Wülfrath: Wo haben Frauen am meisten Angst?

Wülfrath: Diese Plätze machen Frauen Angst

In Wülfrath lebt es sich grundsätzlich sicher. Gleichwohl empfinden Bürger zahlreiche Orte als angsteinflößend.

Die Veranstaltung im großen Ratsaal war mehrfach angekündigt worden. Trotzdem ist niemand erschienen – außer denjenigen, die eingeladen hatten: die Gleichstellungsbeauftragte Gudula Kohn, Eva-Maria Düring vom SKFM Mettmann und Werner Heth von der Polizei Wülfrath. „Das ist schon seltsam“, wundert sich Gudula Kohn, „ist es doch ein Thema, dass zumindest fast allen Frauen nicht fremd ist.“

Angst-Räume, das sind laut Definition Orte in öffentlichen Räumen, die vor allem im Dunkeln ein Gefühl der Bedrohung auslösen können. Jede Stadt, jede Gemeinde, hat diese speziellen Plätze, Straßen, Wege, auch Wülfrath: „Wir haben 2015 mehrfach eine Stadtbegehung mit Bürgern unterschiedlichen Alters vorgenommen“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte. „Dabei sind wir auf insgesamt 21 Orte gestoßen, die mindestens eine dieser Gruppen als angsteinflößend empfanden.“ Der Weg zwischen der Wasserwelt, der Hauptschule und dem Jugendhaus und die Tiefgarage am Diek, sie lösen in allen drei Altersgruppen – Jugendliche, Erwachsene und Senioren – vor allem in den Abendstunden Unbehagen aus. Auch der Rote Platz in der Ellenbeek vermittelt ein Gefühl der Bedrohung.

„Wir haben festgestellt, dass es keine Rolle spielt, ob die Angst berechtigt ist oder nicht. Es geht einzig um die Empfindungen, die der Ort in den betroffenen Bürgern auslöst“, weiß Eva-Maria Düring vom SKFM. Denn Fakt ist: In Wülfrath lebt es sich grundsätzlich sicher. „Im Vergleich zu anderen Städten um uns herum haben wir wirklich eine sehr geringe Kriminalitätsquote“, weiß Bezirkspolizist Werner Heth. „Dennoch muss man die Angst im Dunkeln schon ernst nehmen und dem entgegen wirken.“

Wie aber kann das funktionieren? Nachdem 2015 die Begehungen ausgewertet worden waren, hat die Stadtverwaltung einen Maßnahmenkatalog erstellt und dezernatsübergreifend die Liste abgearbeitet. „Es wurde zum Beispiel die Tiefgarage Am Diek komplett in weiß gestrichen, um heller und frischer zu wirken. Das Unterholz im ehemals verwachsenen Stadtpark wurde weggeschnitten, es wurden kaputte Leuchtmittel ersetzt, ein herausgerissenes Geländer gegen ein Neues ausgetauscht.“

Letztlich aber – da sind sich alle einig – geht es vor allem darum, die Menschen in Angstsituationen zu stärken. „Ganz wichtig ist ein selbstsicheres Auftreten“, weiß Werner Heth, „abgesehen davon gibt es Alarme, die man starten kann, wenn man sich bedroht fühlt.“ Dazu Eva-Maria Düring: „Wenn man sich unwohl auf der Straße fühlt, ob berechtigt oder nicht, kann es zum Beispiel helfen, auf dem Nachhauseweg mit einer guten Freundin zu telefonieren. Es gibt mittlerweile auch Heimwegtelefone, die man anrufen kann, um sich auf dem Weg nicht allene zu fühlen.“ Außerdem können auch andere helfen: „Ein Mann der nichts im Schilde führt, ist sich meist gar nicht bewusst darüber, dass er abends auf der Straße vielleicht eine Frau ängstigt. Statt also hinter dieser Frau auf der gleichen Seite herzulaufen, könnte man als Mann einfach die Straßenseite wechseln, um zu signalisieren: keine Angst, ich will dir nichts Böses. Und Jugendliche, die sich gemeinsam irgendwo aufhalten, könnten die alte Dame mit Hündchen einfach freundlich grüßen, und würden ihr so viel Stress ersparen.“