Aktion in Wülfrather Seniorenheim Mit der VR-Brille zu den Elefanten

Wülfrath · Eine Reise der ganz anderen Art erlebten die Bewohner der Senioreneinrichtung Haus August von der Twer. Per VR-Technologie ging es nach Afrika, zu den Azoren oder nach New York.

 Rita Kerper, Bewohnerin des Seniorenheims August von der Twer, probiert die VR Brille aus mit Unterstützung von Marcel Scharf.

Rita Kerper, Bewohnerin des Seniorenheims August von der Twer, probiert die VR Brille aus mit Unterstützung von Marcel Scharf.

Foto: Achim Blazy (abz)

Der Raum ist abgedunkelt, auf einer Leinwand ist das Bild einer weiten Savanne zu sehen. Und in der Savanne steht ein mächtiger Afrikanischer Elefant mit großen Ohren, die im Wind wehen. Doch es ist kein statisches Bild, ganz im Gegenteil. Es bewegt sich. Ein Blick nach links, dann schweift die Sicht nach rechts und wieder zum Elefanten zurück. Schließlich setzt sich der Elefant in Bewegung und kommt geradewegs auf das Publikum zu. Das Publikum besteht aus Bewohnern der Senioreneinrichtung Haus August von der Twer, die alle auf Stühlen oder Rollstühlen sitzen und gebannt verfolgen, was auf der Leinwand geschieht.

Nur eine Dame schaut nicht direkt auf die Leinwand, sondern hat eine VR-Brille auf. Sie ist es, die das an der Leinwand gezeigte Video ganz hautnah erleben kann. Ein „Ahh“ und „Ohh“ ist von der begeisterten Frau zu hören. Vor allem, als der Elefant ganz dicht herankommt, freut sie sich. „Ich habe sowas selbst erlebt“, erzählt sie. „Im Dortmunder Zoo. Da ist einer ganz nah zu mir gekommen. Ich habe ihn gestreichelt und er wollte gar nicht mehr weggehen.“

Die begeisterte VR-Brillen-Nutzerin ist Rita Kerper. Sie ist die Erste, die sich getraut hat, das etwas futuristisch anmutende Gerät aufzuziehen. Mitgebracht haben diese VR-Brillen – Abkürzung für Virtual-Reality-Brillen – die Mitarbeiter von Fördiko aus Münster. Fördiko steht für „Förderung digitaler Kompetenzen“. Und so bietet Fördiko nicht nur VR-Brillen-Workshops an, sondern auch Schulungen in Sachen digitale Medien. „Für Senioren und für Menschen mit Behinderung“, sagt Marcel Scharf, Mitgründer von Fördiko. Denn, das sagt auch Antje Holitschke vom Sozialen Dienst: „Die digitalen Medien halten auch Einzug in die Senioreneinrichtungen.“

Die VR-Brillen dagegen sollen aber einen anderen Zweck erfüllen. „Hier geht es nicht darum, etwas zu lernen, sondern darum, Spaß zu haben“, erklärt Marcel Scharf. Mit diesen Brillen können die Senioren nämlich an Orte reisen, mit denen sie entweder schöne Erinnerungen verbinden oder zu welchen sie schon immer mal reisen wollten. „Das ist vor allem für Leute, die nicht mehr so reisen können, eine schöne Möglichkeit“, sagt Marcel Scharf. Die VR-Brillen stellt Fördiko deshalb zuerst im Haus von der Twer und danach in der Einrichtung Luise von der Heyden vor.

Finanziert wurden diese Gruppenangebote durch den Förderverein der beiden Häuser und die Bereitstellung von Kollektenmitteln des Diakonischen Werks Rheinland Westfalen Lippe. Fördiko hat verschiedene Videos mitgebracht. Wolfgang Telm reist mit der Brille zu den Azoren. „Ich sehe einen Höhenzug, Berge und Schnee, Schnee, Schnee“, erzählt er. Luise Ennulat darf sich mit der VR-Brille nach New York versetzen lassen. „Das ist mir zu voll hier“, meint sie. „Das ist eine Geschäftsstraße.“ Die VR-Brillen kommen in jedem Fall gut bei den Bewohnern an.

Der Soziale Dienst würde sich eine eigene VR-Brille für das Haus August von der Twer wünschen. „Dann könnten wir Spaziergänge machen, vom Stuhl aus“, sagt Antje Holitschke, „noch einmal durch den Wald streifen.“ Zwischen 400 und 500 Euro kostet eine VR-Brille mit Ausrüstung. Fördiko würde nicht nur bei der Einrichtung helfen und Schulungen anbieten, sondern gemeinsam mit den Sozialen Diensten der von der Diakonie geführten Häuser auch Videos von Wunschorten herstellen, sodass die Bewohner noch einmal ihr Elternhaus, eine bestimmte Straße oder einen anderen Wunschort mittels VR-Brille besuchen können. „Es gibt aber auch eine Palette an Videos, die kostenfrei sind“, sagt Marcel Scharf. Und mit diesen lässt sich wunderbar und bequem verreisen. Einzige Voraussetzung ist eine funktionierende Internetverbindung.

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