Wülfrath: So wird Gesundheit zum Kinderspiel

Wülfrath: So wird Gesundheit zum Kinderspiel

Impfen, Zähneputzen und Läuse auskämmen - in der Kita Wilhelmstraße informieren Expertinnen an drei Stationen.

Jonathan konzentriert sich. Und schaut mit dem ganzen Ernst eines Viereinhalb-Jährigen auf die graue Kuschel-Katze vor ihm. Ein schneller Griff, ein Druck auf die Plastikspritze. Fertig. Schon ist Mieze geimpft und Natalie Eichmann stellt rasch noch einen Impfpass aus: "Der Nächste bitte!" In der Kita an der Wilhelmstraße, bei den Stadtspatzen, gibt es heute eine Premiere. Maren Klotz, selbst Mutter eines Kita-Kindes, widmet sich zusammen mit ihren Kolleginnen Jennifer Hülsken und Natalie Eichmann spielerisch dem Thema Gesundheit. Die drei Frauen gehen in ein paar Wochen ins Finale ihrer Ausbildung in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Als sie der Kita-Leiterin Jessica Jäger von ihrem Gesundheits-Parcours mit drei Stationen erzählten, war die sofort begeistert: "Das probieren wir aus."

"Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass wir Kinder aus allen Kulturen informieren wollen", erläutert Maren Klotz. Denn längst ist ein Kindergarten wie der an der Wilhelmstraße so eine Art Vereinte Nationen im Dreikäsehoch-Format. Deshalb gibt es die Informationsblätter zu den drei Stationen auch in mehreren Sprachen. Die Papiere sind eher der Begleittext für die Großen. Die Mädchen und Jungen erleben Gesundheit als Kinderspiel.

Da geraten Legosteine und Knete zum Zahnersatz. Erst pfriemeln die Kurzen die zähe Masse auf die Plastiknoppen. Dann dreht Erzieherin Ilona Schramke die Sanduhr und alle putzen wie wild. In der Impfecke gibt es zunächst respektvolle Zurückhaltung. Vor dem Pieks beim Kinderarzt haben viele Kinder gehörigen Respekt. Doch als sie sehen, dass man einen Impfpass ausgestellt bekommt, stellen sie sich hintereinander an: "Das will ich auch."

In die Läuse- und Krätze-Ecke mit präparierten Kinderpuppen und einer voll funktionsfähigen Puppen-Waschmaschine geht anfangs - na klar - niemand. Jennifer Hülsken hat schon bei den Vorbereitungen so etwas geahnt. Ganz sachlich und spannend erzählt sie davon, was passiert, wenn man sich doch mal Parasiten eingefangen hat und vor allem - wie man sie ganz sicher und zuverlässig wieder loswird. Und tatsächlich - vor allem die Kinder hören aufmerksam zu, stopfen die Mini-Kleidung in die Waschmaschine und cremen und kämmen die Puppen. Ganz zaghaft kommen die Eltern hinterher.

"Toll, dass hier so etwas angeboten wird", sagt eine Mutter. Sie arbeitet als Zahnarzthelferin in Wülfrath. Viele Kinder, auch im Milchzahnalter, kommen problemlos durch die Kontrolle. Zwischendrin aber bekomme man krasse Kariesschäden zu sehen. "Kein Wunder, wenn die Kinder schon morgens mit übersüßen Früchtetees beginnen." Meist seien jene Eltern in diesem Moment erschrocken und kaum erreichbar für ein Beratungsgespräch über die heimische Ernährung. Deshalb sei die Kita und solch eine Aktion ein guter Ort, um Kinder und Erwachsene noch einmal intensiv zu informieren. Am Ende sind auch die Initiatorinnen zufrieden. Okay, einige Kinder haben Knete in die Unterseite der Legosteine gedrückt. Da muss nun etwas intensiver geputzt werden.

(RP)