Wülfrath: Regionalplan löst Fassungslosigkeit bei Wülfrathern aus

Protest über Regionalplan und Auswirkungen für Wülfrath hält an : Neubauten im großen Stil machen fassungslos

Das Ackerland in Düssel-West als möglichen Baugrund umzuwidmen, hält Anwohner Eberhard Tiso für keine glückliche Entscheidung.

Eberhard Tiso ist Wülfrather und mag seine Stadt. Bis auf die Studienzeit in Marburg hat er immer hier gelebt, kennt sprichwörtlich jeden Baum und Hügel, aber auch die verschiedenen Ambitionen, die die Verwaltung im Verlaufe der Dekaden unternahm, neue Einwohner zu gewinnen. Denn Wülfrath soll wachsen und prosperieren.

„Was jetzt passiert, ist für mich unfassbar“, sagt er über den Ratsbeschluss zur zweiten Offenlegung des Regionalplans. Dieser sieht theoretisch vor, das weite Nichts in Düssel, bislang von der Landwirtschaft genutztes Ackerland, als Bauland ins Visier zu nehmen. Tiso hat schriftlich Widerspruch bei der Bezirksregierung Düsseldorf, der zuständigen Behörde, eingelegt. „Ebenso wie es andere Privatpersonen getan haben“, kennt er andere Nachbarn, die wie er nur den Kopf über diese Entscheidung schütteln. „Nur Fassungslosigkeit breitet sich aus bei den Beschlussfassungen“, vor lauter Planungen und Überlegungen zu zukünftigen Entwicklungen „scheint der Bezug zum Hier und Jetzt verloren gegangen zu sein“. Der Protest hält an. „Offensichtlich beschäftigen sich Verwaltung und Politik nicht mit den Bedürfnissen der Einwohner“, lautet sein Fazit. Die Bürgerinitiative Düssel-West jedenfalls hat inzwischen etwa 700 Unterschriften von Menschen gesammelt, die alle nicht wollen, dass „bloß Ackerland zubetoniert wird. Sonst nichts.“

Die grundsätzliche Idee, mit dieser Maßnahme die Einwohnerzahl Wülfraths heben zu können, hält er für „nicht stimmig. Wülfrath wird nicht signifikant wachsen, egal wie viel gebaut wird.“ Würde nun auf der grünen Wiese ein Neubaugebiet entstehen, wäre das „eine reine Schlafstadt. Mit der Innenstadt haben diese Neubürger nichts zu tun, werden da nicht integriert“. Und warum sollen sich diese Neubürger auch für Wülfrath interessieren, wenn sie ihre Berufs- und Lebenszeit in den angrenzenden Großstädten verbringen. „Im Zuge der Planung soll ein Hauptaugenmerk auf die Integration der Neubürger gelegt werden“, zitiert Eberhard Tiso aus der Ratssitzung den zuständigen Dezernenten. „Wieso soll das erst zukünftig erfolgen, warum nicht heute und warum nicht längst?“, hakt er nach. Und schließt die Frage an, „wie soll das passieren?“.

Die Fakten werden nach seiner Meinung bestenfalls „nicht wahrgenommen“, aber eigentlich ignoriert. So ist laut aktueller Zahlen des Standesamtes die Einwohnerzahl Wülfraths im vergangenen Jahr um etwa 100 Personen gesunken. Parallel dazu wurde im Stadtgebiet das Baugebiet Osterdelle fertig gestellt. „Man möge doch bitte mal durch dieses wunderschöne Wohngebiet streifen, um konkret zu erfahren, wie viel Fläche neu versiegelt werden muss, um 100 Einwohner zu gewinnen.“ Natürlich weiß keiner, was in der Zukunft passieren wird, wie sich die Stadt entwickelt und ob sie wirklich signifikant wächst. „Seit 20 Jahren versuchen Politik und Verwaltung, Wülfrath zu vergrößern. Das klappt nicht.“ Der vorgelegte Plan „ist keine Lösung“.