Wülfrath: Schöllerkirche öffnet zum Denkmaltag

Wülfrath: Schöllerkirche – hier kommen Pilger zur Ruhe

Die Dorfkirche in Schöller ist die älteste im Kirchenkreis Niederberg. Sonntag öffnet sie erstmals zum „Tag des offenen Denkmals“.

Ihr Siebenuhrglöckchen ruft allabendlich zur Gelassenheit. Sein wunderbarer Klang umfängt die Schölleraner seit Jahrhunderten. Sie lieben ihre kleine Kirche und nun ist es der Förderverein, der ihre Türen am „Tag des offenen Denkmals“ öffnet. Es ist das erste Mal, dass das kleine Gotteshaus an einem solchen Tag ihre Gäste empfängt. Eigentlich tut es die Kirche es immer, auf eine stille Weise - ihr Tor steht tagsüber für jedermann offen. Ihr altes Gemäuer ist zu einem Pilgerort geworden. Spaziergänger und Radfahrer halten dort inne, um zur Ruhe zu kommen.

Die Dorfkirche in Schöller ist die älteste Kirche in Wuppertal und im Kirchenkreis Niederberg, zu dem sie seit jeher gehört. Ihr Turm ist aus dem 12. Jahrhundert und irgendwann zog ein Taufbecken bei ihr ein, das noch vier Jahrhunderte mehr auf dem sprichwörtlichen Buckel hat. Ihre Architektur ist von einer wunderbaren Schlichtheit.

„Bis zur Jahrtausendwende standen hier noch Stühle“, zeigt Jürgen Fritz vom Förderverein auf die hölzernen Kirchenbänke. So etwas gab es dort auch früher schon, hoch oben auf der Empore. Eingeritzt die Namen derjenigen, die ringsum auf den Höfen wohnten. Vermutlich hat es damals niemand gewagt, ihnen ihren angestammten Platz streitig zu machen. Seit Jahrhunderten werden in ihr nun schon Lieder gesungen und das Wort Gottes verkündet. Sie ist der Ort, an dem gesagt wird, wer gestorben ist. Liebende werden vermählt und Kinder getauft. Das bindet die Menschen an „ihre“ Kirche.

Mit dem Ohr an ihre alten Kalksteinmauern gelehnt, kann man den Geschichten lauschen, die sie zu erzählen hat. Es sind traurige wie die von ihrer dritten Glocke, die zu Kriegszeiten eingeschmolzen und durch eine neue ersetzt wurde. Oder die vom Brand in der Scheune nebenan, als die Funken hinüberflogen in ihr Gebälk.

Und dann gibt es noch die von ihrem Mittagsläuten, das über Jahrzehnte hinweg gegen den Zwölf-Uhr-Knall im benachbarten Steinbruch ankämpfen musste. Dort wurde gesprengt, und nicht nur das Donnern der brechenden Steine, sondern auch noch die Warnsirene machten zu gleicher Zeit ein ordentliches Getöse. „Wir haben hier auf dem Dorf kurze Wege. Die Kalkwerke sprengen jetzt eine halbe Stunde früher“, berichtet Martin Bäßler erfreut vom Presbyterium über gelungene Verhandlungen mit der Familie Iseke, die das Kalkwerk Oetelshofen seit mehr als 100 Jahren betreibt.

Wer sich in der Dorfkirche umschaut, dem fällt vor allem eines auf: Sie braucht kein Pomp und Getöse, um auf sich aufmerksam zu machen. Im Innern wurden ihre alten Turmmauern irgendwann mal freigelegt. Der Sternenhimmel, der einst über ihrem Abendmahlstisch prangte, ist einem schlichten Anstrich gewichen.

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Es gibt noch vieles an ihr, das schon vor 800 Jahren unter großen Mühen aufgebaut wurde. Man vergisst oft, dass in diesen Zeiten kein Baukran anrückte, um Stein auf Stein zu setzen. Ihre Erbauer haben viel Schweiß gelassen, um mit eigener Hände Arbeit einen Ort des Glaubens zu schaffen.

Jahrhunderte später wurde in ihrer Nachbarschaft der Humanist Konrad Heresbach geboren. Dessen klare und humanistische Gesinnung, die auch der Pfarrer und die damaligen Herrn von Schöller teilten, führte schließlich um 1530 zur Einführung des evangelischen Gottesdienstes. Seither gilt Schöller als die älteste evangelische Gemeinde im Bergischen Land.

Aber nun nochmal zurück zur Schöllerkirche. Sie ist ein Kleinod, angefüllt mit kirchengeschichtlichen Kostbarkeiten. Eine barocke Kanzel zog bei ihr ein, ebenso wie eine Einbaumtruhe. Aus Erkrath kam die erste Orgel, die zweite wurde aus Wuppertal heran gekarrt. Ihr Kirchenschiff wurde umgebaut, die Flachdecke durch ein Holztonnengewölbe ersetzt und die Fenster wurden vergrößert.

Vor ein paar Wochen flog eine Drohne über ihren Turm hinweg. Danach musste sie sich von ihrer Kuppel und dem Wetterhahn trennen. Beides ist im Laufe der Jahre marode geworden, wie bei so vielen Gotteshäusern derzeit. Noch im Herbst soll ein Tunnel im Eingangsbereich ihre Besucher davor schützen, vom Mörtel getroffen zu werden, der aus den Fugen ihres Turms rieselt.

Aber all das ist nur vorübergehend. Es gibt schon Gutachter, die sich ihr sorgsam zuwenden. Und Architekten, bei denen sie gut aufgehoben zu sein scheint. Spätestens in zwei Jahren soll der Wetterhahn wieder den Kirchturm zieren.