Hilfe für Kinder in der Ukraine “Ich will die Welt ein Stück weit sicherer machen“

Wülfrath · Marc Friedrich hat die Hilfsorganisation „Ambulance for Kids“ gegründet. Damit sollen Intensivtransporte von schwer verletzten Kindern in der Ukraine möglich werden. Der Notfallsanitäter braucht zur Umsetzung Spenden.

Wülfrath: Marc Friedrich im Einsatz für Luftbrücke Ukraine
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Zwischen Zerstörung und Hoffnung: Marc Friedrich im Einsatz in der Ukraine

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Foto: Achim Blazy (abz)

Vor Marc Friedrich liegt noch jede Menge Arbeit. Doch der Entschluss steht und stetig geht es voran. Der Abteilungsleiter des Rettungsdiensts der Wülfrather Feuerwehr hat eine Nichtregierungsorganisation, kurz NGO, gegründet: „Ambulance for Kids“ (AFK). Ziel der Hilfsorganisation, die seit Kurzem auch die Anerkennung der Gemeinnützigkeit hat, ist es, Kinderintensivtransporte in der Ukraine durchzuführen.

Die Idee dazu hat sich durch sein ehrenamtliches Engagement entwickelt. Seit Kriegsausbruch unterstützt der ausgebildete Notfallsanitäter die Deutsche Flugambulanz dabei, schwerstkranke und schwerstverletzte Kinder auszufliegen. In einem deutschen Krankenhaus erhalten sie dann oft die überlebenswichtige Operation. Dabei hat der 44-Jährige aber auch gesehen, woran es mangelt. Viele Kinderkliniken mussten inzwischen umrüsten auf die Versorgung verletzter Soldaten. Oft sind es lange Wege bis zur nächsten Klinik. Von Dnipro nach Kiew sind es schon gut bis zu acht Stunden, so Friedrich. Die Straßen sind schlecht, Kontrollposten zwingen den Transport zu Stopps. Für die kleinen Patienten ist das eine lebensbedrohliche Situation, da sie eigentlich auch auf intensivmedizinische Versorgung während der Fahrt angewiesen sind. Da ist oft Improvisation gefragt, zumal Krankenwagen nicht auf Intensivfälle für Kinder ausgelegt sind. „In Deutschland ist das kein Problem, weil man da höchsten 45 Minuten braucht. Improvisation ist in der Ukraine aber keine gute Option“, beton der Experte. „Es braucht ein auf Kinder ausgelegtes Fahrzeug“, erklärt Friedrich.

Und genau da setzt „Ambulance for Kids“ an. Friedrich plant, einen Intensivtransportwagen genau dafür auszustatten, nämlich auf die Bedürfnisse kleiner Patienten. Das Fahrzeug soll dann in der Zentralukraine stationiert werden. Den Wagen, ein Modell von 2017, kann er der MedCarProfessional GmbH abkaufen, dem Mutterunternehmen der Flugambulanz. Die Ausstattung muss er separat anschaffen. Dazu gehört ein Beatmungsgerät mit sämtlichen Beatmungsmustern und der speziellen Kinderausrüstung. Denn Atemmaske und Schläuche müssen entsprechend viel kleiner sein als die Standardausrüstung für Erwachsene. Das kann er gebraucht kaufen. Der Preis liegt dennoch bei gut 15.000 Euro. Und das war noch nicht alles. In den Wagen gehören auch medizinische Geräte wie Spritzenpumpen, EKG-Monitore, Defibrillator, Ultraschallgerät, Absauggeräte, Blutgasanalysegeräte, eine Trage, Infusomaten, Flaschenwärmer für Säuglinge und auch ein Transportinkubator. Letzteres kostetet alleine rund 90.000 Euro. Und fast alles vom Equipment braucht Friedrich doppelt, falls mal ein Gerät ausfällt.

Allein für die Ausstattung kalkuliert Friedrich mit rund 200.000 Euro. Um das alles finanzieren zu können, ist er auch auf viele Spenden angewiesen. Als gemeinnützige Organisation darf er auch Spendenquittungen ausstellen. Unterstützung erhält er zudem von „Save a Children UK“ und ein „Herz für Kinder“, mit denen er bereits für die Evakuierungsflüge zusammengearbeitet hat.

Der Zeitplan ist straff. Denn bereits im Januar will er mit dem Wagen in die Ukraine, nimmt sich zwei Monate unbezahlten Urlaub, um die Hilfsorganisation an den Start zu bringen, das Angebot bei Kinderkliniken vorzustellen. Auch Gespräche mit der Regierung sowie der WHO muss er im Vorfeld führen. Paramedics und Mediziner vor Ort sind mit an Bord, sollen auf Dauer selbstständig die Transporte vor Ort durchführen, während Friedrich als Geschäftsführer der Organisation aus Deutschland alles Bürokratische regelt. Weitere Helfer aus dem medizinischen Bereich sind aber gerne willkommen. Friedrich ist es wichtig, dass seine freiwilligen Helfer auch abgesichert sind. Auf lange Sicht soll nämlich noch ein normaler Rettungswagen, ebenfalls auf Kinderbedürfnisse ausgerichtet, dazu kommen für Transporte von Kindern, die nicht ganz so schwer verletzt sind.

Einen Geländewagen, den man dort vor allem im Winter braucht, hat Friedrich schon von Bayer als Spende erhalten. Er dient künftig auch dazu, das Intensivtransportfahrzeug rauszuziehen, sollte es sich einmal festgefahren haben. Aber auch dazu, um Familienangehörige der kleinen Patienten mitzunehmen. Der Wagen kommt erstmals an diesem Sonntag zum Einsatz in der Ukraine, berichtet Friedrich. „Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich einmal eine Hilfsorganisation für die Ukraine gründe“, sagt Friedrich. Doch das, was er vor Ort gesehen hat, bewegt ihn so sehr, dass er einfach handeln müsse.

Marc Friedrich bei einem der Transporte in der Ukraine für die Deutsche Flugambulanz. Er will mit seiner Hilforganisation die Versorgung beim Transport in eine Klinik oder zum Flughafen verbessern.

Marc Friedrich bei einem der Transporte in der Ukraine für die Deutsche Flugambulanz. Er will mit seiner Hilforganisation die Versorgung beim Transport in eine Klinik oder zum Flughafen verbessern.

Foto: Marc Friedrich
 Der Geländewagen für „Ambulance for Kids“ ist bereits ab Sonntag in der Ukraine im Einsatz.

Der Geländewagen für „Ambulance for Kids“ ist bereits ab Sonntag in der Ukraine im Einsatz.

Foto: Marc Friedrich

Warum er das alles macht? „Ich bin von der Mentalität der Menschen beeindruckt und von ihrer Gastfreundlichkeit“, so der Initiator. Und auch von dem Willen, sich nicht kleinkriegen zu lassen, ist er beeindruckt. „Die Menschen kämpfen für die Demokratie“, betont er. Und noch eins bewegt ihn: „Kinder sind die unschuldigste Personengruppe in diesem Krieg. Ein Kind versteht nicht, dass es eine Granate ist und hält es für einen Ball“, erzählt er aus seinen Erfahrungen von den Evakuierungsflügen. Mit seinem Engagement will er die Welt in der Ukraine ein Stück weit sicherer machen.

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