Wülfrath: Margarete Niedheidt feiert 100. Geburstag

Wülfrarth : „Grete ist der liebenswürdigste Mensch“

Margarete Niedheidt, geboren in Dornap, hat im Kreise ihrer Familie jetzt ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Magarete Niedheidt hat etwas geschafft, das den meisten Menschen vorenthalten bleibt – sie ist jetzt 100 Jahre alt geworden. Und weil die Jubilarin stets das Leben und die Menschen geliebt hat, wundert es nicht, dass sich an ihrem Ehrentage die Gratulanten die Türklinke in die Hand geben. „Grete“, so schwärmen die Gäste, „Grete ist einfach Grete. Der liebenswerteste Mensch auf Erden.“

Schick hat sie sich gemacht, die alte Dame, die, in ihrem hellen Sessel sitzend, ihre unzähligen Gäste anstrahlt, sich umarmen und gratulieren lässt: Das rosefarbene Blüschen und die schlichte Perlenkette harmonieren wunderbar mit dem weißen gepflegten Haar. „Grete war schon immer eine selbstbewusste, starke Frau, die Wert auf sich und ihr Äußeres gelegt hat“, erklärt Schwiegerenkeltochter Annette Gindorf mit liebevollem Blick auf die Jubilarin, die zwar nur noch sehr schlecht hört und sieht, geistig aber rege und fit geblieben ist.

„Wir waren erst letzte Woche noch in Venlo mit ihr, sie geht jede Woche auf den Markt und zum Friseur und für heute Abend hat sie sich gewünscht, dass wir im kleinen Kreise essen gehen. Sie ist sehr gesellig und zugewandt.“

Margarete Niedheidt strahlt glücklich. Vielleicht ist es ein Segen, dass gerade an diesem besonderen Morgen ihr Hörgerät kaputt gegangen ist und der laute Trubel um sie herum sie nicht allzu sehr stresst. So wirkt sie ein wenig in ihre eigene Welt versunken, mit sich selbst im Reinen. Mit offenen Augen und viel Neugierde schaut sie sich jeden Gratulanten ganz genau an. Bei manch einem legt sich das faltige Gesicht in fragende Runzeln, vielleicht fällt es ihr schwer, denjenigen einzuordnen, der ihr da gerade die Hand schüttelt. Als aber Neffe Uwe Schultheiß seine Tante umarmt, ist unbändige Freude im Gesicht der alten Dame abzulesen. „Tante Grete ist eine unglaubliche Frau, sie ist so aktiv und lebensbejahend, ich bin so stolz auf sie“, schwärmt der Tierarzt aus Nizza, „den 90sten hat sie übrigens bei mir gefeiert und sie wäre sicher auch gerne jetzt wieder nach Südfrankreich gekommen, aber es gibt keine Airlines mehr, die so alte Menschen mitnehmen.“

Reisen, das war stets ein Steckenpferd der alten Dame, die in Dornap geboren wurde, eine Tochter bekam und mit den Schicksalsschlägen in ihrem Leben, wie dem Tod ihres Ehemannes vor rund 30 Jahren, nie haderte, sondern sie annahm und nach vorne blickte. „Sie hat sich den Gegebenheiten angepasst und stets das Beste daraus gemacht“, erinnern sich die Verwandten. Noch heute nimmt sie aktiv am Leben teil, puzzelt gerne, liest die Zeitung mit einer Lupe, trinkt jeden Tag ihr Piccolöchen, schaut Fernsehen. „Fußball, das ist ihr Ding“, erzählt Annette Gindorf und lacht, „da ist sie richtig dabei.“ Margarete Niedheidt streckt ihren Arm aus, die Augen fangen an zu blitzen. „Komm mal her Paulinchen“, ruft sie und versucht einen kleinen Zwergschnauzer anzulocken. Ein Problem ist das nicht. „Die Uroma füttert den Hund immer heimlich, obwohl sie das nicht darf“, weiß Urenkelin Anna-Lisa und grinst. Mit ihrer Tochter und Hund Paulinchen lebt die alte Dame nach wie vor in einem selbstständig geführten Haushalt. Ein Platz im Altenheim, das war nie eine Option für sie. „Um Gottes willen“, sagt Annette Gindorf gespielt entsetzt, „da sind doch nur alte Männer, sagt Grete immer, das kommt überhaupt nicht in Frage.“

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