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Wiedergutmachung in Wülfrath: Sandkästen sanieren statt Strafe absitzen

Wiedergutmachung in Wülfrath : Sandkästen sanieren statt Strafe absitzen

Der auch in Wülfrath aktive Verein „Neue Wege“ arbeitet mit jungen Straffälligen, die zu einer Art Wiedergutmachung in Form von Beteiligung an sozialen Projekten verpflichtet worden sind. Davon profitierte jetzt das Familienzentrum.

Seit 14 Jahren besteht der „Verein – Neue Wege“, dessen Ziel es ist, straffällig gewordenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen dabei zu helfen, wieder in die richtige Spur zu kommen. Dem gemeinnützigen Verein, der sich durch Spenden und Mitgliedschaften finanziert, haben sich die Städte Mettmann, Wülfrath, Haan, Erkrath und Heiligenhaus angeschlossen.

Er ist aus der Jugendhilfe im Strafverfahren hervorgegangen und die jungen Leute, die vom Amtsgericht anstelle einer Strafe zu einer Art Wiedergutmachung in Form von Beteiligung an sozialen Projekten verpflichtet worden sind, können  die ihnen auferlegten Stunden bei vielfältigen  Vorhaben abarbeiten. So hatten sich Sarah und Ali entschlossen, bei einem Projekt der Stadt Wülfrath mitzuhelfen

In vier Tagen sollten sie gemeinsam mit anderen die Sandkisten der städtischen Kitas an der Wilhelmstraße und in der Ellenbeek säubern. Der Sand musste ausgetauscht werden, Tonnen von Sand mussten aus den Sandkästen geschippt und in einen Container verladen werden – Knochenarbeit. Aber alle Beteiligten hatten das große Glück, André Duschke, Sozialarbeiter beim Jugendamt Wülfrath, zu begegnen, der sich mit großem Engagement der Aufgabe widmet, die jungen Menschen auf dem Weg in eine konfliktfreie Zukunft zu begleiten.

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Bei ihm steht das Miteinander, das Freude und Spaß machen soll, im Vordergrund. Wertschätzender Umgang gepaart mit einer großen Portion Vertrauensvorschuss sollen helfen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die jungen Menschen wohlfühlen und sich dadurch Zutrauen entwickeln kann. Sarah ist zu 60 Stunden Arbeit in sozialen Einrichtungen verpflichtet worden. Sie hat die Schule abgebrochen, weil sie ihrer ersten Liebe vertraute – ein Weg, der sie vom rechten Pfad abkommen ließ. Sie weiß noch nicht genau, wie ihre Zukunft aussieht, aber sie denkt darüber nach, das Fachabitur nachzuholen und sich vielleicht, wie ihr Mentor Duschke,  der Sozialarbeit zuzuwenden.

Die Situation bei Ali ist grundlegend anders. Er will Informatik studieren, muss aber erst an einem Berufskolleg in Essen das Abitur machen, da seines aus dem Iran nicht anerkannt wird. Der Iran ist kein Kriegsgebiet, also genießt Ali auch nicht den Status von Flüchtlingen. Er hatte das Pech, dass ihm jemand auf dem Weg in die Freiheit einen gefälschten Pass besorgt hatte, ist damit aufgefallen und vor Gericht gelandet. Eine verständnisvolle Richterin am Amtsgericht Mettmann hat ihn freigesprochen,  denn das Verlassen der Heimat in Schiras war religiös begründet.

Die Familie hatte sich vom Koran abgewandt und ist zum christlichen Glauben übergetreten. Ein Vergehen, das die Mullahs nicht dulden. Und dennoch hilft Ali freiwillig bei dem schweißtreibenden Projekt der Sandkistensäuberung mit. Er ist froh, in einer Gemeinschaft zu sein und mit Hilfe von André Duschke will er auch die Klippen der theoretischen Führerscheinprüfung überwinden.

Darüber hinaus engagiert er sich in der Kirche und wird seine Deutschkenntnisse weiter verbessern, um sein Ziel, Informatik zu studieren zu erreichen.