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Wülfrath: Vorlesestunde im Museum kommt gut an

Wülfrath : Vorlesestunde im Museum kommt gut an

Über 70 Gäste wollten die historischen Geschichten hören, die Heiko Beneke in monatelanger Arbeit herausgesucht hatte. Einigen war ein alter Musiklehrer, der für seine drastischen Strafen bekannt war, noch ein Begriff.

Mit einer bunten Palette aus Historischem und Persönlichem hat das Niederbergische Museum am Samstag die eigene Stadtgeschichte in einem Vorlesenachmittag Revue passieren lassen.

Zu der Veranstaltung waren neben Alt-Wülfrathern auch alle Neubürger in das Kaminzimmer des Museums eingeladen, um in gemütlicher Runde Geschichten aus der "guten alten Zeit" zu lauschen. Der Einfall für eine Lesung über die eigene Geschichte kam Ulrich Erbach, stellvertretender Leiter des Trägervereins, bereits im Februar.

Auf der Suche nach einem geeigneten Vorleser wandte sich Erbach mit seinem Vorschlag an den Vorlesepaten der Wülfrather Medienwelt Heiko Beneke. Der gebürtige Wülfrather war sofort begeistert: "Die Idee hat mich direkt gepackt. Besonders weil ich selber, genauso wie viele der Besucher, ein Teil dieser Geschichte bin." In den folgenden Monaten verbrachte Beneke unzählige Stunden damit, das Wülfrather Stadtbuch nach den interessantesten Anekdoten zu durchforsten.

Ergänzt durch persönliche Erlebnisse, hat er seine Auswahl jetzt einem großen Publikum präsentieren können. Angefangen mit einem kurzen Abriss der Wülfrather Geschichte seit dem Mittelalter, kam Beneke schnell in die Zeit, die auch vielen Zuhörern noch in lebhafter Erinnerung geblieben ist.

So zum Beispiel die Geschichte um den Musiklehrer Leopold Frint, bei dem mancher Anwesender noch die Schulbank drückte, und der nicht zuletzt, wie Beneke aus eigener Erfahrung zu erzählen weiß, wegen seiner ungewöhnlichen Strafen unvergessen bleibt.

Neben den 1950er und 1960er-Jahren haben es Beneke aber vor allem die "Stammtisch-Zeiten" in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg angetan. So liest er etwa über die 1910 eröffnete Badeanstalt, die viele Wülfrather, mangels eigenen Badezimmers, mehr zur Körperhygiene als zum Schwimmen besuchten. Natürlich durfte zu einem solchen Anlass auch der niederbergische Dichter Carl Schmachtenberg nicht unerwähnt bleiben.

Auf eine Pause mit Kaffee und Waffeln, in der sich die Besucher lebhaft über ihre eigenen Erlebnisse austauschten, folgte der zweite Programm-Höhepunkt des Tages: Paul-Hugo Kämmer rezitierte, in Wülfrather Platt versteht sich, die bekanntesten Gedichte des 1933 gestorbenen Heimatdichters. Kämmer gehört damit zu den wenigen die die Wülfrather Mundart noch fließend beherrschen. "Zwar habe auch ich Wülfrather Platt anfangs noch in der Schule gelernt", erinnert sich Heiko Beneke, "so gut wie Paul spricht es aber heute kaum einer mehr." Zum Abschluss der Veranstaltung verloste das Niederbergische Museum dann noch 25 Exemplare des Wülfrather Stadtbuches an die Besucher. Für die Organisatoren ist die Veranstaltung schon jetzt ein voller Erfolg: Hatten sie zu Beginn mit etwa zwanzig Besuchern gerechnet, waren es jetzt über siebzig. "Deshalb werden wir die Veranstaltung auch im Frühjahr wiederholen", versprechen sie.

(lad)