Justiz in Wülfrath Wülfrather ist wegen Missbrauchs angeklagt

WÜLFRATH/WUPPERTAL · Der 47-jährige Wülfrather hatte mehrere Mädchen im Alter von 11-13 Jahren im Netz sexuell missbraucht. Er hatte in sozialen Medien vorgetäuscht, etwa gleichaltrig zu sein.

 Das Internet nutze der Angeklagte dazu, seine weiblichen Opfer zwischen 11 und 13 Jahren schwer sexuell zu missbrauchen.                  Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das Internet nutze der Angeklagte dazu, seine weiblichen Opfer zwischen 11 und 13 Jahren schwer sexuell zu missbrauchen.                 Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Für Eltern ist ein solches Szenario der Albtraum: Ihre Kinder sind in den sozialen Netzwerken unterwegs und dort geraten sie an Leute, die es nicht gut mit ihnen meinen. Dazu gehört auch ein Wülfrather, der sich nun wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht verantworten muss. Der Angeklagte hatte die Taten gestanden und sich bei den Opfern entschuldigt. Er sei damals davon ausgegangen, dass alles einvernehmlich gewesen sei. Erst in der JVA sei ihm bewusst geworden, dass es eine „Begegnung auf Augenhöhe“ mit Kindern nicht geben könne. Das sein Tun strafbar sei, habe er hingegen gewusst.

Im Gerichtssaal saß ein schüchterner Mann mit kleinlauter Stimme, der noch immer bei seiner Mutter wohnt. Als Prozessbeobachter bekam man eine Ahnung davon, warum sich der 47-Jährige dem Kontakt zu gleichaltrigen Frauen möglicherweise nicht gewachsen sieht. Stattdessen ließ er vier Mädchen zwischen 11 und 13 Jahren glauben, dass er nicht viel älter sei als sie selbst. Inmitten der Anonymität der sozialen Netzwerke und Messanger-Dienste ist so etwas augenscheinlich problemlos möglich. Und das eben auch hinter dem Rücken von Eltern, die nicht ständig schauen können und wollen, wo ihre Kinder den Tag über im Internet unterwegs sind.

Auch die Opfer selbst scheinen keinen Verdacht geschöpft zu haben. Das wiederum hatte der Angeklagte ausgenutzt und sich auf scheinbar „unverdächtigen“ Plattformen wie WhatsApp und Facebook mit den Mädchen ausgetauscht. Gelockt hatte er sie unter anderem auch mit anfangs unverfänglichen Kommentaren unter den ebenso harmlosen Posts anderer Leute. Irgendwann soll der Wülfrather dann direkten Kontakt zu den Opfern aufgenommen haben. Mittels sexualisierter Sprache soll er die Mädchen dazu gebracht haben, es ihm gleichzutun und auch sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Es folgte die Aufforderung, Fotos und Videos davon zu machen und sie dem Angeklagten zukommen zu lassen. Das taten die Mädchen dann auch, in ihrem Chatverlauf fanden sie daraufhin pornografische Aufnahmen des 47-Jährigen. Der animierte sie auch dazu, sich Sexspielzeug zuzulegen. Eines der Mädchen soll sogar eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet haben, um dem Angeklagten den Kontakt zu einer gleichaltrigen Freundin zu ermöglichen.

Abgründe taten sich auch dort auf, wo es um die Beweggründe des Mannes ging, der den Mädchen schrieb, dass er sie lieben würde und dass er sich für ihren Partner halten würde. Einmal hatte er sogar darüber geklagt, dass eine 13-Jährige damit aufgehört habe, ihm Sex-Chats zu schreiben. Einen Teil seiner Einlassung hatte der Wülfrather von seinem Anwalt verlesen lassen, für weite Teile seiner Vernehmung wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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