Wülfrather Demonstranten: "Klimaschutz geht jeden etwas an"

Jugendliche wollen aufrütteln : Klimaschutz geht jeden etwas an

Dem Aufruf zur Demonstration in Wülfrath folgten am Weltklimatag etwa 250 Bürger aller Altersgruppen.

Während im Kanzleramt in Berlin die Koalitionsspitzen über das Klimapaket verhandeln, gehen weltweit Demonstranten für den Klimaschutz auf die Straßen. Auch die Ortsgruppe Wülfrath von „Fridays for Future“ (FFF) hat zur Demonstration aufgerufen – und eine beträchtliche Menge an Personen leistete Folge. „Es sind deutlich mehr gekommen als erwartet“, erklärte FFF-Delegierter Jan-Niklas Niebisch. „Das ist großartig.“

Unter dem Banner der „Fridays for Future“ zog die bunt gemischte Gruppe aus rund 250 Schülern, Lehrern, Eltern und Senioren von der Fußgängerzone Am Diek durch die Wülfrather City und über die Mettmanner Straße zum Rathaus. In den Demosprüchen forderte die Menge den Kohleausstieg, die Reduzierung des CO2-Ausstoßes sowie die Förderung erneuerbarer Energien. Die Demo weckte das Interesse vieler Passanten, die Reaktionen waren jedoch geteilt: Viele winkten, nickten zustimmend oder lächelten erfreut. Andere zeigten wüste Gesten oder schüttelten verächtlich mit dem Kopf. Doch genau diese Resonanz ist Emily Birkner, Sprecherin der Wülfrather FFF-Ortsgruppe, bereits bekannt. Die Bürgerschaft zeige zumeist ihre Zustimmung, von einigen werde die Gruppe jedoch belächelt. Ein persönliches Gespräch mit den Kritikern ändere das allerdings häufig, so die Aktivistin.

In ihrer Rede auf der Wiese vor dem Rathaus beschrieb Emily ein Horror-Szenario, bei dem 2050 bereits die Welt enden könne, wenn kein Wandel erzielt werde. Es sei an jedem einzelnen gelegen, etwas zu ändern: Weniger Müll und Konsum, mehr klimabewusstes Denken und Handeln. Doch den großen Teil trage die Politik mit ihren Entscheidungen bei. „Wir fordern den Kohleausstieg und die Klimaneutralität bis 2035“, ergänzte Jan-Niklas. Dass die Forderungen der FFF bisher nicht bundesweit umgesetzt wurden, sei ein „Versagen der Politik“. In Wülfrath sehe er jedoch Fortschritte: Das Gründen einer Arbeitsgruppe für Klimaschutz, einige vom Stadtrat verabschiedete Klimaschutzmaßnahmen sowie das Einbeziehen der Jugendlichen in die Politik. Weitere Forderungen für Wülfrath seien jetzt der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), die Reduzierung von Bodenversieglung und die Nutzung der Nahwärme des Kalkwerks. Bundesweit, so der Aktivist weiter, müssen alle Hebel in Gang gesetzt werden, um das „1,5-Grad-Ziel“ zu erreichen.

Ihren persönlichen Teil zum Klimaschutz tragen die zur Demo angereisten Schüler aus Wülfrath und Mettmann mit kleinen Anpassungen im Alltag bei. „Wir haben Zuhause von Plastik- auf Wasserflaschen gewechselt“, berichtet ein Schüler. Andere konnten ihre Eltern überzeugen weniger Plastik und Plastiktüten, mehr Fair-Trade-Produkte und Bio-Fleisch zu kaufen sowie seltener das Auto und öfter das Fahrrad zu nutzen. Kleine, aber bedeutende Schritte in die richtige Richtung, wie die Schüler wissen.

Den internationalen Streiktag erklärt FFF-Sprecher Jan-Niklas zu einem „historischen Tag“. „Noch nie haben so viele Aktionen gleichzeitig zum Klimaschutz stattgefunden.“ Und auch die Demo in Wülfrath mit ihrer überwältigenden Beteiligung bestätige den Aktivisten, das Richtige zu tun.

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