Wülfrath/Velbert Vom Pfannkuchen zum Hummersüppchen

Wülfrath/Velbert · Haus Stemberg in Velbert-Neviges wird 150 Jahre alt - und feiert mit 15 Sternköchen. Start war in einer Schmiede.

Zwei Generationen in einer Küche: Walter Stemberg und sein Sohn Sascha. Regionale Produkte stehen im Vordergrund.

Zwei Generationen in einer Küche: Walter Stemberg und sein Sohn Sascha. Regionale Produkte stehen im Vordergrund.

Foto: D. Janicki

Erdbeermausespeck beim Sternekoch - kann das denn sein? - Kann es, wenn die süße Köstlichkeit unter den geschickten Händen von Küchenchef Sascha Stemberg zustande gekommen ist. Dann wird so etwas Profanes wie Mausespeck zur ungewöhnlichen Delikatesse, die ohne weiteres zu einem festlichen Anlass wie dem 150-jährigen Bestehen eines Traditionslokals passt. Die Stembergs führen es in der fünften Generation mit größtem Erfolg in Velbert-Neviges. Was Vater und Sohn da mit ihrem jungen Team an kreativen Ideen für ihre Sterneküche entwickeln, macht immer wieder sprachlos vor Staunen. Und dass die Stembergs dabei noch vorwiegend auf regionale Bezugsquellen setzen, "macht den besonderen Charme dieser Küche aus", sagte auch Henning Graf von Schwerin, Vizepräsident der DEHOGA Nordrhein, gestern beim Empfang zum Jubiläum.

Drei Tage will das hochdekorierte Familienunternehmen nun am 5., 6. und 7. September mit 15 Sterneköchen aus Deutschland und der Schweiz mit seinen Gästen feiern. Das versteht es sich von selbst, dass Peter Nöthel (ehemaliges Hummerstübchen), immerhin einer der Lehrer von Sohn Sascha, seinen Kollegen und Freund unterstützt. "Wir bauen ein großes Zelt auf mit einer mobilen Edelstahl-Küche, wo wir die Speisen live vorbereiten", sagte Walter Stemberg. Besonders stolz sei er auch, dass Chedi Andermatt aus der Schweiz und dem teuersten Hotel Europas am Event in Neviges teilnimmt. Andermatt bekam als erster Küchenchef iranischer Herkunft einen Michelinstern. Auch Fernsehkoch Nelson Müller steht unter anderen mit am Herd. Kurz nach Bekanntwerden des "Food-Wine-Festivals" waren die hochpreisigen Karten schon ausverkauft. Das wundert nicht, bei dieser Fülle von Auszeichnungen, die die Stembergs immer wieder einheimsen: Michelin-Stern, 16 Gault Millau-Punkte, Sascha Stemberg: Mitglied bei den Jeunes Restaurateurs d'Europe, Europas junge Spitzenköche, American Express: Service- Oase in Gold, 2010, und und und. Hauptgeschäftsführer Udo Siepmann, der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf (IHK), hob hervor, dass es maximal zwei Hände voll Unternehmen in diesem Alter in der Region gebe.

Die Wurzeln zum heutigen Gourmettempel wurden 1864 gelegt, als das Haus Stemberg noch eine Schmiede mit Gastwirtschaft war. Begonnen hatte der Aufstieg auf der lukullischen Leiter einst mit Pfannkuchen aus zwölf Eiern mit Butter, Kräutern und fein gehacktem Schinken. Gebacken wurden sie in einer selbst geschmiedeten Hufeisenform. Mohrrübenstücke ragten wie Hufnägel aus dem fertigen Pfannkuchen. Heute, in der vierten Generation, hat das Haus an der Kuhlendahler Straße immer noch etwas von der Atmosphäre von damals in sich - wie den alten Kamin, beispielsweise. Selbst die Speisekarte liest sich nostalgisch: Stemmi's Wildleberwurststulle mit Aprikose, Tatar vom Königsmatjes mit Apfel und Zwiebel, gebackene Blutwurst mit Apfelsenf oder Zwetschgen aus dem eigenen Garten mit Kaffee-Eis und Mandelsand oder Waldbeersüppchen mit Rieslingsekt und Joghurt. Auch der Weißburgunder ist eine Stemberg-Selektion, die zum Jubiläum kredenzt wird.

(RP)