Wülfrath: René Heinersdorff weiht Wohnhaus an Bergischer Diakonie ein

Wülfrath: René Heinersdorff auf den Spuren seines Urahns : René Heinersdorff weiht Pflegehaus ein

Karl Heinersdorff ist der Begründer der Bergischen Diakonie. Ein nach ihm benannter Neubau wurde jetzt eröffnet.

Eine „absolute Premiere“, wie er es selbst nannte, feierte Intendant, Schauspieler und Regisseur René Heinersdorff jetzt. Erstmals übernahm der Theatermann es, ein Wohnhaus einzuweihen. Nicht irgendeines, sondern den jüngst fertiggestellten Ersatz-Neubau auf dem Zentralgelände der Bergischen Diakonie. Und das ist kein Zufall, Karl Heinersdorff, Gründervater der Einrichtung, ist sein Ur-Urgroßvater.

„Er war Pfarrer und hat sich dieses Grundstück quasi zusammengepuzzelt“, erzählte René Heinersdorff über seinen Vorfahren. „Das ist sein strahlendes Lebenswerk: Menschen eine Heimat zu bieten“, sagte er über die Ursprünge des Konzepts, das inzwischen mehr als hundert Jahre trägt. Allerdings habe er sich die „Dimensionen der Einrichtung nicht vorstellen können. Das ist ja hier ein richtiges Dorf“, freute er sich. Das nach Karl Heinersdorff, dem Mann mit der „humanistischen Weltanschauung“ , für den Integration „grundsätzlich über Zuneigung und Liebe, das war sein Credo“, lief, benannte Haus ist eine vollstationäre Pflegeeinrichtung mit 80 Plätzen auf zwei Etagen, wie Einrichtungsleiterin Petra Weihsenbilder, erläuterte. Es ist auch eine Investition in den Standort, etwa 13 Millionen Euro wurden in Modulbauweise verbaut. Die vormalige Unterbringung genügte den modernen Ansprüchen nicht länger, weshalb im Frühjahr 2018 der erste Spatenstich für das Projekt getätigt wurde. Auf dem Weg zum gelungenen Heim für einerseits schwer dementiell veränderte Menschen sowie im Untergeschoss einer Pflegeeinrichtung gab es zwei unerwartete Hindernisse zu bewältigen. Das eine waren 1500 Kubikmeter Fels, vom Bodengutachter übersehen, die eine sechswöchige Verzögerung verursachten, das andere eine Keimbelastung im Trinkwasser – auch sie ist inzwischen eliminiert.

Im kommenden Jahr, führte Petra Weihsenbilder aus, sollen ein kleines Streicheltiergehege sowie ein Demenzgarten, ausschließlich von den entsprechenden Bewohnern erreichbar, errichtet werden.

René Heinersdorff gefiel es ausgesprochen gut, wie noch heute der Grundgedanke seines Ur-Urgroßvaters („knallblaue Augen und schmale Lippen, ein echter Heinersdorff“), nämlich alle Menschen mit dem Gefühl eines Angenommen zu seins zu begegnen, gelebt wird. In seiner Ansprache gewährte der Vierfachvater dann Einblicke ins Familienleben. Im Stammbaum gibt es Lebemänner, Glaskünstler und sogar einen jüdischen Rabbiner, selbst im Internat in Bad Godesberg, das der Intendant einst besuchte, „hatte mein Großvater irgendwie die Finger drin“. „Heiner“ sei ein Synonym für „Müller“, auf der Linie zwischen Berlin und Prag gäbe es handgezählte sieben Heinersdörffer – das zweite „F“ übrigens resultiert aus einem kaiserlichen Erlass“ – und das vom Ur-Urgroßvater verfasste Buch „Er gab, ich nahm“, eine „gottesfürchtige Biographie“, habe er gern gelesen. Vor allem wegen der Herderschen Maxime „Eine schöne Menschenseele finden / ist Gewinn. Ein schönerer Gewinn ist / sie erhalten und der schönst‘ und schwerste, / sie, die schon verloren war, zu retten“, die so wunderbar auf das Tun der Bergischen Diakonie passe.