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Wülfrath: 65-Jähriger soll seine Frau mit Kissen erstickt haben

Vor Gericht : Angeklagter im Totschlag-Prozess belastet sich selbst

Ein inzwischen 65-jähriger Wülfrather steht als mutmaßlicher Kopfkissenmörder vor Gericht. Er soll seine Frau getötet haben. Der Angeklagte selbst bestreitet, seine Frau in den Weihnachtstagen 2015 erstickt zu haben. Er habe sie morgens auf der Couch liegend gefunden, sie sei nicht ansprechbar gewesen. Warum er erst zwei Stunden später den Notarzt alarmiert hatte? Auch das ist bislang eine ungeklärte Frage. Am 14. Juli soll das Urteil verkündet werden.

WÜLFRATH/WUPPERTAL Manchmal sind es die vermeintlichen „Kleinigkeiten“, die in einem Prozess für eine Wendung sorgen können. Im Falle des Wülfrathers, dem die Anklage vorwirft, am zweiten Weihnachtstag 2015 seine Frau umgebracht zu haben, könnte ein Sonderangebot eines Supermarktes das entscheidende Indiz sein. Eine Decke, Kaufpreis 19,90 Euro: Die will der 65-Jährige kurz vor der Tat beim Discounter erworben haben.

Das allein ist nichts Verwerfliches – wäre da nicht die Tatsache, dass der Angeklagte den Ermittlern nur wenige Tage nach dem Tod seiner Frau, und dazu auch noch ungefragt, davon erzählt hatte. Das man später Faserspuren in der Luftröhre des Opfers finden würde, hatte er damals noch nicht wissen können. Der Rechtsmediziner hatte die Ehefrau des Angeklagten erst nach dessen polizeilicher Vernehmung untersucht und dabei Einblutungen der Mundschleimhaut und ein beidseitiges Lungenödem festgestellt.

Möglicherweise lag der Erstickungstod nahe – der Gutachter schöpfte jedenfalls Verdacht und empfahl mit Blick auf mögliche Fasern eine Untersuchung der Luftröhre. Das Problem der Anklage: Die Todesursache konnte nicht eindeutig festgestellt werden. Hinzu kam noch, dass die in der Luftröhre festgestellten Fasern nicht eindeutig einem „Tatwerkzeug“ zugeordnet werden konnten. Zum Tatort geeilte Polizeibeamte hatten später im Zeugenstand ausgesagt, ein Kissen neben dem Kopf des Opfers gesehen zu haben.

Und offenbar hatte es auf der Couch, auf der der Angeklagte seine Frau tot aufgefunden haben will, auch noch besagte Decke gegeben. Aber warum weist der 65-Jährige die Beamten ungefragt darauf hin, dass die Decke neu, ungewaschen und daher noch voller Fasern gewesen sein könne? Bislang konnte diese Frage nicht geklärt werden - was den Angeklagten eher belastet, als das es ihn entlaste würde.

Das Alkohol sowohl dem Angeklagten als auch dem Opfer am Abend vor dessen vermeintlichen Erstickungstod die Sinne vernebelt haben könnte, ist mittlerweile unbestritten. Der 65-Jährige hatte über Jahre hinweg ein eklatantes Alkoholproblem, wobei er anfangs noch versucht hatte, es dem Gericht gegenüber herunterzuspielen. Ein bis zwei Senfgläser Bier, mehr sei da nicht gewesen – so hatte es der Mann dem Richter erzählt. Der allerdings hatte längst in der Akte gelesen, dass der Angeklagte vor Jahren einer Zivilstreife eher zufällig mit mehr als 3 Promille „in die Arme“ gefahren war. Eine vom Gericht hinzugezogene Gutachterin schloss dennoch eine mögliche Schuldunfähigkeit zum vermeintlichenTatzeitpunkt aus.

Auch die Stieftochter des Angeklagten hatte von Alkoholexzessen berichtet und auch davon, dass die Eltern zwar häufig gestritten, sich jedoch schnell wieder vertragen hätten. Dazu würde auch passen, dass es 2006 und 2007 zwei Näherungsverbote gegen den Angeklagten nach dem Gewaltschutzgesetz gegeben haben soll. Seine Frau allerdings soll ihn jeweils am nächsten Tag in die gemeinsame Eigentumswohnung in der Nordstraße zurückgeholt haben. Nachbarn gegenüber soll sie gesagt haben, dass sie Angst vor ihrem Mann habe. Auch die Streitereien der Eheleute sollen unüberhörbar und im Haus bekannt gewesen sein. Am 14. Juli soll das Urteil verkündet werden.