Stadtrundgang: Wülfraths Mädchen wollen keine Angst mehr haben

Wülfrath : Mädchen wollen keine Angst mehr haben

Bei einem Stadtrundgang des Kinder- und Jugendhauses konnten Jugendliche zeigen, wo sie sich sicher und unsicher fühlen.

Andrea Schulte verteilt Sprühflaschen: rote, gelbe, grüne, blaue. „Es ist egal, welche Farbe ihr nutzt, wir wollen nur die Stellen auffällig kennzeichnen, die für euch von besonderer Bedeutung sind, also die, die euch Angst machen oder an denen ihr euch gut fühlt“, lässt die städtische Mitarbeiterin der Kinder- und Jugendförderung die drei jungen Mädchen wissen, die sich vor dem Eingang des Kinder- und Jugendhauses eingefunden haben.

Es ist kalt, windig und nass, das aber schreckt Sandy, Adina und Kim nicht davon ab, an dem Stadtrundgang teilzunehmen. „Ich habe schon mal richtig Angst gehabt, als mich ein Mann verfolgt hat“, erinnert sich Kim, während es als erstes Richtung Stadtpark geht, „ich bin dann in ein Geschäft geflüchtet, das war schrecklich.“ Die 14-jährige muss oft durch den Park nach Hause gehen, eine Stelle macht Ihr dort besonders Angst. „Hier am Stadtteich hoch Richtung Siedlung, da sieht man fast gar nix.“

Andrea Schulte nickt und schaut sich weitläufig um. „Tatsächlich, hier ist ja auch keine Beleuchtung“, stellt sie fest, aber Adina entdeckt dann doch eine Laterne, zugewuchert durch schwere Äste, das Licht defekt. „Das werden wir der Stadt weitergeben, das sollte ja kein Problem sein, sie wieder in Betrieb zu nehmen“, erklärt die Mitarbeiterin der Jugendförderung, „aber bitte kennzeichnet trotzdem diese Stelle bunt, das ist Kreidefarbe, die wäscht sich mit dem nächsten Regen wieder raus.“ Dann holt sie ihr Handy aus der Tasche. “Ich werde die einzelnen Stellen fotografieren und gemeinsam mit der Stadt nach Lösungen suchen.“

Es gehe um Partizipation bei dieser Aktion, erklärt Andrea Schulte, während die kleine Truppe weiter Richtung Heumarkt zieht, es sei wichtig, dass Kinder und Jugendliche ihre Stadt selbst aktiv mitgestalten. „Erwachsene haben vielleicht ein anderes Angstempfinden, daher ist es ganz wichtig, dass wir  junge Menschen in Entscheidungen mit einbinden.“ Es nieselt, als die Mädchen im Fußgängerzonenbereich lachende Smilies auf den Asphalt sprühen, einige Passanten schauen irritiert, Geschäftsinhaber beobachten durch die Schaufensterscheiben, aber niemand stellt Fragen. „Hier fühle ich mich sicher“, erklärt Sandy, „wir sitzen oft hier, man ist nicht alleine, es ist hell, also hier sind wir gerne.“

Schnell kristallisiert sich heraus: der Spielplatz in den Banden und der Aufgang zum Schwimmbad gehören zu den Schwerpunktorten, die die Mädchen als extrem angsteinflößend empfinden. „Vor den Jugendgruppen fürchte ich mich total“, sagt Adina. Die anderen beiden nicken. Andrea Schulte notiert alles ganz genau. „Wir werde die Ergebnisse auswerten und schauen, was wir wo machen können. Es sind schon mal gute Ansatzpunkte, die wir sammeln konnten. Wir werden zeitnah eine ähnliche Aktion für Jungen anbieten. Ich bin jetzt schon gespannt, was dabei rauskommt.“

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