Wülfrath: Vorlesepaten bringen die Jüngsten an Literatur

Sprachkompetenzen und Leselust fördern : Vorlesepaten dringend gesucht

Ehrenamtler sorgen in der Wülfrather Medienwelt dafür, dem Nachwuchs Bücher und Co. näher zu bringen.

Sie selbst haben eine starke Affinität zu gut erzählten Geschichten und mögen die Darreichungsform per Buch. Von ihrerer Liebe zur Literatur, aber auch, um die Jüngsten in ihren sprachlichen Kompetenzen zu födern, sind Damar Bittner und Heiko Beneke Vorlesepaten. Nicht nur anlässlich des bundesweiten Vorlesetages, der Freitag, 15. November gefeiert wird, lassen sie ihre Stimmen erklingen. Regelmäßig sind beide in Wülfraths Medienwelt an der Wilhelmstraße tätig.

„Ich suchte auch nach sinnstiftender Beschäftigung im Vorruhestand“, erinnert sich Heiko Beneke an die Anfänge dieser Tätigkeit. Einst hatte er gerne seinem Sohn vorgelesen, ebenso wie Dagmar Francoise Bittner, eine Vorlese-Mama bei ihrer Tochter war. Seit vier Jahren verstärken beide mit ihren mal abenteuerlichen, mal lustigen, oft spannenden, vor allem aber immer faszinierenden Aktionen als Ehrenamtler das Bücherei-Team um Leiterin Yvonne Jacobs. Ginge es nach ihr und den Kollegen, gäbe es „noch mehr Vorlsepaten und noch mehr Termine rund um Literatur“.

Was Vorlesepaten sind? „Wir sind hier nicht der Pausenclown oder Ersatz für fehlende Familienmitglieder“, sagen die Paten. „Eins unserer Ziele ist ganz klar als Leseförderung definiert“, ergänzt Bücherei-Chefin Jacobs. „Vorlesen fördert Sprache und Bildung“, führt sie über die kognitiven Fähigkeiten jenseits des guten Entertainments, den ein solches Eintauchen in literarsiche Welten ebenfalls bedeutet, aus. Und „Sprache und Bildung sind die Basis, um ins Berufsleben zu kommen“, nennt sie Voraussetzungen für den Werdegang.

Natürlich haben sich Lesegewohnheiten „längst gewandelt“, wie alle drei wissen. „Aber auch, um neue Medien kompetent nutzen zu können, brauche ich Sprachkenntnisse“, weiß Dagmar Bittner. „Wer viel liest, hat einen entsprechend großen Sprachschatz“, ergänzt Yvonne Jacobs. Und das Abtauchen in eigene Phantasiewelten, die vorm geistigen Auge beim Vorlesen entstehen, ist positiv fürs kreative Gedächtnis.

„Beim Vortrag sind die Kinder meist still und konzentriert“, erzählt Heiko Beneke über seine Zuhörer, die in der Altersklasse von große Kindergartenkinder bis junge Grundschüler sind. Auch Dagmar Bittner hat ihre Methoden, ihre jungen Zuhörer, sie betreut die Kleinsten per Bilderbuch und Co., bei der Stange zu halten. „Die Kleinen können sich noch nicht lange konzentrieren und sind schnell abgelenkt“, den Bewegungsdrang zu stillen, gelingt auch, „indem wir mal aufstehen“, erzählt die Vorleserin. Einen Butzelmann zu hüpfen oder rasch etwas zu singen hilft auch immer.

Die Kinder sind vom Vorleseangebot begeistert, das dokumentieren die Anmeldezahlen. Ein Knackpunkt sind die Eltern, die ihren Nachwuchs zu den Terminen zur Bücherei bringen müssen. „Wer vielleicht selbst nicht mit Büchern groß wurde, hat dazu keine Lust. Oder mag während der Vorlesezeit nicht warten“, lautet eine Vermutung. Um immer mit neustem Lesefutter ausgestattet zu sein, informieren sich die Paten regelmäßig und gut, fahren auch zur Buchmesse in Frankfurt. „Was uns wirklich fehlt, ist ein Veranstaltungsraum“, formuliert Yvonne Jacobs einen Wunsch. Fürs Vorlesen und viele andere Veranstaltungen wie etwa Buchvorstellungen oder Autorenlesungen wäre er wichtig. So lange es den nicht gibt, wünschen sich die Vorlesepaten wenigsten Paravants, mit denen sie sich und ihre Zuhörer wenigstens „kuschliger von den anderen Besuchern“ absentieren können. „Das ist unser Weihnachtswunsch“, sagen die zwei.

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