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Wülfrath: Stadt will gestalten - trotz Geldnot

Wülfrath : Stadt will gestalten - trotz Geldnot

Beim Wülfrath-Empfang im Paul-Ludowigs-Haus richtete sich der Blick nach vorn. Dank an Ehrenamtler: "Die vielen stillen Helfer sind das Herz unserer Gesellschaft."

Young Voices, Rockmusiker der WüRG und Musikfreunde mit flotten Tönen, ein illuminiertes Paul-Ludowigs-Haus und vor allem viele, viele Gespräche "unter Freunden", wie es die Gäste aus den Partnerstädten Ware und Bondues empfinden - der Stadtempfang ist ein gesellschaftliches Ereignis. Auch diesmal. "Anliegen ist, Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, ob Wirtschaft, Politik, Institutionen, Vereine oder Ehrenamt, zusammenzubringen", betont Bürgermeisterin Claudia Panke in ihrer Festrede.

Zu den Herausforderungen, denen sich Wülfrath in diesem Jahr stellen muss, gehört das alles bestimmende Thema der Finanzen: In der Stadtkasse droht in 2018 ein Loch von bis zu fünf Millionen Euro. "Wir setzen gemeinsam mit der Politik alles daran, einen konsensfähigen Weg aus dieser schwierigen Situation zu finden", appelliert Panke zur Geschlossenheit und blickt nach vorn: "Unser Ziel ist, Wülfrath attraktiver zu gestalten."

Trotz der Finanzklemme bleibt die Stadt handlungsfähig. Der Umbaustart der oberen Goethestraße im Stadtzentrum sowie die Eröffnung des Nachbarschaftsplatzes in Rohdenhaus kürzlich belegen dies. Als nächstes, so Panke, sollen die Spielflächen im Stadtpark erneuert werden. Wülfrath will mehr für Kinder tun - für die Bürgermeisterin zählt dazu neben der Bekämpfung der Kinderarmut auch der voranschreitende Kita-Neubau an der Schulstraße mit 100 Plätzen. Und im Quartier Halfmann-/Havemannstraße entstehen nach ihren Worten neue, bezahlbare Wohnungen. "Ziel ist, dass es noch in diesem Jahr zu einem Spatenstich beziehungsweise dem Beginn der Bautätigkeit kommt."

Bürgermeister unter sich: Andreas Seidler nutzte beim Stadtempfang die Gelegenheit und machte per Smartphone ein Foto von den Amtskollegen (v.l.) Wolfgang Preuß, Claudia Panke, Patrick Delebarre (Bondues), Alexander Curtis (Ware) und Alain Fauvarque (Bondues). Foto: Blazy Achim

In puncto klimafreundliche Stadt sieht Panke mehr Möglichkeiten für Wülfrath, nicht zuletzt durch den neuen Klimamanager im Rathaus. Zugleich würden sich die Stadtwerke vom klassischen Gas- und Wasserversorgungs-Unternehmen zu einem Energiedienstleister für die Kalkstadt entwickeln. "Der Focus wird auf den Ausbau der Elektromobilität, der regenerativen Stromerzeugung plus Speicherung und Photovoltaikanlagen gelegt."

Als erfreulich wertet die Bürgermeisterin die Eröffnung des Zeittunnels am 10. Juni mit einem kleinen Fest, der mit Hilfe von Fördergeldern attraktiviert werden kann. Bei der NRW-Radtour, die mit 1500 Teilnehmern im vergangenen Jahr bei der Etappe über den Panoramaradweg einen Stopp in Wülfrath einlegte, habe sich die Stadt von der besten Seite gezeigt. Hoffnung der Bürgermeisterin ist, "dass einige der vielen begeisterten Radler uns in diesem Jahr wieder besuchen". Gleichwohl hat der Stadtempfang im Paul-Ludowigs-Haus erneut im Zeichen des Ehrenamts gestanden, konkret das ehrenamtliche Engagement in der Pflege. Die wird immer wichtiger angesichts der alternden Gesellschaft und einer steigenden Zahl pflegebedürftiger Menschen. "Ihr Ehrenamtler macht Wülfrath bunter und die Menschen glücklicher", ruft Vera Kuhlen von der WüRG während des Auftritts der Musiker, zustimmender Applaus der Gäste.

"Die vielen stillen Helfer sind das Herz unserer Gesellschaft. Für diese Menschen", betont die Bürgermeisterin, "ist es selbstverständlich, dass sie ihre Kraft, ihre Zeit und ihre persönlichen Möglichkeiten hilfreich für Mitmenschen einsetzen." Monika Lax ist eine von ihnen, engagiert sich seit 15 Jahren ehrenamtlich im Alten- und Pflegeheim Haus von der Twer. Sie versucht, viel Freundlichkeit abzugeben. "Von den Bewohnern kommt ganz viel zurück. Wenn man nur ein bisschen Zeit schenkt, gibt einem das sehr viel", sagt sie beim Stadtempfangs-Talk. Für den Wülfrather Arzt Andreas Amthor sind die Ehrenamtler die Nahtstelle zur Arztpraxis. "Wir erfahren durch sie Dinge, die helfen, sicherere Diagnosen zu stellen, Therapien zu verbessern." Und Renate Zanjani von der Bergischen Diakonie Aprath schildert im Podiumsgespräch, die Wülfrather Einrichtungen des Wohlfahrtsverbandes können auf 100 Ehrenamtler zählen. "Sie prägen den Stil des Hauses mit."

(RP)