Wülfrath: Schon 24 Flüchtlinge kicken bei Einigkeit

Wülfrath: Schon 24 Flüchtlinge kicken bei Einigkeit

DFB hilft mit 500 Euro für Sportbekleidung der Spieler aus Mali, Eritrea, Irak, Syrien, Afghanistan, Bangladesch, Algerien.

Seit November bietet der TSV Einigkeit Dornap am Erbacher Berg wöchentlich einen Fußballnachmittag für die nun in der Stadt lebenden Flüchtlinge an. Nur an diesem Donnerstag fielen die Übungsstunden aus. Der Kälteeinbruch hatte viele vom Sport abgeschreckt. Eine Gelegenheit für Dominik Werkling, der die Gruppe gemeinsam mit Einigkeit-Torhüter Nils Römer und Torwart-Trainer Marc Bläsing leitet, eine erste Bilanz zu ziehen: "Das Angebot wird sehr gut angenommen." Natürlich gebe es bei den Einweisungen ins Lauf- und Passspiel hin und wieder Verständigungsschwierigkeiten.

Marc Bläsing (Mitte) und Nils Römer (4.v.r.) trainierten im November vergangenen Jahres zum ersten mal mit Flüchtlingen bei der TSV Einigkeit Dornap. Foto: D. Janicki

Trainingssprache ist neben Deutsch zum Großteil Englisch. Das sei auch bei großen Klubs wie Bayern München nicht anders, nur, dass dort zahlreiche Dolmetscher sprachliche Hilfestellung leisten. Für die Einigkeit übersetzt Akhtari Haji. Der Afghane spricht Dari und Urdu. Haji ist schon seit langem Fußballer, erst in Afghanistan, später beim 1. FC Wülfrath: "Wie es bei den anderen in ihrer Heimat war, darüber haben wir noch nicht gesprochen. Das braucht noch etwas Zeit."

Zum Auftakt waren damals 16 junge Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren erschienen. Mittlerweile ist ihre Zahl auf 24 Spieler gestiegen, die zu jedem Trainingsende mindestens eine halbe Stunde lang als zwei komplette Mannschaften gegeneinander antreten können, erzählt Werkling. "So kommt jeder in Bewegung. Es ist so, wie eine E- oder F-Jugend zu trainieren; nur eben mit Erwachsenen."

Ein besonderes Talent, das etwa die Perspektive hätte, in die Erste Herren der Einigkeit aufzurücken, ist bislang noch nicht gesichtet worden. An die Teilnahme am Ligabetrieb sei zunächst nicht zu denken, so Werkling: "Ins deutsche Amateurligensystem zu kommen, ist gar nicht so einfach. Das scheitert oft schon daran, die Genehmigungen für die einzelnen Spieler zu kriegen." Doch die Integration steht im Vordergrund. Die Etablierung einer eigenen Flüchtlingsliga sei denkbar.

Stefan Langerfeld ist Vorsitzender des Fußballkreises Wuppertal-Niederberg. Kraft seines Amtes überreichte er jetzt Einigkeit-Vorsitzenden Karl-Heinz Schultz 500 Euro aus dem Fördertopf "1:0 für ein Willkommen" der Egidius-Braun-Stiftung. Denn zur Gründung der neuen Mannschaft fehlte es an Sportkleidung. Die Flüchtlingshilfe Inga vermittelte einen Sponsor, der schwarze Sporthosen stiftete.

Für die Spieler aus Mali, Eritrea, Irak, Syrien, Afghanistan, Bangladesch und Algerien konnten damit die in Bordeauxrot gehaltenen Sweater finanziert werden. "Wir wollen nicht nur als Fußballer hier ankommen, sondern auch als Verein", sagt Schultz. Die Flüchtlinge sind noch keine Vereinsmitglieder, für ihre Versicherung ist aber gesorgt. Ebenfalls mit 500 Euro, aus den Erlösen des Willkommesfestes, möchte das Netzwerk "Wülfrath hilft" nun die Anschaffung von Fußballschuhen unterstützen. Ein junger Mann wollte schon barfuß mitspielen, doch dafür wäre auf dem Kunstrasen die Verletzungsgefahr zu groß gewesen. Die Stadt stellt unentgeltlich einen halben Platz jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr zur Verfügung.

Einer der Männer, die dort nun regelmäßig auflaufen, ist Sokurov Murik aus Russland. In seiner Heimat hat der in einer Hobbymannschaft gespielt - als Verteidiger: "Da bin ich besser als im Sturm. Und man muss nicht so viel laufen."

(lard)