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Wülfrath: Ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge

Wülfrather Flüchtlingsbetreuerin : Ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge

Während Bettina Laue-Rieth ein Fahrrad für Flüchtlingskinder repariert, erzählt sie von den Anfängen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit: „Die Flüchtlingsheime an der Fortunastraße waren 2016 bezugsfertig.

Ich wohne in der Nähe und dachte mir: Als Flüchtlinge können sie ja nicht viel haben.“ Sie wollte helfen und hat sich an die städtische Flüchtlingsberatung gewandt, die sie den Flüchtlingen vorstellte. „Zuerst habe ich ihnen dann Geschirr gebracht“, erzählt die 62-Jährige. Berührungsängste und Sprachprobleme hätten sich schnell gelegt. „Anfangs habe ich mir immer ein paar englische Sätze zurecht gelegt, jetzt plapper ich drauf los.“ In den zehn Reihenhäusern wohnen zurzeit 140 Personen. „Aber nur Familien oder Mütter mit Kindern. Sie kommen aus Eritrea, Nigeria, Afghanistan, Syrien oder dem Irak.“ Als sportbegeisterter Mensch möchte sie die Kinder über den Sport integrieren: „Über Sport kriegt man jeden“, meint sie. Zusammen mit der Schwimmschule Pinguin gibt sie Flüchtlingskindern Schwimmunterricht, die Kurse werden von „Kinder in Not“ unterstützt. „Die meisten Kinder können nicht schwimmen. Nach 19 Wochen können es alle.“ Auch für das Sportabzeichen trainieren alle gemeinsam, auch Hallenzeiten der TBW werden genutzt. Rund 15 Kinder zwischen sechs und 18 Jahren spielen dann Fußball, Handball oder Basketball. „Manche bringen Freunde mit. Die Flüchtlingskinder sind bestens integriert und haben Anschluss gefunden.“ Deutsch zu lernen sei für die Kinder kein Problem. „Die Erwachsenen nehmen an Deutschkursen teil. Sie brauchen die Sprache, um Arbeit zu finden. Und natürlich einen Aufenthaltstitel.“ Auch Abschiebungen erlebt sie mit: „Eine Mutter aus Nigeria mit ihren vier Kindern musste gehen, weil sie aus einem vermeintlich sicheren Land kommt. Die Familie war mir sehr ans Herz gewachsen, hatte sich nichts zu schulden kommen lassen.“ Afrikaner, hat sie festgestellt, seien sehr fröhliche Menschen mit viel Lebensfreude. „Ich werde oft eingeladen, Silvester haben wir auch zusammen gefeiert und getanzt. Und das Essen ist immer lecker.“ Am liebsten esse sie ein afghanisches Reisgericht mit Rosinen, das ihr die Familien manchmal sogar nach Hause bringen.

„Ich bin Mädchen für alles, versuche bei Anträgen zu helfen. Die Menschen haben Vertrauen, zeigen ihre Dankbarkeit. Wenn ich dankbare, leuchtende Kinderaugen sehe, dann ist es die Arbeit wert.“ Natürlich werde auch Kleidung für die Flüchtlinge benötigt, vor allem Sportschuhe für die Kinder. „Da helfen die Sportvereine, das läuft in Wülfrath wirklich gut. Auch viele andere Ehrenamtliche engagieren sich.“ Jetzt während der Corona-Krise habe sie leider keinen Kontakt zu den Flüchtlingen. Dennoch bekommen sie Hilfe: „Es gibt an der Fortunastraße ein Flüchtlingsbüro, das täglich besetzt ist“, sagt Franca Calvano von der städtischen Pressestelle. Auch über Videotelefon haben die städtischen Mitarbeiter Kontakt zu den Flüchtlingen.

Bettina Laue-Rieth ist gelernte Geologin und wohnt zusammen mit ihrem Mann seit 31 Jahren in Wülfrath. Auch er engagiert sich für die Flüchtlinge. Neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit arbeitet sie in einem privaten Kleinkindergarten.