Städte brauchen Hinweise auf Müllsünder

Kreis Mettmann kämpft gegen den Unrat : Städte brauchen Hinweise auf Müllsünder

Die NRW-Umweltministerin will die Bußgelder erhöhen. Das wird die Täter nicht abschrecken, glauben die Kommunen.

Den Mitarbeiter des städtischen Bauhofs in Wülfrath bietet sich zurzeit regelmäßig ein unappetitliches Bild: Schon frühmorgens liegen aufgerissene Säcke mit Obstresten, Fleischabfällen und anderem Unrat am Heumarkt. Um den Abfallsündern endlich auf die Spur zu kommen, veröffentlichte die Stadt Wülfrath daher in der vergangenen Woche einen Aufruf an alle Bürger: „Bitte helfen Sie mit einem wachsamen Auge mit. Wer sachdienliche Hinweise geben kann, sollte umgehend die Abfallberatung informieren. Nur so gelingt es uns, an die Verursacher heran zu kommen und Bußgeldverfahren einzuleiten“, schrieb die Sprecherin der Stadt Wülfrath, Franca Calvano, in einer Pressemitteilung.

Darauf gab es Resonanz: „Wir haben zwei Tipps erhalten. Einer ging heute (Mittwoch, 19. Juni) von einer Bürgerin ein. Mit ihr habe ich für Freitag einen Ortstermin vereinbart“, sagt Ulrike Elberle von der Abfallberatung. Auch sie betont, dass die Stadt dringend auf Hinweise von Anwohnern angewiesen sei, um Umweltsünder zu überführen.

Immer wieder müssen Kommunen illegal abgelegten Müll auf eigene Kosten entsorgen. „Im Frühjahr haben Unbekannte in der Düsselaue ein bis zwei Lkw-Ladungen Steinwolle im Schilf und in den Bach entsorgt“, berichtet Maria Steinmetz, Sprecherin der Stadt Erkrath. „Zum Glück war der Stoff nicht wassergefährdend, jedoch sehr aufwendig zu entfernen.“ Die Stadt Mettmann hatte in jüngster Vergangenheit gleich 25 Altreifen zu entsorgen. Und in Wülfrath stellt „die Vermüllung des Stadtbildes zurzeit das größte Problem dar“, berichtet Sprecherin Calvano. Das Stadtbild leide an achtlos, „teils auch mit Vorsatz weggeworfenem Abfall“.

Da scheint es ganz gut zu passen, dass NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) anregt, die Bußgelder für Umweltsünder spürbar zu erhöhen. Die Bandbreite der Sanktionsvorschläge reicht von 100 Euro für rechtswidrig weggeworfenen Alltagsmüll wie Einweg-Kaffeebecher oder Pappteller bis zu 50.000 Euro für vorsätzliche, gewerbsmäßige Ablagerung größerer Mengen umweltgefährdender Stoffe wie Altöl, Farben oder Bauschutt. Bindend ist der Bußgeld- und Verwarnkatalog allerdings nicht. Die Städte können selbst bestimmen, welche Strafen sie verhängen.

Dabei ist die Höhe der Strafe nicht wirklich das Problem: „Dass sich Müllsünder, insbesondere oberhalb des Bagatellbereiches von – erhöhten – Bußgeldern abschrecken lassen, ist aus unserer Sicht leider nicht besonders wahrscheinlich“, sagt Erkraths Sprecherin Maria Steinmetz. Denn nur selten kann ein Täter gestellt werden: „Im vergangenen Jahr hat unsere Abfallberaterin sieben Anhörungen durchgeführt. In keinem Fall konnte ein Bußgeld erhoben und eingefordert werden“, berichtet Steinmetz.

Daher sind die Kommunen auf Tipps angewiesen, denn für umfangreiche Kontrollen fehlen ihnen die Mitarbeiter: „Aufgrund der geringen personellen Ressourcen beim Ordnungsdienst lässt sich das gesamte Stadtgebiet nur unzureichend kontrollieren“, sagt der Sprecher der Stadt Mettmann, Thomas Lekies.

Und so bleibt den Kommunen nur, stichprobenartig zu prüfen und ansonsten auf Hinweise aus der Bürgerschaft zu warten. Ein Kampf gegen Windmühlenflügel: „Es gibt im Stadtgebiet einige Hotspots, an denen Ablagerungen häufiger vorkommen. Der Außendienst fährt an diesen Stellen verstärkt Streife. Doch nicht alle Orte sind gut einsehbar und die Täter haben viele Möglichkeiten“, sagt Lekies.

Erhärtet sich der Verdacht in Wülfrath, so will Abfallberaterin Ulrike Elberle mit dem Verursacher sprechen und ihn beraten, ob nicht vielleicht eine größere Mülltonne angebracht wäre.

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