Wülfrath: Regionalplan spaltet Bürgermeinungen

Infoveranstaltung in Wülfrath : Regionalplan spaltet die Bürgerschaft

Mit einem Punktesystem wurden vier Flächen in Wülfrath bewertet. Die Bürgermeisterin erklärte, die Stadt müsse handlungsfähig bleiben.

Großes Interesse hat die Bürgerinformationsveranstaltung zur ersten Änderung des Regionalplans Düsseldorf am Dienstag im Rathaus hervorgerufen. Rund 200 Bürger nutzten die Gelegenheit, Unmut oder Befürwortung zu den Plänen der Bezirksregierung durch Anwesenheit zum Ausdruck zu bringen.

Martin Barnat, technischer Dezernent, erläuterte anhand einer Präsentation die Änderungseinheiten, verwies aber ebenso auf die planerischen Anfänge des Regionalplans, der dem gesetzlich vorgeschriebenen Landesentwicklungsplan zu Grunde liegt und die Auswirkungen auf die kommunalen Flächen aufzeigt. Diese wurden zumindest zu Teilen einem Ranking unterzogen, um mögliche Bereiche für Neubebauungen zu generieren.

So hat die Verwaltung der Bezirksregierung nach interner Prüfung vier Flächen vorgeschlagen, die eine solche Bebauung perspektivisch zulassen würden. Nach Punktesystemen sind die Teilbereiche, die sich an der westlichen Düsseler Straße, am südlichen Flehenberg, im Bereich „In den Eschen“ sowie südlich „Am Wasserturm“ finden lassen, überprüft worden. Anhand der Präsentation konnten die anwesenden Bürger die Priorität der Punktevergabe einschätzen. Demnach konnten bei der Minimierung von Verkehrsaufwand und –belastung maximal 40 Punkte erzielt werden, das Thema der ökologischen Konfliktvermeidung erhielt im Gegenzug nur maximal 15 Punkte. Ein Kritikpunkt, der in der anschließenden Diskussionszeit Berücksichtigung fand. So erschloss sich den Bürgern, die zu großen Teilen direkte Anwohner der Bereiche sind, die Punktevergabe nicht.

Nach aktuellem Planungsstand ist der Bereich Am Wasserturm mit einer Gesamtpunktzahl von 29,5 Punkten für die Bezirksregierung uninteressant. Die anderen Flächen (Düssel 44,8 Punkte, Flehenberg 34,4 Punkte, In den Eschen 34,6 Punkte) werden hingegen in die weitere Planung miteinbezogen.

Doch was bedeutet die Favorisierung der Areale für Wülfrath? Eine direkte Flächenversiegelung durch Wohnbebauung? Diese Sorge konnte Martin Barnat den Anwesenden zunächst nehmen. „Primär behalten wir uns das Planungsrecht für diese Bereiche vor“, erklärte der Fachmann, der Unterstützung von Bürgermeisterin Claudia Panke erhielt. „Wir versiegeln nicht auf Teufel komm raus, sondern werden zunächst vorhandene Baulücken schließen.“

Auch bestehen an anderen Stellen bereits Bebauungspläne (beispielsweise im Bereich Hundertwassergebäude), die priorisiert werden sollen. Dass man perspektivisch trotzdem versuchen möchte, die Einwohnerzahl von aktuell rund 21.000 auf etwa 23.000 zu erhöhen, gab Panke trotzdem zu bedenken. „Schon alleine, damit diese Stadt unabhängig bleibt und wir alleine handlungsfähig bleiben.“ Eine Aussage, die von anwesenden Bürgern unterstützt wurde.

Gegenwind gab es trotzdem. So bemängelten besonders Bürger des Stadtteils Düssel die miserable Verkehrsstruktur, die durch einen Zuwachs an Anwohnern noch dramatisiert würde. Schlecht getaktete Busverbindungen, keine Radwege und noch keine funktionierende Anbindung zur S28 wurden als Faktoren genannt.

Unter den Flächen, die künftig zur Wohnbebauung bereit gestellt werden sollen, ist auch ein Areal „In den Eschen“. Foto: Blazy, Achim (abz)

Ebenso machten sich Anwesende Sorgen um Tier und Natur, aber auch um die Entwässerung bei steigender Flächenversiegelung. Dass die Verwaltung für jene Anregungen jedoch der falsche Ansprechpartner sei, gab Martin Barnat zu bedenken und verwies auf das offene Planungsverfahren. Zu diesem nimmt die Bezirksregierung noch einschließlich bis zum 30. September  Anregungen und Beschwerden entgegen.

(taba)