Wülfrath: Ophelia Nick und die landwirtschaft der Zukunft

Dialog zwischen Bauern und Verbrauchern : Landwirtschaft birgt viel Diskussionsstoff

Zum ersten Mal stellte Ophelia Nick ihr Buch auf einer Lesung vor. Ihre Thesen lösten eine angeregte Debatte aus.

„Neue Bauern braucht das Land“, fordert Politikerin und Tierärztin Ophelia Nick in ihrem aktuellen Buch. Weg von Agrarfabriken, Massentierhaltung und Monokulturen, hin zu idyllischen Landschaften, zufriedenen Bauern und glücklichen Tieren. Zwei Jahre hat sich die in  Wülfrath geborene Autorin intensiv mit der Thematik beschäftigt, sie von A bis Z durchdacht. Sie zeigt auf, wie es nicht sein sollte – aber auch, wie es funktionieren kann.

Auf ihrer ersten Lesung in Wülfrath löste der Titel und die im Buch aufgestellten Thesen eine angeregte Diskussion unter den Besuchern aus. Vor allem die anwesenden Landwirte fühlten sich missverstanden. „Ich finde die Bilder, die im Buch und auf der Lesung gezeigt wurden, sehr kritisch. Genau wie in den Medien werden nur die schwarzen Schafe abgebildet. Dadurch entstehen Pauschalisierungen und am Ende sind die Bauern wieder an allem Schuld“, sagte Kreislandwirt Bernd Kneer. Getreidebauer Christian Gladbach hielt die Forderungen der Autorin für unrealistisch. Er stünde nicht mit Landwirten aus der Region in Wettbewerb, sondern mit internationalen Exporteuren wie etwa der Ukraine. „Wir müssen auf dem Weltmarkt bestehen. Wie das Buch sich die Landwirtschaft wünscht, ist ideologisch“, sagte er. Dem stimmte auch Landwirt Johannes Paas zu: „Es ist nicht so einfach, wie es von außen aussehen mag. Neben dem enormen Wettbewerbsdruck müssen wir uns an viele Standards und Auflagen halten. Wir stehen eigentlich immer mit einem Bein im Knast.“

Carsten Bröcker, ebenfalls Landwirt, fand sich in der von Nick vorgenommene Einteilung der Landwirtschaft in die ideale, bäuerliche und die schädigende, industrielle nicht wieder. Sein Hof sei weder idyllisch noch industriell, man könne eben nicht alles in schwarz oder weiß einteilen. Es nerve ihn, dass die Verbraucher immer mit Samthandschuhen angefasst würden. „Jeder kann ja selber entscheiden, ob Supermarkt oder Hofladen. Gekauft wird trotzdem meist das Billigste.“ Bernd Kneer merkte an, dass Landwirte schon seit langer Zeit keine Abnehmer für ihre Bio-Milch fänden: „Ich habe das Gefühl, die Verbraucher honorieren unsere Bemühungen gar nicht“, sagte er.

Auf der anderen Seite fühlten sich die Verbraucher zu Unrecht beschuldigt. „Ich sehe, Sie haben eine Jeans an. Ist die vom Schneider?“, fragte Günter Klempau-Froning den Landwirt Bröcker, um aufzuzeigen, dass auch er Verbraucher ist, der seine Kleidung eben nicht unter ethischen Aspekten auswählt. „Wir sind alle Teil eines System, das sich ändern muss.“ Auch Anne Schemann, die bald in Wülfrath einen Unverpackt-Laden eröffnet, nahm die Verbraucher in Schutz: „Wir haben ja nicht damit angefangen, den Schweinen die Ringelschwänze abzuschneiden, damit sie sich aus lauter Langweile in den geschlossenen Stallsystemen nicht selber verletzten.“

Obwohl sich die Autorin eine rege Diskussion gewünscht hatte, empfand sie die Spaltung in zwei Lager als kontraproduktiv: „Genau das wollte ich nicht erreichen. Stattdessen sollten wir uns zusammensetzen, kommunizieren und gemeinsam an Lösungen arbeiten“, sagte sie. Daraufhin schlug Landwirtin Kristina Döring vor, einen Frage-Anwort-Abend zu veranstalten, in dem sich Landwirte und Verbraucher gegenseitig informieren können. Bernd Kneer erklärte sich bereit, die Veranstaltung in die Wege zu leiten.