Wülfrather Nachtfrequenz erreicht Zielgruppe nicht

Wülfrath : Nachtfrequenz verfehlt Zielgruppe

Zu den fünf Veranstaltungen bei der Nacht der Jugendkultur kamen nicht mal eine Handvoll junger Teilnehmer.

Im offenen Atelier der bergischen Diakonie riecht es aromatisch nach Kirschblütentee, leise erklingt meditative Entspannungsmusik. Pia ist hochkonzentriert, nach einem Rasterschema hat sie gerade ein typisches Mangamädchengesicht auf Papier gebracht – riesige Augen, kleiner Mund.

„Ich wollte das immer mal lernen“, erzählt die Elfjährige, während sie einige Haarsträhnen aus einem Buch abzeichnet. „Neben mir in der Schule sitzt nämlich ein Mädchen und die kann das ganz super, sie hatte aber nie Zeit mir das mal zu zeigen.“ Jetzt hat Pia die Chance dazu, in dem Workshop „Big in Japan! Erschaffe dein eigenes Kunstwerk“ – eines von insgesamt fünf Veranstaltungsangeboten im Rahmen der Nacht der Jugendkultur.

„Ich finde, das sieht schon richtig toll aus“, lobt die Schülerin sich selbst. Zu Recht, finden auch die Kursleiterinnen Lea Pulst und Jessy Hartung. Die beiden angehenden Sonderpädagoginnen (24 und 25 Jahre) haben eine Affinität für japanische Kunst und sich sehr darauf gefreut, ihr Wissen nun weiter zu vermitteln. „Es ist schon schade, dass die Resonanz so gering ist“; sagt Lea und klopft auch Lina, der zweiten Teilnehmerin, anerkennend auf die Schulter. „Aber dafür machen das die beiden hier umso besser.“

Nur wenige Gehminuten entfernt sollen etwas zeitversetzt drei weitere „Nachtfrequenz-Aktionen“ starten: Chorgesang, Improvisationstheater und Selbstvermarktung in sozialen Medien. Es ist alles vorbereitet. Was fehlt, sind die interessierten Jugendlichen. Ähnlich ist es am Abend auf der offenen Bühne der „Wülfrather Rockmusiker Gemeinschaft“, nur ein einziger Laienmusiker möchte dort sein Können präsentieren.

Trotz Werbung in Schulen und in den Medien: Keine oder kaum Resonanz. „Schade ist das schon und wir müssen schauen, wie wir die Zielgruppe in den kommenden Jahren besser erreichen und begeistern können“, erklärt Ingo Wünsch vom Stadtkulturbund, „Nichtsdestotrotz würde ich nicht sagen, dass alles ein großer Reinfall war.“ Die landesweite und jährliche „Nacht der Jugendkultur“, an der sich in diesem Jahr über 90 Kommunen beteiligt hatten, ist definiert als ein Projekt von Jugendlichen für Jugendliche. „Wenn man das mal als Grundlage nimmt, dann haben wir eine großen Teil erreicht, denn unsere Workshops wurden von jungen Menschen angeboten“, sagt Wünsch.

Die 25-jährige Anna Rau etwa wollte als sehr erfahrene Chorsängerin und Solosopranistin ihr Wissen an gleichaltrige oder Jüngere in ihrem „Show Choir Vocal Workshop“ weitergeben. Aber Improvisation gehört dazu: Kurzerhand wird die Zielgruppe neu definiert und statt Teenies sitzen nun unter anderem die Organisatoren selbst im Stuhlkreis und studieren Kanongesänge ein. „Wir haben von dem Gesangsworkshop in der Zeitung gelesen und uns gedacht, dass wir da doch mal hingehen könnten“, erklärt ein älterer Herr lachend, seine Frau nickt. „Wir haben ganz übersehen, dass das eigentlich ein Angebot für junge Leute war.“

Ingo Wünsch vom Stadtkulturbund jedenfalls kann der „Nachtfrequenz“ unterm Strich viel Gutes abgewinnen: „Wir Älteren haben uns dann auch noch den Marketingvortrag zweier junger Experten angehört und es war sehr informativ. Wir haben auch noch gegrillt und viel Spaß gehabt. Es lief halt anders als geplant, aber trotzdem war die Nachtfrequenz ein tolles Event. Natürlich werden wir die eigentliche Zielgruppe in den kommenden Jahren noch mehr im Blick haben. Aber es ist auch toll wenn so etwas Ältere und Jüngere zusammenbringt.“