Überfall-Serie in Wülfrath und Erkrath - Gericht verhängt langjährige Haftstrafen

WÜLFRATH : Überfall-Serie - Gericht verhängt langjährige Haftstrafen

Bis zu 14 Jahre müssen die Männer ins Gefängnis, die mehrere Geldtransporter überfallen haben. Zwei davon kommen in anschließende Sicherungsverwahrung.

Im Prozess gegen sieben Angeklagte, die über 20 Jahre hinweg bei diversen Überfällen auf Geldtransporter mehr als fünf Millionen Euro erbeutet haben sollen, wurde am Montag nach 45 Verhandlungstagen am Landgericht Hagen das Urteil verkündet. Die Kammer verhängte Freiheitsstrafen von zwei Jahren bis hin zu 14 Jahren, gegen zwei der Hauptangeklagten mit anschließender Sicherungsverwahrung. Einer der Angeklagten bekam eine Bewährungsstrafe, ein weiterer hat seine Strafe aufgrund der langen Verfahrensdauer bereits in der Untersuchungshaft abgesessen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich die Angeklagten des gemeinschaftlichen schweren Raubes in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung und dem Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetzes schuldig gemacht haben. Beteiligt waren in wechselnder Besetzung insgesamt sieben Männer aus Hilden, Haan, Remscheid, Solingen, Wuppertal und Bochum.

Begonnen hatte die Überfall-Serie am 21. Juni 1997 in Langenfeld auf dem Hinterhof eines Supermarktes. Die Fahrer des Geldtransporters wurden mit Maschinengewehren und einer Panzerfaust-Attrappe bedroht und aufgefordert, sich vor dem Auto auf den Boden zu legen. Mit 1,2 Millionen D-Mark brausten die Räuber davon. Nach Verlesung der Anklageschrift im vergangenen Sommer war klar: Eigentlich hätte der erste Raub in Langenfeld zugleich der letzte sein sollen. Dann war das Geld schnell weg und es folgten weitere Überfälle, bei denen es auch Verletzte und psychisch schwer traumatisierte Opfer gegeben hatte. Erst zwei Jahrzehnte später und kurz vor der letzten geplanten Tat hatte es einen Fahndungserfolg gegeben, die Täter waren durch ein Sondereinsatzkommando (SEK) überwältigt worden.

Beliebtes Ziel der Täter: Sparkassenfilialen wie die in Wülfrath, wo 135.000 Euro erbeutet wurden. Dort passte man nach bewährtem Muster die Ankunft der Geldtransporter ab. Nachdem der Beifahrer mit dem Geldkoffer in der Hand ausgestiegen war, wurde er von den Tätern mit Kalaschnikows bedroht und dazu gezwungen, das Fahrzeug zu öffnen. Ein Taxi diente als Fluchtfahrzeug, der Wagen wurde später verbrannt.

In Erkrath stoppte man die Kuriere mitten auf der Falkenstraße. Nachdem der Fahrer den Alarm ausgelöst hatte, gingen im Auto die Notfallsirene und die Lichthupe an. Die Täter gaben Warnschüsse in die Luft ab und bedrohten den Fahrer und seinen Begleiter mit dem Tode. Beide Opfer leiden noch immer unter den psychischen Folgen der Tat. Trotz massiver Bedrohungsszenarien und des Versuches, sie gewaltsam zu öffnen, blieb die Tür zum Innenraum des Transporters fest verschlossen und die Täter flohen mit nur 4200 Euro.

Ausgerüstet waren die Täter bei allen Überfällen mit Maschinengewehren und einer Panzerfaust – dass es sich bei letzterer um eine Attrappe gehandelt haben soll, konnten die damit bedrohten Fahrer nicht wissen. Erst schossen die Täter in die Luft, teilweise auch in die Reifen, in den Motorblock, durch die Frontscheibe oder in die Seitenscheiben der Geldtransporter. Teilweise verfehlten die Geschosse die Mitarbeiter der Transportfirmen nur knapp. Es gab Verletzte und erst zwei Jahrzehnte nach dem ersten Überfall hatte es im Herbst 2017 einen Fahndungserfolg gegeben. Die Angeklagten wurden kurz vor einem weiteren, geplanten Überfall durch ein Sondereinsatzkommando (SEK) überwältigt, in Haan und Wuppertal waren in Garagen zwei Waffenlager entdeckt worden.

Mehr von RP ONLINE