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Willkommen im Niederbergischen Museum in Wülfrath

Wülfrath : Bergische Seele

Das Niederbergische Museum in Wülfrath ist ein Heimatmuseum, denn es gestattet einen tiefen Blick.

Es hat großen Charme, das Niederbergische Museum. Er ist überall dort zu entdecken, wo die Ausstellung das Alltagsleben vergangener Generationen nachzeichnet. Über die Geschichte der Groß- und Urgroßeltern zeigt es den Weg zu dem, was wir als Heimat empfinden. Nach einem eher schlichten Entree folgt die ganze Pracht der alten Zeit im zweiten Raum. Liebevoll ausgestattete Kücheneinrichtungen und Esszimmersäle versetzen den Betrachter ins Staunen. Kannen und Kessel aus Messing und Zinn, erdfarbene Keramik und blau-weiße Tischwäsche laden zum Sichdazusetzen ein. Wer hat sie nicht im Kopf, die Bilder der eigenen Großmutter, die ihren Herd noch mit Holz befeuerte und die Rindfleischsuppe in einem dampfenden Topf auf den Tisch stellte? So wie bei ihr wird’s nie wieder schmecken. Seelenessen. Auch das ist Heimat.

In der Küche sind übrigens auch jene Gerätschaften zu bewundern, die den Volksmund zur Aufforderung „Jetzt leg’ mal einen Zacken zu“ inspirierten: Haken, die aussehen wie Sägeblätter. Einst hingen an ihnen Töpfe über dem offenen Feuer. Wählte der Koch einen „Zacken“, der den Topf näher an die Glut brachte, wurde das Essen schneller fertig. Zackzack.

Eine Dröppelmina. Nur ein ,n’ ist kein Schreibfehler! Foto: Alexandra Rüttgen/Alexanra Rüttgen

Natürlich darf in der Ausstellung die Dröppelmina in verschiedenen Größen und Formen nicht fehlen. Die birnenförmige Kaffeekanne ist das Wahrzeichen des Bergischen Landes, und daher wird sie hier auch nur mit einem ,n’ geschrieben, so wie es mundartlich geprägt und im Bergischen Land gebräuchlich ist. Wer Dröppelmina mit zwei ,n’ schreibt, kann kaum deutlicher zeigen, dass er nur ein „Zugeluopener“ ist. Auch wenn das Museum beide Schreibweisen bemüht. Was hier augenzwinkernd erwähnt sein soll.

Zu bestaunen ist auch Kleidung aus der Biedermeier-Zeit. Mit ihr ist schon manche Frau unter die Haube gekommen. Foto: Alexandra Rüttgen

Eine bis anderthalb Stunden sollten Besucher einplanen, um sich die detailreiche Dauerausstellung anzusehen. Sie zeugt vom harten, entbehrungsreichen Leben im Niederbergischen Land, das von der Landwirtschaft und dem für Wülfrath so wichtigen Kalkabbau geprägt war. Das Museum, getragen von einem rührigen Förderverein, hat jedoch noch mehr zu bieten: In seinen Prachträumen hat es Platz für außergewöhnliche standesamtliche Trauungen (Kontakt: 02058 180, standesamt@stadt.wuelfrath.net) und für wechselnde Sonderausstellungen. Außerdem können Interessierte eine original Bergische Kaffeetafel buchen, bei der die Dröppelmina natürlich die Hauptrolle spielt: Aus dem ewig tropfenden – „dröppelnden“ – Hahn wird der Kaffee gezapft.

Nun leg’ mal einen Zacken zu: Küchengerätschaften. Foto: Alexandra Rüttgen

Die Bestandteile der Kaffeetafel können die Gäste vorab absprechen. Für die Standardversion zahlt der Erwachsene 15 Euro, Kinder bis sechs Jahre können gratis mit futtern, Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 16 Jahre zahlen 10 Euro. Die Kaffeetafel ist buchbar für die – wie es sich gehört – Nachmittagsstunden von 14.30 bis 16.30 Uhr und für Gruppen bis zu 55 Personen. Kontakt unter 02058 7826690, E-Mail: niederbergischesmuseum@gmx.de. Auch ein Kinderprogramm gibt es: Geburtstagsfeiern für Fünf- bis Elfjährige mit Waffeln, Getränken und Kreativangebot sowie Märchen- oder Taschenlampenführungen. Preise: ab 25 Euro. Und wer auch noch eine Geldspende in die Kiste am Ausgang wirft, unterstützt den Förderverein, der das Museum erhält.

Das Niederbergische Museum sollte eigentlich gemeinsam mit den Großeltern besucht werden, die den Enkeln viel erzählen könnten. Es gibt Antworten, zeichnet Traditionen nach und macht bergische Identität verständlich. Ein jeder kann es mit dem Selbstbewusstsein verlassen, dass „das Bergische“ mehr ist als nur das Vorzimmer zum Ruhrgebiet: Es hat seinen ganz eigenen Charme. So wie das Museum.