Schuldnerberatung in Wülfrath: Es gibt immer einen Ausweg

Unterstützung in Wülfrath : Schuldnerhilfe: Es gibt immer einen Weg

Seit Kurzem stellt die Bergische Diakonie die Beratung in Wülfrath. Bis Januar hatte das DRK über 30 Jahre lang diese kommunale Pflichtaufgabe ausgeführt und unzähligen Haushalten bei der Entschuldung geholfen.

Ein Familienvater verliert seinen Job, eine junge Frau leidet unter Kaufsucht, ein Handwerker hat Monat für Monat mehr Ausgaben als Einnahmen – nur drei von unzähligen Beispielen von Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen in die Miesen geraten. Nicht wenige von ihnen wissen nicht mehr ein noch aus, schämen sich, öffnen unbezahlte Rechnungen nicht mehr, beginnen sich abzuschotten oder betäuben sich mit Alkohol. Dabei gibt es für jeden das passende, kostenlose Hilfsangebot der Schuldnerberatung.

Seit kurzem liegt diese auch offiziell in Wülfrath in der Trägerschaft der Bergischen Diakonie. „Nachdem ja die Schuldnerberatung des DRK im Januar sehr plötzlich ihre Tätigkeit eingestellt hat, haben wir bereits im Februar kommissarisch von Velbert aus die laufenden und neuen, dringenden Wülfrather Fälle übernommen“, erklärt Judith Ortmann, Diakonie- Abteilungsleiterin für den Bereich „Soziale Dienste“.

In Räumen im Untergeschoss des Seniorenwohnheims August-von- der-Twer wird vor allem Fachbereichsleiter Ralf Schwarzbach für persönliche Beratungsgespräche zur Verfügung stehen, wird gemeinsam mit den Hilfesuchenden nach geeigneten Lösungen schauen, Entschuldungspläne erstellen, Gläubiger kontaktieren oder durch die Privatinsolvenz begleiten. Der Diplom-Sozialpädagoge (54) arbeitet seit 20 Jahren in der Schuldnerberatung, weiß um Rechte und Pflichten, hat gewachsene gute und wichtige Kontakte zu Behörden und Banken. Vor allem aber hat er eins: stets ein offenes Ohr.

„Viele Menschen verschweigen aus Scham heraus über Jahre ihre angespannte finanzielle Situation, die sich wie ein Strick um den Hals immer enger schnürt. Wenn diese Menschen sich dann überwinden, zu uns zu kommen und sich erst einmal alles von der Seele reden können und erleben, dass ihnen jemand zuhört und ihnen vor allem klar macht, dass sie ab sofort nicht mehr alleine sind – dann ist das oft wie ein Knoten, der platzt“, berichtet Schwarzbach. „Wir machen diesen Menschen klar: Es gibt immer einen Weg und wenn sie möchten, dann gehen wir den jetzt gemeinsam.“

Weil die Bergische Diakonie über ein gutes internes Netz, aber auch über enge Beziehungen zu den anderen Wohlfahrtsverbänden und deren Angeboten verfügt, ist es für Ralf Schwarzbach und seine Kollegen (darunter auch eine Juristin) klar, dass Hilfestellungen oft über die eigentliche Aufgabe der Schuldnerberatung hinausgeht. „Eine Studie der Universität Mannheim hat gezeigt, dass Menschen, die eine Schuldnerberatung aufsuchen, zu 80 Prozent psychisch auffällig und belastet sind und daher oft umfangreiche Hilfsangebote benötigen“, weiß der Experte. „Das bedeutet, dass etwa Sucht häufig ein Thema ist, es kann aber auch sein, dass ein Kontakt zur Tafel nötig ist. Wir bieten den Menschen das an, was sie gerade brauchen.“

Seit Schließung der DRK-Schuldnerberatung im Januar hatte die Beratungsstelle der Bergischen Diakonie Velbert die laufenden und neu dazu gekommenen Fälle aus Wülfrath übernommen. Ab sofort braucht nun kein Wülfrather mehr den Weg nach Velbert auf sich zu nehmen. Die Räume im Untergeschoss der Seniorenwohnanlage Haus-August-von-der Twer hält der Schuldnerberater nicht nur wegen ihrer zentralen Lage in der City für optimal.

„Viele Menschen haben Angst davor, dabei entdeckt zu werden, wenn sie eine Beratungsstelle aufsuchen. Bei uns könnten sie ja schließlich genauso gut Verwandte im Altenheim besuchen. Das hilft vielen, die Scheu zu überwinden.“ Und die, das betont Ralf Schwarzbach noch einmal eindringlich, brauche wirklich niemand zu haben. „Niemand muss sich schämen und niemand steht ohne Hilfe da. Ich kann dazu raten, unsere kostenlose Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich nicht unbedingt an irgendwelche Schuldnerberater im Netz zu wenden, die erstens Geld kosten und zweitens auch nicht unbedingt Ahnung haben müssen. Denn die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt.“

(dani)
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