Wülfrath: Stadt stimmt Regionalplan zu

Wohnen, bauen und arbeiten in Wülfrath : Hier will Wülfrath wachsen

Um Chancen zu wahren und Perspektiven zu ermöglichen, stimmt die Stadt dem Regionalplan zu.

Schon bei seiner ersten Offenlegung im vergangenen Sommer hatte der Regionalplan „Mehr Wohnbauland am Rhein“, kurz RPD, für heftige Diskussionen gesorgt. Und auch die zweite Einsichtnahme erregte die Gemüter. „Es regiert die reine Willkür. Von einem wissenschaftlichen und transparenten Verfahren kann keine Rede sein“, kritisierte beispielsweise Reinhardt Weniger von der Bürgerinitiative Düssel-West.

Bevor die Verwaltung nun ihre Stellungnahme, Anregungen und Bedenken zu den Wülfrather Flächensteckbriefen inklusive, bei der Bezirksregierung abliefert, lud sie vorab zu einer Sondersitzung des Stadtrats. Bei 27 Ja-Stimmen sowie sechs Gegenstimmen wurde die Vorlage mehrheitlich beschlossen.

Etwa 30 Bürger waren ebenfalls zugegen, um ihre massiven Bedenken – schwerpunktmäßig zu den geplanten Veränderungen in Düssel-West – einzubringen. Zitiert wurden dabei gravierende Auswirkungen auf die Natur ebenso wie die Zahlen, die IT NRW in der Bedarfsplanung erhoben hatte. Danach sei in den kommenden fünf bis zehn Jahren von einem Rückgang der Einwohnerzahlen in Wülfrath auszugehen. „Trotzdem sollen weitere Flächen zur Bebauung frei gegeben werden. Warum?“ Ein lokaler Bedarf sei „an den Haaren herbei gezogen“. Außerdem ginge es dann nicht bloß um zehn Hektar Baugebiet, sondern eine wesentlich größere Fläche von etwa 40 Hektar. „Damit wird der Ortsteil Düssel zu einem Nebensatelliten der Stadt“, empörten sich Bürger.

„Es geht um die Perspektive“ erklärte Bürgermeisterin Claudia Panke. „Ob Wülfrath zukünftig wächst oder schrumpft gilt es jetzt, Chancen für die Zukunft zu wahren“, erläuterte sie. Auch die fachliche Einschätzung, vorgenommen von Dezernent Martin Barnat, geht in die gleiche Richtung. „Wenn wir wachsen wollen, ist es auch wichtig, so viele Flächen wie möglich in den Planungszugriff zu bekommen. So können wir bestimmen, wo, wie und wann wir wachsen“, erläuterte er einen Aspekt der Strategie „Wülfrath 22 plus“. Einen Einwohnerzuwachs zu generieren, bedeute unter anderem eine „positive Auswirkung auf die Stadtkasse zu erzielen“, führte er hinsichtlich neuer Steuereinnahmen aus. Ein eventueller Ausbau Düssel-Wests soll „kein Nebensatellit“ werden, dieser Eindruck ist falsch. Wir versprechen uns von der neuen Ausweisung im Regionalplan, dass der alte Ortskern bestehen bleibt“ und Neubürger sich darum herum platzieren.

Als zu harmlos wurden die von der Verwaltung im Schreiben an die Bezirksregierung Düsseldorf vorgebrachten Bedenken kritisiert, da hätte ein schärferes Schwert gewählt werden müssen. „Ja, die Kritik hätte deutlicher und vehementer geäußert werden können. Würde das Verfahren erneut aufgenommen werden, heißt das aber nicht, dass es anders für Wülfrath endet. Planungshoheit darüber ob, wann und was gebaut würde, habe die Stadt. Jetzt ginge es allein um eine grundsätzliche Option. Der RPD sei bloß die erste Phase, bis Baurecht geschaffen würde, stünden noch einige Entscheidungen bevor.