Wülfrath: Gymnasiasten debattieren mit Niklas Frank - Zeitzeugengespräch

Aus der Geschichte lernen : Zeitzeugen-Gespräch im Gymnasium

Journalist Niklas Frank stellte sich Schülerfragen über seine Kinderzeit als Sohn eines Nazi-Verbrechers.

Niklas Frank, Jahrgang 1939, schilderte am Freitagmorgen in der randvoll besetzten Mensa des Städtischen Gymnasiums den 16- bis 18-jährigen Schülern, warum er seinen Vater verachtet.

Besagter Hans Frank war im sogenannten Dritten Reich Generalgouverneur von Polen, vorher Reichsjustizminister. Am 6. Oktober 1946 wurde er in Nürnberg durch den Strang hingerichtet. Aus seinem Buch „Der Vater“ hat Niklas Frank vor den gebannt zuhörenden Schülern vorgelesen. Keine leichte Kost, dieses Buch. Und definitiv keine leichte Kost, das Leben von Niklas Frank, dem Sohn des Kriegsverbrechers. Zwar genoss er als Kleinkind während des Krieges in Krakau im Kreis seiner Familie mit vier Geschwistern ein behütetes, großbürgerliches Leben. Er war der Sohn des „Burgherrn“. Jedoch prägte ihn schon früh die mangelnde Zuneigung des Vaters. Dadurch habe er eine „gesunde Distanz“ zu seinem Vater aufgebaut. Als Journalist – beim „Stern“ war er 27 Jahre weltweit als Reporter unterwegs – hat Niklas Frank gelernt, sein Familientabu zu durchbrechen. Das Schweigen in Deutschland habe ihn zu schreiben animiert. Die psychischen Folgen des Verschweigens seien bis heute spürbar. Die Schüler in Wülfrath reagierten in der Fragestunde erst einmal auf die persönliche Betroffenheit des jüngsten Familienmitgliedes. „Wie war die Situation unter den Geschwistern? wollte Finja Reißbach wissen. „Mein Vater ist zwar ein Verbrecher. Aber ich liebe ihn“, habe sein Bruder einmal gesagt, gesteht Niklas Frank. Der Zusammenhalt war gut, fährt er fort. „Was wäre, wenn Sie Ihren Vater besser gekannt hätten?“ fragt Dilber Önemli. Der Sohn denkt nicht, dass sich dann etwas geändert hätte. Niklas Frank sagt an anderer Stelle, dass sein unverbesserlicher Vater dank seines Intellekts heute in der AfD eine führende Rolle einnehmen könnte. Er halte diese Partei für sehr gefährlich, sagt Niklas Frank. Und was können wir gegen rechte Ströme tun?, fragt Laura Stotho. „Wir brauchen Zivilcourage“, sagt Frank. Das Feigheitssyndrom müsse überwunden werden. „Wir müssen politisch und laut sein“. Das müsse nicht selbstverständlich in einer Partei geschehen. Besonders erschrecke ihn zum Beispiel, dass jetzt gerade in Thüringen so viele junge Menschen AfD gewählt haben. Aufklärung müsse auch im Freundeskreis stattfinden.

Eigens zu dieser Veranstaltung in Wülfrath war Niklas Frank am Morgen mit dem Zug aus Schleswig Holstein angereist.

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