Wülfrath: Schuldnerberatung hat neue Leiterin

Wülfrath: Schuldnerberaterin gibt ihr Amt ab

27 Jahre lang hat Dagmar Peetz Menschen geholfen, die in finanzielle Not geraten sind. Nun geht die 63-Jährige in Rente. Ihre Nachfolgerin Tatjana Meixner tritt hoch motiviert in große Fußstapfen.

Diese beiden Frauen haben viel gemeinsam - ganz offensichtlich die Vorliebe zur Farbe Rot (beide tragen rote Schuhe und rote Accessoires), vor allem aber eins: ihr zugewandtes und freundliches Lachen. „Als ich im Juli unseren Klienten Frau Meixner als meine Nachfolgerin vorstellte, schwärmten viele später, dass sie ihr sicher schnell vertrauen könnten, auf Grund dieser offenen Ausstrahlung“, erzählt Dagmar Peetz bei ihrer Verabschiedung- und strahlt.

Allerdings ist ihr später anzumerken, dass ihr dieser Abschied doch nicht ganz so leicht fällt: Sie sei mehr Berufung als Beruf gewesen, diese vielfältige Aufgabe der Schuldnerberatung, sagt Dagmar Peetz. Denn es ging dabei nicht um Fälle, sondern um Menschen, erzählt sie mit leicht zitternder Stimme. Es habe sie einfach glücklich gemacht zu erleben, wie Menschen wieder eine Perspektive gewonnen hätten.

Als Dagmar Peetz dann noch von Stefan VIeth, Kreisgeschäftsführer des DRK, eine Ehrenmedaille für ihr unermüdliches Engagement überreicht bekommt, ringt sie wahrlich um Fassung: „Ich hatte einfach tolle Vorgesetzte, ich konnte mich immer sicher fühlen, die Stadt hat immer hinter mir gestanden, das war unglaublich wichtig. Und dann diese Dankbarkeit der Menschen, die mich manchmal noch Jahre danach im Supermarkt einfach umarmt und mir so signalisiert haben, wie sehr ich ihnen doch geholfen habe.“

Rund 1500 Haushalte haben sich mit der Hilfe der Schuldnerberatung rund um Dagmar Peetz in den vergangenen Jahrzehnten entschuldet. Viele hat sie durch die seit 1999 mögliche Privatinsolvenz begleitet. Nach wie vor sind es etwa 40 neue Klienten, die sich Jahr für Jahr melden, weil sie oft nicht mehr ein, noch aus wissen. „Wir haben zum Teil Menschen hier sitzen gehabt, die bis zu 70 Gläubiger hatten. Hier haben gestandene Männer hinter verschlossenen Türen geweint, komplett verzweifelt. Aber, jeder soll wissen, es ist nie zu spät sich Hilfe zu holen, wir versuchen immer einen Weg zu finden.“

Tatjana Meixner, ihre Nachfolgerin, nickt zustimmend. „Mit dem erstmaligen Besuch bei uns haben die Klienten eigentlich die größte Hürde bereits genommen. Sie stellen sich damit der Situation und zeigen die Bereitschaft, aktiv etwas dagegen zu tun.“ Die 44-Jährige ist Betriebswirtin und Berufspädagogin, hat zuletzt in der Jugendförderung unter anderem im Bereich „Schulden“ gearbeitet.

„Wir haben mit Frau Meixner wirklich mehr als Glück gehabt. Es war wirklich schwierig, einen würdigen Nachfolger zu finden. Denn es geht eben nicht nur um reine Fallbearbeitung, sondern vor allem um große soziale Kompetenzen, die sie in unseren Augen wahrlich mitbringt“, sagt der Ortsvereinsvorsitzende des Roten Kreuzes Wülfrath, Sebastian Dahms.

Unter anderem, um rechtliche Vorgaben bezüglich der Neubesetzung dieser Stelle zu wahren, bleibt Dagmar Peetz der Schuldnerberatung mit zehn Stunden im Monat auf zwei weitere Jahre erhalten. Eine Lösung, die auch im Sinne der oft jahrelang betreuten Klienten ist. „Es geht um eine gute Vertrauensbasis“, weiß die Expertin, „denn wir wollen ja nicht nur finanziell, sondern ganzheitlich helfen. Ich erinnere mich an eine Frau, deren Hund schwer krank war, sie selbst aber kaum Geld hatte, sich etwas zu Essen zu kaufen. Mit ihrer Erlaubnis habe ich den Tierschutzverein eingeschaltet. Er hat uns eine Kostenzusage über Futter und Tierarztkosten für zwei Jahre zugesichert. So verstehen wir unsere Aufgabe, allumfassend und ganzheitlich.“

(dani)