Wülfrath: "Minestrone" serviert ein neues Stück

Wülfrath: "Minestrone" serviert ein neues Stück

Der Theaterverein wirft mit "Gretchen 89ff" einen entlarvenden Blick hinter die Schauspielkulissen.

Am ersten Märzwochenende ist es so weit: Dann steht der Theaterverein Minestrone mit einer neuen Produktion auf der Bühne. Vorgenommen hat sich die Gruppe kein geringeres Stück als den Faust - oder besser gesagt, ein Stückchen vom Stück, und das in immer neuen Variationen. In der Produktion "Gretchen 89ff" beleuchtet Minestrone die Arbeit hinter den Kulissen.

In acht Sequenzen wird die Arbeit an der berühmten Kästchenszene gezeigt, und dabei treten verschiedene Typen der Theaterwelt zu Tage. Da ist die übermotivierte Anfängerin, die den Regisseur mit ihren immer neuen Fragen und Atemübungen schier in den Wahnsinn treibt. Da ist die Diva, die sich für die Bohlen einer Provinzbühne eigentlich viel zu schade ist. Der eitle Regisseur, der bei den Proben auch schon mal übergriffig wird. Zusammengehalten wird das Ganze von Frank Heinich. Er spielt den alten Bühnenmeister, der das Drama hinter den Kulissen mit- und vor allem erträgt.

Dramatiker Lutz Hübner aus Heilbronn hat das humorige Stück geschrieben. Er ist selbst auch Schauspieler und Regisseur. "Vermutlich hat er damit viele eigene Traumata verarbeitet", sagt Minestrone-Vorsitzende Sandra Leidig. "All diese Theatertypen hat er in seiner Karriere wohl zu Genüge kennenlernen dürfen." Goethes Kästchenszene, sicher eine der am häufigsten interpretierten Szenen des deutschen Theaters, eignet sich allerdings auch wunderbar, um diese Typen herauszuspielen. "Wir haben im Prinzip immer die gleiche Ausgangssituation auf der Bühne", erzählt Leidig. Was die Figuren aus der Szene machen, könnte aber unterschiedlicher kaum sein. Im vergangenen Mai begann das Ensemble mit der Arbeit am neuen Stück. Auch zwei der jüngeren Vereinsmitglieder werden mit den "Großen" auf der Bühne stehen: Emma Stötzel und Victor Kuhlen gehören eigentlich zu den Chilis, dem Jugendensemble der Minestrone.

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Bis zur Premiere stehen jetzt noch mehrere Durchlaufproben auf dem Plan. Die finden momentan im Bürgerzentrum Rohdenhaus statt. "Bald geht es dann aber auch in die Kathedrale", kündigt Leidig an. In dem Veranstaltungszentrum in Schlupkothen werden die Aufführungen stattfinden. Seit Januar gibt es dort sogar einen echten roten Theatervorhang - "da sollten wir vielleicht auch noch den Ablauf und die Umbauten üben", so die Vorsitzende. Neu in der Kathedrale ist außerdem die sogenannte Black Box: ein schwarzer Rückraum, der echtes Theatergefühl auf die Bühne bringt. Gesponsert hat ihn die Sparkasse.

"Die Abläufe müssen sich noch einschleichen, dann kann die Premiere kommen", sagt Leidig. Einen etwas anderen Blick auf das Theater und die Menschen dahinter will Minestrone mit dem Stück erreichen. Oder wie es der Bühnenmeister zusammenfasst: "Der Laie denkt, dass man Theater einfach machen muss. Der Professionelle denkt, dass man Theater einfach machen muss."

(rab)