Wülfrath: Kalender-Release-Show mit Jan Schmidt

Kunst und Kultur in Wülfrath : „In Wülfrath hat alles angefangen“

Mit neuem Konzept feiert der Wülfrather Poetry-Slammer jetzt in seiner alten Heimat Premiere und freut sich auf weitere Auftritte.

Herr Schmidt, mit was für einer Show kommen Sie nach Wülfrath?

SCHMIDT Wir alle kennen Buch-Premieren und Album-Releases, aber wann hat jemand eine Show für seinen Kalender gemacht? Im Ernst: Die Veröffentlichung des Kalenders ist absurd, dessen bin ich mir absolut bewusst. Warum also nicht alles auf die Spitze treiben? Die Kalender-Show zeichnet sich durch ihre Einzigartigkeit aus; meine Gäste sind immer andere Menschen, die mich auf meinem Weg bislang begleitet haben. Dazu kommen frische Texte von mir, tatsächlich auch Songs und eine Mini-Live-Kochshow. Es wird ein herrlich-schöner Spaß.

Wann haben Sie das Konzept entwickelt?

SCHMIDT Ich glaube nicht, dass da ein genauer Zeitpunkt auszumachen ist. Eine eigene Show will ich schon länger, und aus den Einzelelementen Text, Musik und der Idee zu kochen ist dann das Konzept der Show geworden. Der Kalender ist da der perfekte Aufhänger, das alles endlich realisieren zu können.

Warum feiern Sie mit dem Konzept ausgerechnet in Ihrer alten Heimat Wülfrath Premiere?

SCHMIDT Eine wirkliche Premiere ist es nicht. Ich hab diese Show bereits vier Mal gespielt, zum Beispiel in Düsseldorf. Aber die Heimat ist einfach etwas ganz Besonderes. Hier hat alles angefangen, im Kleinen, und ist nach und nach groß geworden. Ich verdanke Wülfrath einfach sehr viel und daher ist es für mich ein Privileg, dass die WüRG mich das bei sich machen lässt.

Was ist so großartig am Poetry-Slammen?

SCHMIDT Es ist schwer zu beschrieben wie die Stimmung bei klassischen Poetry Slams ist, es ist viel direkter und intimer. Man hat das Gefühl, es findet eine direkte Interaktion mit dem Publikum statt, statt eine indirekte, wie das bei Solo-Auftritten oder Kabarett-Abenden ist. Dazu ist das Format prädestiniert für Überraschungen, man darf ja alles machen, solange es den üblichen Regeln folgt. Hier kann man bis zum Bauchmuskelkater lachen, der nächste Text ist bitterernst, vielleicht lyrisch, der nächste politisch. Es ist für alle was dabei und man weiß nie was passiert. Wo kriegt man denn noch solch eine Diversität? Das ist einfach jedes Mal aufs neue spannend.

Seit wann slammen Sie, warum macht es noch immer Freude?

SCHMIDT Ich bin jetzt 26 Jahre alt und slamme seit 2011. Das ist eine ganze Weile, trotzdem wird es nicht fad. Aus künstlerischer Sicht liegt der Reiz darin, dass jeder Text jedes mal anders funktioniert. Nur weil ein Text zum Beispiel in Köln komplett abschmiert, kann er am nächsten Tag in Frankfurt alles abreißen. Es ist eine Wundertüte. Man muss jedes Mal alles geben, um den Leuten die best mögliche Show zu bieten.

Wie lässt sich Poetry-Slammen erlernen?

SCHMIDT Ich glaube, der erste Schritt ist, sich zu trauen. Es gibt so viele Menschen, die selbst schreiben. Der Schritt auf die Bühne ist die große Hürde. Der Rest ergibt sich von selbst. Natürlich gibt es auch Workshops, aber erst mit den Auftritten wird alles rund. Man bekommt mit der Zeit ein Gefühl dafür, wie Dinge funktionieren und wie nicht. Das Wichtigste ist, sich nicht zu sehr auf den Wettbewerb zu fokussieren. Das verfälscht die Kunst. Wenn ich Kunst mache, um bei den Leuten anzukommen, ist es dann noch Kunst?