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Sanierung des Glockenstuhls: Wer lässt Wülfrath in Zukunft läuten?

Sanierung des Glockenstuhls : Wer lässt Wülfrath in Zukunft läuten?

Das Geläut der Evangelischen Kirche bringt drei Tonnen Gewicht auf die Waage. Nun muss der Glockenstuhl repariert werden. Das Geld soll per Crowdfunding zusammenkommen.

Ganz so dramatisch wie anno 1678 steht es nicht um die Glocken der Evangelischen Kirche in Wülfrath – damals sind sie nach einem verheerenden Brand des Dachstuhls abgestürzt. Dennoch muss eine größere Reparatur an dem Glockenstuhl vorgenommen werden. Würden die aktuellen Schäden nicht beseitigt, könnte es schlimmstenfalls zu einem erneuten Absturz der Kirchenglocken kommen.

Glücklicherweise dient Manfred Hoffmann seit Jahren der reformierten Gemeinde als Baukirchenmeister und achtet darauf, dass durch die Schwingungen der schweren Glocken keine dauerhaften Schäden am Gebälk entstehen. Eben dieser Fall ist jetzt doch eingetreten, wie Spezialisten entdeckt haben. Immerhin wiegt die große Glocke 1590 Kilogramm, die mittlere 810 Kilogramm und die kleine auch noch 505 Kilogramm. Insgesamt sind also drei Tonnen Gussmaterial in Bewegung und sorgen für heftige Vibrationen.

Der Kostenvoranschlag für die dringend notwendigen Reparaturarbeiten beläuft sich nach Angaben von Pfarrer Thomas Rehrmann auf rund 20.000 Euro. Die Summe bringt die Gemeinde ordentlich in die Bredouille, denn nach einer Reihe von aufwendigen Umbau- und Renovierungsmaßnahmen in den letzten Jahren, wird das Geld aus Kirchenmittel kaum aufzubringen sein. schwer aufzubringen. Deshalb haben Pfarrer Rehrmann und Manfred Hoffmann für eine moderne Form gemeinschaftlicher Finanzierung entschieden: das Crowdfunding. Die Idee dazu stammt von der Volksbank im Bergischen Land.

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Das Projekt den Namen: „Lasst Wülfrath läuten“, bekommen, denn der lieb gewonnene Klang des Geläuts erklingt viertelstündlich als Zeitgeber, ruft um 7, 12 und 19 Uhr zum Gebet und diente früher auch als Alarm bei den Bränden, die es im Laufe der Geschichte immer wieder gegeben hat.

Eine mutige Besonderheit war das Mahnläuten im sogenannten Dritten Reich, das jeden Tag um 21 Uhr als Protest gegen das Naziregime erklang. Doch der Protest endete abrupt am 20. Januar 1942, als die Glocken der Stadtkirche wie viele andere von den Nazis demontiert und eingeschmolzen wurden. Aus Kirchenglocken wurden Kanonenkugeln – wie perfide. Bereits sechs Jahre später konnte sich die Gemeinde über drei neue Glocken freuen, gemeinschaftlich finanziert von den Gläubigen. Die drei Glocken tragen jeweils eine Inschrift. Die große ziert „Reformierte Gemeinde Wülfrath, 1947“, die mittlere „Land höre des Herrn Wort“ und die kleine, die bei Beerdigungen alleine erklingt, trägt die Inschrift „Der Meister ist da, er ruft dich“. Es ist das sprichwörtliche Totenglöcklein.

Das aktuelle Vorhaben „Lasst Wülfrath läuten“ wird in Etappen verwirklicht. Die erste ist zu Beginn der Woche gestartet und soll bis Ende Juli einen Betrag von 2000 Euro einbringen. Sobald die Summe erreicht worden ist, gibt die Volksbank 500 Euro hinzu. Die Mindestsumme, die die Bürger Wülfraths und Umgebung spenden können, beträgt fünf Euro. 400 Bürger müssten einen solchen Schein bis zum 31. Juli 23.59 Uhr gespendet haben, damit der Bonus der Volksbank dem Konto auch gutgeschrieben wird.

Dafür dürfen dann auch die klettertüchtigen und interessierten Wülfrather den Glockenturm ersteigen und den herrlichen Blick auf ihre Stadt genießen