Zündende Idee aus Wülfrath Jede Menge Aktionen auf dem Lebensraum Friedhof

Wülfrath · Drei Hobbyfotografen haben dafür gesorgt, dass Wülfrather sich zum Friedhofsbesuch aufmachen. Es gab dort allerhand zu erleben, zu bestaunen und mitzunehmen.

Es gab auch eine Pflanzentauschbörse am städtischen Friedhof. Die Landfrauen waren mit einem Tauschstand beteiligt.

Es gab auch eine Pflanzentauschbörse am städtischen Friedhof. Die Landfrauen waren mit einem Tauschstand beteiligt.

Foto: Achim Blazy (abz)

Es ist schon mehr als bemerkenswert, welch vielfältiges, persönliches, ehrenamtliches Engagement in einem Städtchen wie Wülfrath zu finden ist. Das Projekt „Lebensraum Friedhof“, das am Wochenende auf dem Städtischen Friedhof an der Alten Ratinger Straße stattfand, war ein beeindruckender Beweis dafür.

Da sind drei Hobbyfotografen: Burkhard Rüdiger, Jan Meyburg und Fritz Reich, denen vor etwa einem Jahr die Idee kam, den Friedhof nicht nur als Ort der Trauer, sondern als Raum des Lebens im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Jan Meyburg ist Friedhofsgärtner und somit ganz nahe am Geschehen. Er will Aufmerksamkeit erregen, Beziehung schaffen zu dem Ort, der immer nur als der letzte angesehen wird.

Für Meyburg ist ein Friedhof nicht nur letzte Ruhestätte, nein er ist Park, grüne Lunge, Naherholungsgebiet und ein Ort der Besinnung und Begegnung. So entstand das Projekt „Lebensraum Friedhof“, an dem sich zahlreiche Vereine und Vereinigungen der Stadt beteiligt haben. Es war die Coronazeit, die zum Nachdenken anregte, wie Jan Meyburg betonte. Wahrscheinlich der einzige positive Aspekt dieser Pandemie.

Drei Kindergärten waren mit dabei, St. Joseph, Farbenfroh und Ellenbeek, es wurden Beete auf dem Friedhof bepflanzt, eine Spielecke und eine Bücherstube eingerichtet. Schon am Freitag hatten rund 50 Kinder Vogelhäuschen eingerichtet und Insektenhotels gebaut. Beatrix Kraemer, Leiterin der Kindertagesstätte St. Joseph, präsentierte denn auch eine Sammlung von Büchern, die Verlust, Abschied, Tod und Trauer zum Inhalt hatten, kindgerecht bearbeitet.

Gerade Kinder sind oft überfordert, den Verlust eines geliebten Menschen zu verkraften. Gerade sie müssen oft den Tod der Großeltern, den Tod eines Geschwisterchens oder auch „nur“ den Verlust eines Kuscheltieres oder eines Freundes, der in eine andere Stadt gezogen ist, aushalten. Da helfen oft Gefühlskarten: Wie fühle ich mich, bin ich wütend, traurig, melancholisch, oder scheint vielleicht doch ein bisschen die Sonne? Mit Hilfe der ansprechenden Motive können sich Kinder verständlich machen, wie Beatrix Kraemer erläuterte.

Die engagierte Pädagogin hat mit Friedhofsgärtner Meybug sogar einen Kooperationsvertrag zum Thema „Abschied“ geschlossen und damit weitere Zusammenarbeit der scheinbar so unterschiedlichen Institutionen gesichert. Die Bürgerstiftung Wülfrath hat eine Pflanz-Tausch-Börse zu der Aktion beigetragen, die sehr gut angenommen wurde.

Entweder konnten Setzlinge, Samen oder kleine Pflanzen wahrhaft getauscht werden oder man durfte sich aus dem Angebot einiges für den heimischen Garten aussuchen und gegen eine Spende, die für andere Projekte der Bürgerstiftung benötigt werden, nach Hause tragen. Eine großartige Idee, die der Vorstand der Bürgerstiftung hier realisiert hat.

In den zahlreichen Gesprächen stand immer wieder das Thema Schnecken im Vordergrund, sämtliche Bekämpfungsmittel wurden diskutiert und wieder verworfen: Schneckenkorn und Bier, nein danke, Schere, erst recht nicht. Es gibt nur ein Mittel: Immer wieder neu pflanzen, waren Stephanie Reuter, Sabine Timmermann und Gabriele Commandeur von der Bürgerstiftung einer Meinung mit der Vorsitzenden der Landfrauen, Beate Kneer, die auch mit einem Stand mit vielen Pflanzen vertreten waren.

Auch die Pfadfinder waren mit dabei und boten Waffeln an, die gegen eine Spende abgegeben wurden. Die gespendeten Euro sind für das Sommerlager in Schweden bestimmt. In der Friedhofskapelle musizierten und sangen Annika Rosche, Erik Larsen und Karsten Schneider und es stellten sich zwei Trauerrednerinnen vor, die seelsorgerische Begleitung, aber auch Hilfe beim Thema Vorsorge anboten.

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