Wülfrath: Dreck weg Tag am 14. März

Cityputz mit Blumenpflanzaktion in Wülfrath : „Jeder Teilnehmer ist ein Multiplikator“

2000 initiiert, ist der Dreck-weg-Tag eine echte Erfolgsgeschichte. Abfallberaterin Ulrike Eberle sagt warum.

Frau Eberle, wer hat wann die Idee zum Wülfrather Dreck-weg-Tag entwickelt?

EBERLE Mitglieder des Motorsportclubs Wülfrath kamen 2000 auf mich zu. Sie hatten sich über die vielen Abfälle entlang der Straßengräben, in öffentlichen Anlagen und in der Innenstadt geärgert und fragten, ob sich dagegen nichts unternehmen ließe. Zusammen mit dem Team des Baubetriebshofs haben wir diese Anregung in der Abfallberatung sofort aufgenommen und umgesetzt.

Wie hat sich die Anzahl der Teilnehmer entwickelt?

EBERLE Mit etwa 300 Teilnehmern haben wir vor 20 Jahren angefangen. Inzwischen sind es immer um die 500 Akteure, im Rekordjahr 2014 haben wir sogar 665 Teilnehmer gezählt. Das ist eine richtig gute Resonanz, gerade für die Größe unserer Stadt. Nur ein Mal mussten wir den Aktionstag absagen. Das war am 16. März 2013. Es hatte über Nacht massiv geschneit, unter der Schneedecke war alles verborgen. Deshalb feiern wir den 20. Dreck-weg-Tag erst im kommenden Jahr.

Wie viele Tonnen Abfall kommen pro Aktion zusammen?

EBERLE Die größte Müllmenge verzeichneten wir in den ersten beiden Jahren, die offensichtlich so etwas wie eine Grundreinigung waren. Lange waren es dann etwa vier bis sechs Tonnen, die so zusammen kamen. Kontinuierlich sinken die Zahlen, 2019 waren es „nur“ noch zwei Tonnen. Wobei das zwei Tonnen zu viel sind. Inzwischen sammeln wir nicht nur Abfälle von Straßenrändern, Wegen und Plätzen oder aus öffentlichen Anlagen ein, parallel dazu werden Blumen gepflanzt.

Warum ist ein solcher Dreck-weg-Tag wichtig?

EBERLE Weil er offensichtlich etwas im Bewusstsein der Menschen verändert. Dass beispielsweise an den wieder gepflegten, entmüllten Stellen und in öffentlichen Pflanzenkästen Narzissen oder Stiefmütterchen gepflanzt werden, zeigt, wie interessiert Bürger an einem schönen Stadtbild sind.

Welche Nachhaltigkeit hat eine solche Saubermachaktion?

EBERLE Die Aktion ist in aller Munde. In Kindertageseinrichtungen und Schulen ist sie Anlass für besondere Projekte und sensibilisiert für das weite Spektrum um Müll, Müllvermeidung und die korrekte Entsorgung. Kinder lernen früh, selbst achtsam zu sein. Gerade die jungen Akteure, es machen insgesamt etwa 300 Kita-Kinder und Schüler mit, tragen das Thema in ihre Familien, was positive Auswirkungen hat. Jeder, der mitmacht, ist letztlich ein Multiplikator. Und wer ein Mal mit dem Spachtel Kaugummi vom Beton gekratzt hat, wie es die Sekundarschüler mal auf ihrem Schulhof machten, weiß wie viel Arbeit das ist und spuckt sicher nicht so schnell einfach ein Kaugummi in die Landschaft.

Reicht ein einziger Dreck-weg-Tag aus, um die Stadt sauber zu halten?

EBERLE Es ist wichtig, die Stadt täglich sauber zu halten. In der Verantwortung ist dabei jeder von uns. Zwei Aktionstage pro Jahr fände ich gut. Aber die Vorbereitung und Organisation ist für Abfallberatung in Zusammenarbeit mit dem Baubetriebshof zu intensiv. Deshalb gibt es nur einen.

Wie lässt sich Reklame für „Zero Waste“ als Lebensstil und Müllvermeidung machen?

EBERLE Den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und das Ökosystem zu entlasten, ist bei allen Aspekten rund um Müll erstes Ziel, Nachhaltigkeit und Müllvermeidung sind das Ziel aller Gesetze. Ganz oben steht bei meiner Arbeit als Abfallberaterin die Abfallvermeidung, dann kommt Recycling und erst dann Müllverbrennung. Im aktuellen Abfallkalender gibt es viele Tipps zum Thema. So versuche ich, 13.000 Wülfrather Haushalte zu erreichen. Es gibt Informationen zu Aspekten zur Vermeidung von Plastikmüll oder den Zusammenhang zwischen Essen, Umwelt und Klimafreundlichkeit, Checklisten und Apps sowie Verweise auf Internet-Seiten. Das ist alles guter Lesestoff.

Wer kann am Aktionstag, Samstag, 14. März, mitmachen?

EBERLE Jeder, der mag, egal ob jung oder alt, Single oder mit Freunden, mit der Familie oder Arbeitskollegen. Schön wäre es, brächten sich die Politiker vor Ort mit ein, auch Institutionen, Umweltverbände und Vereine sind eingeladen. Sogar unsere Jogger könnten ihren Lauf zum Müllsammeln nutzen. Gut wäre es, wenn mehr Firmen und Betriebe dabei wären.

Was ist 2020 neu?

Kita-Kinder mit Eltern als Helfer bei einem Dreck-weg-Tag. Foto: Janicki, Dietrich (jd-)

EBERLE Alle bekommen Kappen, um erkennbar zu sein, alle tragen Warnwesten für die Sichtbarkeit. Schäufelchen bekommen die Pflanzer, und wer mag, bekommt Besen, um Treppen reinigen zu können. Auch neu dabei sind diesmal die Straßenschilderputzer. Sie statten wir mit Wassereimern, Lappen und Teleskopstangen aus. Und wer weitere Ideen hat: Herzlich willkommen.