Wülfrath: Knorr-Bremse schließt Wülfrather Werk

Aufruhr um Schließung von Werk : Kein Frieden bei Abwicklung von Knorr-Bremse am Werk Wülfrath

Etwa 180 Beschäftigte gehen in die Transfergesellschaft „Weitblick“. Was aber passiert mit den Zeitarbeitern, die kontinuierlich im Werk berufstätig waren?

Der Vorstand der Knorr-Bremse AG hatte am 22. Mai 2019 beschlossen, die Produktion von Lenksystemen am Standort Wülfrath im Jahr 2020 einzustellen. Für die ausscheidenden Mitarbeiter wird zum 1. Januar 2020 eine Transfergesellschaft gegründet. Diese Gesellschaft mit dem Namen „Weitblick“ soll den etwa 180 betroffenen Mitarbeitern den Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse erleichtern. Weitere 50 Mitarbeitern wechseln an den Standort Düsseldorf. So weit, so gut.

Jetzt aber melden sich die Beschäftigten, die keine Festangestellten waren, sondern mit befristeten Verträgen kontinuierlich ausgeholfen haben. So wie Ahmet Aytes. „Das Aus ist ein Schock. Ich stehe vor dem Nichts“, berichtet der 48-Jährige. Er sei zwei Jahre als Leiharbeiter und über 26 Monate befristet als Schweißer an einem sogenannten Schweißroboter bei Knorr-Bremse tätig gewesen. Erst kürzlich haben er und etwa weitere 30 Kollegen mit gleichem Status erfahren, dass „unsere Verträge nicht verlängert werden, dass wir uns arbeitslos melden sollen“. Diese Info haben er und die Kollegen laut Eigenaussage weder vom Betriebsrat noch seitens der Geschäftsführung erhalten, sondern quasi auf Zuruf durch einen Vorarbeiter. „Wir waren am Anfang schon die Verlierer, weil wir im Vergleich zur fest angestellten Belegschaft immer für die gleiche Arbeit weniger Geld verdienten“, erzählt er frustriert. „Immer mit der Hoffnung, dass wir eines Tages übernommen werden.“ Der Traum ist ausgeträumt, das Erwachen bitter, wie der dreifache Vater enttäuscht sagt. Regelrecht im Stich gelassen fühlt er sich von den Zuständigen, denn dem Vernehmen nach gäbe es einen Etat für Abfindungen sowie die Einrichtung der Transfergesellschaft – „aber davon haben nur die Festangestellten etwa, für uns tut keiner etwas. Wir bekommen keinen Cent.“

Besonders empört ist der 48-jährige Türke mit deutschem Pass über den sprichwörtlichen „Tritt in den Hintern“, den er jetzt bekommt, und mangelnde Perspektiven. „In der nächsten Firma, die uns beschäftigt, werden wir das gleiche wieder erleben.“ Um finanziell über die Runden zu kommen, möchte er sein Auto gegen einen Arbeitsplatz tauschen.