simple, aber effektive Methode, dem Rettungsdienst im Notfall alle wichtigen Daten zur Verfügung zu stellen. Ein Formular, auf dem Allergien, Vorerkrankungen, Operationen und auch Medikamente eingetragen werden, steckt in dieser Dose, am besten noch mit einem Portraitfoto der Person. „Viele Angehörigen sind in einem Notfall total überfordert“, weiß Marc Friedrich. Durch den enormen Stress können sie in diesem Moment die Fragen des Rettungsdienstes nicht beantworten.

Deshalb ist es sinnvoll, eine Notfalldose parat zu haben. „Am besten, man stellt sie gut sichtbar in den Kühlschrank“, sagt Friedrich. Aufkleber an der Wohnungstür und Kühlschranktür weisen den Rettungsdienst auf die Dose hin. „Das ist für den Rettungsdienst eine riesen Erleichterung“, betont Lukas Mutzberg. Erhältlich sind diese Notfalldosen im Wülfrather Rathaus, aber auch in Apotheken und bei der DLRG.