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Wülfrather besucht den Bundespräsidenten

Wülfrath : Wülfrather besucht Bundespräsidenten

Die Einladung ziert ein goldener Adler: Wolfgang Peetz ist Gast beim Bürgerfest im Park von Schloss Bellvevue.

Einmal im Jahr lädt der Bundespräsident 4000 Ehrenamtler ins Schloss Bellevue ein, um ihnen für ihr Engagement zu danken. In diesem Jahr ist auch der Wülfrather Wolfgang Peetz von Frank-Walter Steinmeier zum großen Sommerfest am 30. August eingeladen. Peetz war 16 Jahre lang Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes, Ortsverein Wülfrath, und leitet seit 14 Jahren das beim Roten Kreuz angesiedelte Projekt „Kinder in Not“. „Ich habe mich sehr über die Einladung gefreut. Als ich den Brief mit dem geprägten goldenen Adler aufgemacht habe, das war schon ein tolles Gefühl“, erzählt er beeindruckt.

Seine Frau wird ihn nach Berlin begleiten, nicht zuletzt weil sie Ideengeberin für das Projekt war. „Ende 2004 wurde im Jugendhilfeausschuss berichtet, dass 235 Kinder in Wülfrath aus Familien kommen, die Sozialhilfe beziehen. Meine Frau sagte, dagegen müsse man doch etwas tun“, erinnert sich Peetz, der damals Erster Beigeordneter war. „Viele dieser Kinder kommen ausgehungert in den Kindergarten, haben noch nie Geburtstag gefeiert oder wissen nicht mal, was Kirschen sind“, hat er inzwischen erfahren. Es war deshalb eine Herzensangelegenheit für ihn, das über Spenden finanzierte Projekt beim DRK anzusiedeln: „2005 hatten wir unseren ersten Infostand, die erste Spenderin war Erika Weidenbruch.“

Zunächst habe man finanzielle Einschulungshilfe geleistet. Später sei dann die Kostenübernahme für das Mittagessen in Ganztagsschulen und Kitas sowie ein kostenloser Büchereiausweis hinzugekommen. Mittlerweile liegt die Zahl der Kinder aus finanzschwachen Familien bei rund 500: „Aber kein Kind muss mehr hungern oder frieren.“

Er fahre natürlich stellvertretend für die vielen Spender nach Berlin, betont er. „Um die Kosten für die Mittagessen der Kinder zu tragen, brauche ich im Jahr allein 30.000 Euro“, rechnet er vorl. Spenden zu sammeln sei für ihn aber kein Problem: Der 65-jährige gebürtige Wülfrather war 23 Jahre für die Stadtverwaltung tätig und ist seit vielen Jahren in der Lokalpolitik aktiv. „Ich kenne natürlich viele Leute, habe ein dickes Telefonbuch“, sagt er lächelnd.

Unter den Spendern sind Firmen, aber auch Privatpersonen: „Viele sammeln an runden Geburtstagen und unterstützen mich. Das gehört hier oft schon zum guten Ton“, berichtet er nicht ohne Stolz. Die Spender wüssten auch, dass das Geld eins zu eins bei den Kindern ankommt. „Es gibt ein Sonderkonto, und die Verwaltungskosten trägt das DRK“, erläutert Peetz, der nur Anträge von Institutionen annimmt: „Spender und Empfänger bleiben immer anonym. Und es gibt kein Bargeld, nur Hilfe.“ Sein Motto sei dabei, dass Kinder nicht für ihre Eltern haften. „Wir kümmern uns um das Kind. Alles andere zählt nicht.“

In Wülfrath seien Hilfsorganisationen darüber hinaus gut vernetzt, so dass auch versucht werde, etwas gegen die Ursachen der Armut zu tun. „Meine Frau war in der Schuldenberatung tätig, das passte natürlich gut.“

Der einzige Weg, Armut zu entkommen, sei seiner Meinung nach Bildung. „Ohne Schulabschluss geht gar nichts.“ Deshalb plane er, im nächsten Jahr auch Bildungspaten zu vermitteln. „Einmal hat ein von uns betreutes Kind beim Schulabschluss die Rede gehalten. Da kriegt man dann schon mal Gänsehaut“, räumt er ein.

Seit einem Jahr ist Peetz im Ruhestand und hat mehr Zeit für sein Ehrenamt. „Rund fünf Stunden in der Woche brauche ich schon“, sagt er. Auf das Fest im Schloss Bellevue freut er sich schon sehr. „Es ist bestimmt interessant, sich mit anderen Ehrenamtlern auszutauschen.“ Und vielleicht reiche die Zeit auch noch für eine Spree-Rundfahrt am Tag danach.