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Wülfrath Tunnelkino findet viel Zuspruch

Wülfrath : Tunnelkino findet viel Zuspruch

Nachdem im vergangenen Jahr das Open-Air-Kino ausgefallen war, können sich Cineasten in diesem September über gleich vier Vorstellungen freuen. Den Auftakt hat der Queenfilm „Bohemian Rhapsody“ gemacht.

Rein sachlich eingeordnet ist „Bohemian Rhapsody“ die finanziell erfolgreichste Filmbiographie aller Zeiten. Aber der Film rund um die Rockgruppe Queen ist viel mehr: Er ist musikalischer Hochgenuß, vor allem aber ist er emotionales Melodrama, steht doch das dramatische Leben des charismatischen Frontsängers Freddie Mercury im Fokus, seine überdimensionale Kreativität, seine Exzesse, sein Verfall durch die Immunschwächekrankheit Aids und letztlich sein früher Tod mit 45 Jahren im Jahre 1991.

Für einen solchen mitreißenden, packenden und teils so traurig-ergreifenden Musikfilm kann es eigentlich keine bessere Kulisse als die der Zeittunnelanlage geben. Als um 21 Uhr der Film beginnt, ist es stockfinster, einzig vereinzelte Flugzeuge durchkreuzen als kleine Lichtpunkte den Himmel, ein paar Nachtfalter tanzen im Lichtkegel der Leinwand, weit über 300 Zuschauer haben auf den weißen Gartenstühlen Platz gefunden.

Vom ersten Augenblick an verfolgen alle gespannt und nahezu regungslos das Geschehen auf der überdimensionalen Leinwand, es herrscht Stille - bis auf die wenigen leisen Kaugeräusche von Popcorn und Chips. Manchmal steht jemand auf, um die Toilette aufzusuchen oder sich an einem der dezent beleuchteten Stände mit Getränken, Bratwurst oder Frikadelle einzudecken.

Immer wieder schallen bekannte Queensongs in den dunklen Abend: „We will rock you“, „Fat bottomed girls“, natürlich „Bohemian Rhapsody“. An manchen, wenigen  Stellen lachen die Zuschauer, aus der anfänglich so unterhaltsamen Erfolgstory von Queen aber entwickelt sich schnell beklemmender, schwerer Stoff, Freddie Mercury gerät an falsche Freunde und Berater, feiert exzessive Partys und bricht mit dem „Mutterschiff“ Queen,  spürt doch unbewusst, dass er dieses neue Leben teuer bezahlen wird.

Während der 20-minütigen Pause wirken einige der Besucher recht ergriffen. „Ich habe das alles gar nicht gewusst“, sagt etwa Petra Herbig, die für die Vorstellung extra aus Hilden gekommen ist, „ich dachte immer, was für eine tolle erfolgreiche Band, aber da steckt ja ein unglaubliches Leid dahinter.“

Es ist kalt geworden, als die zweite Hälfte beginnt, viele haben sich vorausschauend warme Jacken oder Decken eingepackt. Gegen 23.15 Uhr endet der Film letztlich mit der Nachricht über Freddie Mercurys frühen Aidstod, vielen schaudert es, im Publikum herrscht betroffene Stille, kein Endapplaus, manch einer wirkt mitgenommen. Zweifelsohne ist diese Musikbiographie hervorragend gemacht, nicht umsonst hat „Bohemian Rhapsody“ vier Oscars und andere hohe Auszeichnungen gewonnen.